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Martha Müller-Grählert ist in Zingst noch sehr lebendig

Zingst Martha Müller-Grählert ist in Zingst noch sehr lebendig

140. Geburtstag: Plattdeutschfreunde fürchten Aussterben der Mundart

Zingst. Ein bisschen war es, wie der Besuch einer guten Freundin. Gestern vor 140 Jahren wurde die Heimatdichterin Martha Müller-Grählert geboren. Anlässlich dieses Datums trafen sich Freunde des Plattdeutschen am Grab der „Erfinderin“ des Ostseewellen-Liedes auf dem Friedhof in Zingst. Und da ging es froh und heiter zu, der Witz und die feine Ironie der Gedichte Martha Müller-Grählerts lebte vor der letzten Ruhestätte der Dichterin wieder auf. Enzi Enzmann rezitierte ein Gedicht.

Der Entertainer bedauerte, dass Plattsnacker, die das Plattdeutsche noch aus dem Bauch heraus verwendeten, langsam aussterben. Werbung für das Plattdeutsche machte Enzmann mit seinem Vortrag des Müller-Grählert’schen Gedichts zum Plattdeutschen. Bei seiner kleinen Zuhörerschar rannte er damit offene Türen ein.

Heidi Methe beispielsweise reimt Plattdeutsches, das monatlich in der Veröffentlichung der Zingster Gemeindeverwaltung zu lesen ist. Sie nehme an der Veranstaltung teil, um Martha Müller-Grählert zu ehren. Die Zingsterin wird in dem Seeheilbad schon als würdige Nachfolgerin der Heimatdichterin gehandelt, die eigentlich erst mit den Zeilen in dem Gedicht „Mine Heimat“ posthum zu Ruhm und Ehre gekommen ist. Auf der ganzen Welt ist das „Ostseewellen-Lied“ bekannt geworden.

„Plattdeutsch sollte wieder viel häufiger gesprochen werden“, sagt Erwin Schröder von den Zingster Plattsnackern. In Schulen und Medien sollte die Mundart viel öfter vorkommen. Dass das Plattdeutsche ankommt, macht Erwin Schröder an dem guten Besuch von Veranstaltungen fest, die die Plattsnacker auf die Beine gestellt haben. Mehrere Angebote der Plattsnacker und des Heimatvereins hätten jeweils mehr als 100 Besucher gelockt. „Die Leute wollen das Plattdeutsche gerne hören“, bestätigt auch Heidi Methe.

Kein Wunder also, dass die bekannte Heimatdichterin in Zingst eine besondere Rolle spielt, wie Tom Sievert von der Kur- und Tourismus-Gesellschaft bestätigt. Das alljährliche Shanty-Chor-Treffen in jedem Jahr beispielsweise basiert auf der Liebe Martha Müller-Grählerts für das Plattdeutsche. Zu Ehren der Heimatdichterin wird während des Festivals immer der Martha-Müller-Grählert-Preis verliehen. Förderer des Plattdeutschen haben ihn in den vergangenen Jahren erhalten – darunter auch der Programmchef des Rundfunks für Streitkräfte in Nordamerika. Der, sagt Enzi Enzmann, habe sich für die Ostseewellen Müller-Grählerts entschieden, nicht für die Nordseewellen. Der hat die Heimatdichterin richtig lieb gewonnen, kennt auch Macken Müller-Grählerts. Wenn ein Reim mal nicht aufgehen wollte, habe sie einfach ein Wort erfunden oder sei ins Hochdeutsche abgedriftet.

Die so besungenen Ostseewellen sind auch das Kapital von Zingst, das laut Tom Sievert auch in die Erinnerung an Martha Müller-Grählert investiert wird. Von der Bekanntheit des Liedes profitiert natürlich auch Zingst. Bei Kaffee und Kuchen gab es im Anschluss an das Treffen am Grab der Heimatdichterin noch eine Stärkung.

Vor allem aber setzten die Teilnehmer auf eine Stärkung des Plattdeutschen in der heutigen Zeit. Begeistern für das Plattdeutsche ließen sich erst einmal Grundschüler. Sobald die aber in die Pubertät kämen, so etwa die Erfahrung Heidi Methes, sei das Interesse an Spielkonsolen und Smartphones größer als die Pflege des Plattdeutschen.

Bereits zum 19. Mal findet im kommenden Jahr das Treffen der Shanty-Chöre im Ostseebad Zingst statt. Vom 8. bis 10. September wird dann wieder dem Plattdeutschen gehuldigt.

Timo Richter

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