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Mit Herz, Verstand, Geist und Seele

Neukamp Mit Herz, Verstand, Geist und Seele

Günther Haußmann und Astrid Trubel führen ein Leben zwischen Zahntechnik, Verwaltung und Kreativität

Neukamp. Werkzeugmacher, Zahnarzt, Bildhauer. Der 1948 in Dresden geborene Günther Haußmann ließ sich schon mit dem Satz zitieren „Ich arbeite mit Herz und Verstand in meiner Praxis — Geist und Seele gehören der Kunst“. Nach einer Lehre zum Werkzeugmacher, studierte Haußmann Zahnmedizin in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad und arbeitete als Zahnarzt im Harz, bis er 1982 eine Stelle als leitender Zahnarzt im medizinischen Zentrum von Bergen antrat. Drei Jahre vor der Wende — und damit seiner Selbstständigkeit als Zahnarzt in Bergen — kaufte er das Bauernhaus in Neukamp. Darin wohnten damals noch zwei alte Damen, die das baufällige Haus verlassen mussten, weil es nicht mehr bewohnbar war. „Es gab noch Schwengelpumpe, Kachelofen und die Dielen waren durchgefault“, erzählt er. Mit Hilfe eines Fachmanns baute er es binnen drei Jahren um und aus. „Der Handwerker setzte die Ecken und ich ergänzte dann die Zwischenräume“, erinnert er sich an die Zeit doppelter Belastung. Seitdem habe sich die Zahl der Häuser in Neukamp zumindest verdoppelt, schätzt er.

Zu ruhig ist es ihm nicht in dem abgelegenen Ortsteil am Bodden, denn er hat Trubel um sich. Die zehn Jahre jüngere Astrid Trubel hatte vor vier Jahren ihre Stelle in der Verwaltung des Film-Museums von Potsdam gekündigt, wo sie 27 Jahre lang arbeitete und war zu ihrem Günther nach Neukamp gezogen. Nach einem Intermezzo auf der Insel Riems entschloss sie sich, ihren Traum von einer kreativen Tätigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. „Ich sah die Schafe und deren Wolle und dachte immer, daraus müsste sich doch etwas machen lassen“, erzählt sie. So ließ sie sich auf dem Kunsthandwerkerhof Kukate im niedersächsischen Wendland, „einem Ort für Menschen, die sich für eine Zeitlang, abseits vom Alltagsgetriebe, einer künstlerischen oder handwerklichen Tätigkeit widmen wollen“, zur Weberin ausbilden.

Heute stellt sie aus der rauen Wolle der Pommernschafe Teppiche her und eröffnete im Herbst 2014 ihre Weberstube am Markt von Putbus. Inzwischen unterweist sie selber zum Thema „Von der Wolle zum Teppich“ und gibt Kurse in Handweberei — und orientalischem Tanz. „Das ist seit fast 20 Jahren eine weitere Leidenschaft von mir“, erzählt Astrid Trubel. Jeden Montag ab 18 Uhr wird die Mehrgenerationenbegegnungsstätte von Bergen-Süd zum Sehnsuchtsort aus Tausendundeiner Nacht in den auch Anfänger jederzeit eintauchen können.

Schon seit Mitte der 80er Jahre hatte Günther Haußmann begonnen, sich der Bildhauerei zuzuwenden, die er treffender mit dem Begriff „dreidimensionale Kunst“ beschrieben sieht. „Es gibt mehr Ausdrucksformen als die bloße figürliche Gestaltung“, erklärt er. Nach der Wende schloss er ein Studium an der Bochumer Kunstschule ab, wo er die Arbeit mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen erlernte und Kenntnisse der Komposition bis hin zu Marketing und der Vorbereitung einer Ausstellung erlangte. Gemeinsam mit den Künstlern Frank Otto Sperlich und Walter G. Goes betreibt er heute das Atelier ROTklee neben der Webstube seiner Frau am Markt von Putbus. Das Trio führt jährlich etwa sechs Ausstellungen zu Themen mit gesellschaftlichen Bezügen wie „Krieg und Frieden“ oder „Heimat und Flucht“ durch. Günther Haußmann, der inzwischen auch die Fotografie für sich entdeckte, machte zuletzt auf sich aufmerksam, als er Leonardo da Vincis berühmtes Gemälde „Abendmahl“ mit neuen und alten Einwohnern aus Putbus nachstellte oder 140 Porträts von Menschen aus seiner Umgebung ausstellte. So vielfältig wie die beruflichen Werdegänge des Paares sollten sich auch die privaten gestalten und so entstanden aus mehreren Verbindungen zusammen sieben Kinder.

Von Uwe Driest

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