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Mit 27 Etagen gegen Proras Wuchtigkeit

Prora Mit 27 Etagen gegen Proras Wuchtigkeit

Geplantes Hochhaus soll die städtebauliche Strenge und den Geist des „Kolosses“ brechen

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Wollen offensiv für ihre Hochhaus-Pläne werben: Architekt Axel Drebing (li.) und Bauherr Jürgen Breuer.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Prora. „Soll die Veräußerung des gemeindeeigenen Grundstücks der Gemarkung Prora, Flur 7, Flurstück 5/118 an einen Investor erfolgen, der dort ein Hochhaus errichten will?“ Über diese Frage werden am 4. September die wahlberechtigten Binzer bei einem Bürgerentscheid abstimmen. Die Binzer Gemeindevertreter hatten die Entscheidung über das umstrittene Projekt an die Bürger delegiert. Die Kommune hatte das etwa 1,3 Hektar große Grundstück zum Verkauf ausgeschrieben. Jürgen Breuer, als Bauherr vieler anderer Objekte auf Rügen bekannt, gab mit 3,5 Millionen Euro das höchste Gebot ab. Und er will auch am höchsten hinaus. 104 Meter soll sich der auch als „Wohnturm“ betitelte Bau über Prora erheben.

Auch im übertragenen Sinne, argumentiert der Architekt Axel Drebing. Er hatte die Skizze für einen solchen Bau mit verschobenen Geschossen – inspiriert von der 2011 in Berlin zeitweise aufgestellten Kunststoff-Skulptur namens „Bücherturm“ – schon im Kopf und in der Schublade. Jürgen Breuer war und ist begeistert und überzeugt: „So ein Bau kann auf Rügen nirgendwo anders stehen als hier in Prora.“ Weil er städtebaulich nur hier funktioniere, argumentieren der potentielle Bauherr und der Architekt und sprechen von einem Gegenpol zum bestehenden Monumentalbau, in den Breuer auch Geld investiert hat: Zwei Aufgänge im Block II hat er zu hochwertigen Wohnungen, Büros und Geschäften umgebaut. Die „Geschichtsaufarbeitung“ soll ein paar hundert Meter entfernt zwischen Parkdeck und Zufahrtsstraße stattfinden – auf architektonischem Wege. „Wir zerstören die innere Symmetrie der Anlage“, meint Axel Drebing. Prora soll mit dem Hochhaus so etwas wie ein Zentrum an der Peripherie bekommen. Die bei dem Bau der Anlage vorgesehene Mitte, die Freifläche zwischen den Blöcken III und IV, sei heute allein aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht bebaubar. Das Hochhaus breche nicht nur die Idee des KdF-Komplexes, sondern auch die horizontale Monumentalität der bisherigen Blöcke – durch einen vertikalen Monumentalbau mit 27 Geschossen. Dadurch werde „das Vorhandene komplett negiert“, findet Architekt Drebing. Das Hochhaus mit den verschobenen Ebenen sei ein „sympathisches Chaos“ als Antwort auf die Strenge der bisherigen Blöcke.

Dass das viele Binzer anders sehen, wissen auch Jürgen Breuer und Axel Drebing. Sie wollen im kommenden Monat in die Offensive gehen, wie sie es nennen, und bei den Binzern und Proranern für das Projekt werben. Wenigstens ein Viertel der wahlberechtigten Einwohner muss sich an dem Entscheid beteiligen, damit er gültig ist, sagt Bürgermeister Karsten Schneider. „An das Ergebnis ist die Gemeinde auf jeden Fall gebunden“, versichert er.

Was passiert, wenn das Projekt abgelehnt wird? „Wir werden weiter versuchen, diese Fläche zu verkaufen“, so der Bürgermeister. Neben Jürgen Breuer habe es noch zahlreiche weitere Interessenten für das Areal der ehemaligen Schule in Prora gegeben – mit ganz unterschiedlichen Vorhaben. Die einen wollten ein medizinisches Zentrum errichten, andere die im bisherigen Bebauungsplan vorgesehenen Eigenheime und eine Pflegeeinrichtung. Wie Binz mit dieser Fläche weiter verfährt, darüber werde man sich nach dem Bürgerentscheid verständigen. Einen Plan B gäbe es nicht, beteuern Breuer und Drebing: „Wenn unser Plan abgelehnt wird, muss man eine andere Antwort auf Proras Architektur und Geist finden.“

Jahrelang Schulstandort

1,3 Hektar groß ist das Gelände der früheren Schule in Prora, auf dem das Hochhaus errichtet werden soll. Die Schule wurde 1973 eröffnet und steht seit über zehn Jahren leer. Ursprünglich war dort der Bau einer Gartenhofsiedlung geplant; für die kleinen Grundstücke fanden sich seinerzeit aber angeblich nicht genügend Interessenten. Nach aktuellen Prognosen könnten in Prora bis zu 17000 Betten entstehen. In Binz gibt es derzeit rund 15000 Gästebetten.

Maik Trettin

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