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Rügen Mario Ramos gibt fiesestem Fiesling der Festspiele ein Gesicht
Vorpommern Rügen Mario Ramos gibt fiesestem Fiesling der Festspiele ein Gesicht
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03:54 24.08.2013
Mario Ramos spielt den Bösewicht mit Lust. Er will, dass das Publikum die von ihm verkörperte Figur hasst.
Ralswiek

Wenn Henning von Manteuffel allabendlich seine Zunge mit Genuss über die linke Wange von Ann-Marie zieht, ist das Maß voll: Störtebekers Widersacher ist in jenem Moment das Fieseste, was die Festspiele in Ralswiek bisher an Fieslingen aufzubieten hatten. Und Darsteller Mario Ramos, der seit Jahren auf die Rollen der miesen Typen abonniert ist, fühlt sich wohl dabei.

„Manteuffel ist in der Tat mein Lieblingsbösewicht“, sagt der Spanier, der im Rheinland aufwuchs. „Er ist so grundsätzlich schlecht, hat nichts Gutes an sich. Er ist mit Lust böse.“ — Wie in eben jener Szene, wenn sich Störtebekers Freundin Ann- Marie in Manteuffels Gewalt befindet, und dieser ihr voll sadistischer Geilheit übers Gesicht leckt. „Sie schmeckt relativ neutral“, sinniert Ramos.

Hannemann sei nur wenig geschminkt, weshalb er vom Makeup nichts in den Mund bekomme. „Ich habe in den letzten 50 Vorstellungen versucht, ihren Geschmack herauszufinden. Deshalb wird die Lecknummer auch immer länger.“ Sagt‘s — und lächelt ein wenig diabolisch. Mit hochgezogener linker Augenbraue fügt er hinzu: „Da sie aber reinen Herzens ist, schmeckt sie nach nichts.“

Mario Ramos ist ein aufgeweckter Typ. Trotz seiner 40 Jahre wirkt er jungenhaft und plaudert scheinbar unbedarft gegen sein Image als teuflischer Gegenspieler des Helden an. „Der Böse ist voller Facetten“, sagt Ramos. „Es ist reizvoll, dessen gute Seiten zu zeigen oder im Verlauf einer Geschichte herauszuarbeiten, warum er so geworden ist.“

Henning von Manteuffel gibt da diesmal jedoch wenig Spielraum. Aber auch das ist für Mario Ramos eher eine Herausforderung. „Er ist wie der Teufel selbst“, sagt der Mime. „Er mordet, verführt, findet immer einen Ausweg und ist irgendwie nicht greifbar — das ist eine Rolle, um den eigenen Dämonen freien Lauf zu lassen. Denn — seien wir mal ehrlich — sadistische oder hinterhältige Komponenten hat jeder in sich. Auch die Guten haben ihre Monstren.“ Das wird in diesem Jahr sogar anschaulich in „Beginn einer Legende“ dargestellt, wenn Klaus Störtebeker den bereits verletzt am Boden liegenden Manteuffel absticht. „Eigentlich wollten wir Manteuffel am Leben lassen“, sagt Ramos. „Man kann von einem jungen Menschen, der Vater, Geliebte und Zuhause verliert, aber nicht verlangen, dass er am Ende Gnade walten lässt. Es wird hier mit dem Saubermann-Image des Störtebekers gebrochen.“

Über solche Widersprüchlichkeiten braucht sich Mario Ramos keine Gedanken machen. Er, der offen zugibt, die Rolle mit seinem ganzen Ich zu verkörpern und nicht nur zu spielen, begegnet nach den Aufführungen durchaus hin und wieder Gästen, die ihm zurückhaltend gegenübertreten oder sogar ausweichen. Vor allem Kinder sehen in ihm manchmal auch hinter der Bühne den gemeinen Kerl, den er im Stück gibt. „Das Publikum zu provozieren, ist Gegenstand der Rolle“, sagt Mario Ramos. „Wie weit bringe ich sie, mich zu hassen. Je stärker das Empfinden beim Publikum, desto besser war ich. Wenn sich in den Augen der Leute der Schauspieler aufhebt, dann stimmt es.“ Und wieder wandert eine Augenbraue in die Höhe. Und das sich anschließende Lächeln bleibt unergründlich.

Mario Ramos
Der Spanier wurde in seiner Heimat geboren, wuchs im Rheinland auf. Die deutsche Staatsbürgerschaft hat er nicht.


TV ist nicht sein Ding, obwohl seine Freundin Saskia Fischer im „Großstadtrevier“ mitspielt.


Im Kino war Ramos bisher lediglich in einem Kurzfilm zu sehen: „Das Maß der Dinge“.


Der selbstständige Schauspieler spielt viel in Hamburg und war schon auf der Freilichtbühne in Bad Hersfeld.

Jens-Uwe Berndt

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