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Massensterben: Imker verlor fünf Völker

Göhren Massensterben: Imker verlor fünf Völker

Auf dem ersten Imkertag in Göhren kamen auch die Sorgen der Bienenzüchter zur Sprache.

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Norbert Rahn (62) lässt die Honigschleuder rotieren, während Irmtraud Schröder (78) eine der Waben hält. Foto (2): Jens-Uwe Berndt

Göhren. Wenn Norbert Rahn (62) aus Benz mit seinem ansteckenden Lächeln die Honigschleuder dreht oder Irmtraud Schröder (78) den Gästen stolz die Waben erklärt, versprühen die Imker des Poseritzer Imkervereins Frohsinn. Und doch drückt sie die Sorge um die Zukunft. Bienenmassensterben und Nachwuchsprobleme belasten die Züchter.

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Norbert Rahn (62) lässt die Honigschleuder rotieren, während Irmtraud Schröder (78) eine der Waben hält. Foto (2): Jens-Uwe Berndt

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Es war ihr erster Imkertag auf dem Mönchguter Museumshof. Und der Poseritzer Verein, zu dem derzeit 17 Zeidler gehören, präsentierte das immer seltener werdende Hobby mit all seinen Facetten. In die Gespräche mit den interessierten Gästen mischten sich aber auch immer wieder unangenehme Themen. „Ich habe in diesem Frühjahr fünf Völker verloren“, sagt Lothar Dols (79) aus Altefähr. „Die Bienen sind ausgeflogen, haben die Richtung verloren und sind nicht wieder zurückgekehrt.“ Ursache für die Verwirrung der Tiere sei die in der Landwirtschaft verwendete Chemie. „Ein Saatgutbeizmittel, das zu den Neonicotinoiden gehört, greift den Orientierungssinn der Bienen an. Sie verirren sich und gehen dann zugrunde.“ Dols nimmt kein Blatt vor den Mund: „Man kann dabei ganz klar von einem Massensterben sprechen. Und das geht schon seit fünf, sechs Jahren so.“

Norbert Rahn teilt die Sorge seines Imkerfreundes. „Pestizide werden auf großen Flächen ausgebracht“, sagt der Vorsitzende des größten Imkervereins der Insel. „Und angeblich sollen sie alle für Bienen ungefährlich sein. Aber was ist mit dem Pestizide-Cocktail? Eine Belastung der Völker bleibt nicht aus, und auch die Leistungsfähigkeit wird beeinflusst.“ Rahn kennt Beispiele, wo Bienenvölker, die unmittelbar an einem Rapsfeld standen, die gelben Blüten überhaupt nicht anflogen. Für ihn ganz klar ein Zeichen, dass die Chemie in den Kreislauf der Natur massiv eingreife.

Sorge macht den alten Imkern auch das Nachwuchsproblem. „Unsere Jungen sind zwischen 40 und 50 Jahre alt“, sagt Carsten Verhein (75) aus Binz. „Aus der jüngeren Generation interessiert sich niemand für unser Hobby.“ Verhein kann sich dieses Desinteresse allerdings durchaus erklären: „Wer nicht sesshaft ist, wird kein Imker.“ Die jungen Leute seien ständig auf der Suche, verließen die Insel oder reisten der Arbeit hinterher. Solange man allerdings auf Achse sei, ist Imkerei gar nicht möglich, sagt er.

Bei der Veranstaltung auf dem Museumshof in Göhren wussten die Poseritzer Vereinsmitglieder aber vor allem viel über Bienen, Waben, Völker und Honig zu erzählen. So nutzten Imker auf Rügen vor allem die Carnica-Biene. Diese Art habe die Nigra-Biene abgelöst, die zu DDR-Zeiten dominierte. „Die war viel dunkler als die Carnica“, erzählt Norbert Rahn. „Sie brachte auch nicht so die Leistung und war viel angriffslustiger.“ Während er heute mit freiem Oberkörper an den Waben arbeiten könne, wäre das bei der Nigra niemals möglich gewesen. „Früher konnte man ohne Vollschutz gar nicht arbeiten“, sagt Rahn.

Lothar Dols hofft auf bessere Zeiten für das Zeidler-Hobby, bleibt aber skeptisch. „Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, wird es in ein paar Jahren keine Imker mehr geben“, sagt er. „Es könnte passieren, dass die Bienenvölker aus der Natur verschwinden.“

Bienenvölker
10 000 Bienen gehören zu einem Volk, wenn das Frühjahr beginnt, sagt Imker Norbert Rahn. Manchmal würden doppelt so viele Tiere gezählt.

60 000 Bienen seien im Sommer pro Volk normal. In der Hochsaison könnte es gar bis auf 100 000 Bienen anwachsen.

 

 

Jens-Uwe Berndt

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