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Bergen Miese Ernte auf teurem Acker

Rügens Landwirte klagen über steigende Boden- und sinkende Absatzpreise

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Zwei Mähdrescher bei der Weizenernte auf einem Feld in der Nähe von Patzig. 2016 war das schlechteste Erntejahr auf Rügen seit langem. ARCHIV-FOTO: JENS KÖHLER

Bergen. Der Rügener Bauerntag des vergangenen Jahres ist Detlef Kurreck noch gut im Gedächtnis. „Da wurden morgens um zehn schon Lieder gesungen“, erinnert sich der Präsident des Bauernverbandes in Mecklenburg-Vorpommern. So viel fröhliche Stimmung wollte beim gestrigen Treffen der Rügener Bauern nicht aufkommen. Der Vorsitzende des Bauernverbandes auf der Insel, Walter Lonskowski, hatte schon im vergangenen Frühjahr eine düstere Prognose für 2016 abgegeben. „Diese böse Vorahnung hat sich leider bewahrheitet“, sagte er beim Bauerntag in Bergen. „Die Ernte 2016 war die schlechteste der vergangenen 26 Jahre.“

 

OZ-Bild

„Vor 50 Jahren hätte es nach einer solchen Ernte wie 2016 eine Hungersnot gegeben.“ Walter Lonskowski, Bauernverband Rügen

Als Beispiel nannte der Wittower Landwirt den auf Rügen weit verbreiteten Raps. Hier hätten die Erträge zum Teil nur bei 60 Prozent des langjährigen Mittelwerts gelegen. Das habe sich schon im Frühjahr angedeutet, als die Pflanzen auf vielen Feldern nur ein schwaches Wurzelwerk ausgebildet hatten. Außerdem fehlte im ganzen Land der Regen. Viel besser sah es auch beim Getreide nicht aus.

Obendrein waren die Preise niedrig, während gleichzeitig die Kriege in Nordafrika den Absatz vor allem von Weizen hemmten, der traditionell dorthin geliefert wird.

„Bei einem solchen Rapsertrag hätte ich vor 30 Jahren bei der SED-Kreisleitung strammgestanden“, machte Kurreck das Ausmaß der Ernteeinbußen deutlich. „Vor 50 Jahren“, so Walter Lonskowski, „hätte es nach einer solchen Ernte eine Hungersnot gegeben.“ Dass die Verbraucher heute nichts davon spürten, sei schlicht eine Folge der Globalisierung: Irgendwo anders auf der Welt wurde und wird genügend Getreide produziert.

Viele Rügener Landwirte sind nach diesem schlechten Erntejahr arg gebeutelt. Vor allem die Milchbauern, wie Lonskowski sagt. Die leiden seit Jahren unter den schlechten Milchpreisen und haben die Verluste in diesem Bereich meist durch die Erträge aus dem Ackerbau kompensiert. 2016 ging diese Rechnung bei einigen nicht mehr auf. Karin Pisch hat das auch in der Geschäftsstelle des Rügener Bauernverbandes in Bergen zu spüren bekommen. Zum Ende des Jahres stand die Interessenvertretung der Rügener Landwirte mit einem Minus von rund 11000 Euro da. Das resultierte größtenteils aus ausstehenden Beitragszahlungen der Mitglieder, die finanziell zu knapsen hatten. Mittlerweile haben so gut wie alle diese Beitragsschulden beglichen. „Und auch auf den Feldern sieht es zu Beginn dieses Jahres besser aus als 2016“, sagte der Vorsitzende des Landes-Bauernverbandes, Detlef Kurreck, erleichtert.

Allerdings sind immer weniger Felder zu finden. „Wir verlieren zunehmend wichtige Flächen“, sagte Walter Lonskowski. In Deutschland werden pro Tag 66 Hektar Ackerland für Siedlungen, Straßen und Wege aufgegeben. Der Frust bei den Rügener Bauern über den „Landfraß“ ist groß. Schon jetzt seien viele Ackerflächen für die Trasse der neuen B 96, die sich in weiten Bögen durch die Landschaft zieht, geopfert worden. „Und das ist noch nicht das Ende“, weiß auch Lonskowski: „Die Ortsumgehung Bergen wird kommen und dann sind die nächsten Landwirte betroffen.“ Die Entschädigung, die ihnen für den Verlust der Flächen gezahlt werde, reiche bei weitem nicht aus. Denn Ackerland auf der Insel ist teuer. Für den Hektar werden mittlerweile fünfstellige Euro-Summen aufgerufen.

Viele Bauern können sich das nicht mehr leisten und unterliegen in den Bieterduellen. Den Zuschlag bekommen immer öfter Finanzunternehmen, die in dem Grund und Boden eine sichere Geldanlage sehen.

Bestenfalls verpachten sie das aufgekaufte Land oder komplette Höfe weiter. Nicht selten lassen sie den Grundbesitz aber einfach ungenutzt liegen.

Diese Entwicklung sieht man auch beim Landes-Bauernverband mit Sorge: „Wir wollen lieber einen Generationswechsel ohne Eigentümerwechsel.“ Der Verkehrswert vieler Ländereien liege mittlerweile häufig über deren Ertragswert, sagt Detlef Kurreck. Das Problem beschäftigt offenbar auch die Politik, die dieser Entwicklung Einhalt gebieten will. Der Präsident des Landes-Bauernverbandes ist da skeptisch: „Die anderen haben auch ihre Rechtsanwälte und Steuerberater, die nur nach Schlupflöchern suchen.“ Besser sei es, die gewollte Entwicklung, also den Erwerb und die Bewirtschaftung der Flächen durch die Bauern, zu befördern als zu versuchen, eine missliebige auszubremsen.

Verbandsmitglieder bewirtschaften Großteil der Flächen

62191 Hektar der insgesamt 97400 Hektar großen Insel werden landwirtschaftlich genutzt. Einen Großteil nehmen die Ackerflächen ein (50156 Hektar), den Rest von rund 12000 Hektar das Grünland.

128 Mitglieder hat der Bauernverband Rügen. Sie bewirtschaften mehr als 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Ausgetreten sind 2016 alle Rügener Landwirtschaftsbetriebe der Baltic Agrar GmbH. Einziger Neuzugang ist der Salzwiesenhof in Kloster auf Hiddensee.

Walter Lonskowski und Max Ott vertreten die Insel im Präsidium des Landes-Bauernverbandes.

Maik Trettin

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