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Mit Klönschnack am Gartenzaun ist es vorbei

Prisvitz Mit Klönschnack am Gartenzaun ist es vorbei

Doch Ingrid Scheel würde aus Prisvitz nicht mehr weg wollen

Prisvitz. Die dunkle Jahreszeit kann Ingrid Scheel nicht besonders leiden. „Es graut mir jetzt schon vor dem Winter, wenn man nicht raus kann“, sagt der 69 Jahre alte Rentnerin und schüttelt sich. Als „Naturmensch“ ist die Prisvitzerin oft an der frischen Luft.

Sie werkelt in ihrem Garten, geht mit ihrer dreijährigen Schäferhündin Kyra Gassi, kümmert sich um ihre acht Hühner und die Enten oder sitzt einfach nur auf der Terrasse. Nur eines hat in diesem Sommer die ländliche Idylle getrübt. Ihre Kartoffeln, Mohrrüben und vor allem die Zwiebeln waren nämlich unliebsamen Mitbewohnern ausgesetzt gewesen. „Das war richtig schlimm mit den Schnecken in diesem Jahr“, sagt die erfahrene Gärtnerin.

Wenn man die arbeitsame Frau nach ihrem Leben in Prisvitz fragt, leuchten ihre Augen: „Herrlich“ sei es früher hier gewesen. In jungen Jahren seien sie immer zu dritt, sie und ihre beiden Brüder, losgezogen. Oft kamen noch Kinder aus den Nachbardörfern dazu. Zusammen waren sie um die Häuser getobt, hatten Verstecken in der nahe liegenden Scheune gespielt oder im Ossen, dem kleinen, hinter Schilf versteckten See, geangelt.

Damals lebte Ingrid mit ihrer Familie noch im alten Gutshaus des Ortes. Die Eltern waren im Jahre 1951 aus dem benachbarten Strüssendorf dorthin gezogen und arbeiteten in der Landwirtschaft. Zur Schule gingen die Kinder in Bergen, und zwar zu Fuß: „Da hat kein Mensch danach gefragt, wie man da hin kommt.“ Heute dagegen müssten die Kinder ständig gefahren werden.

Nach der Schule begann Ingrid in einer Bergener Backstube zu arbeiten. „So war das früher eben.“ Als der Bäcker aufhörte, wechselte sie den Arbeitsplatz und verdiente fortan als Reinigungskraft im Krankenhaus der Inselhauptstadt ihr Geld. „Das habe ich fast 48 Jahre lang gemacht.“

Zur Seite steht Ingrid Lebensgefährte Harald, den sie im Alter von 26 Jahren in Lancken-Sassnitz kennen gelernt hatte. Ausgerechnet auf der Hochzeit ihres Bruders mit Haralds Schwester funkte es zwischen den beiden. Schnell war man sich einig und zog zusammen. Während Ingrid täglich ihrem Job in Bergen nachging, fuhr der heute 73 Jahre alte Harald zu seiner Arbeit im Kreideabbau in Klementelvitz. Die Familie wuchs, und als das dritte Kind auf die Welt kam, zog sie 1980 aus dem Gutshaus in ein landwirtschaftliches Nebengebäude mit Kuhstall, das zu Wohnzwecken umgebaut worden war.

Dort lebt das Paar immer noch. Doch die Kinder sind längst aus dem Haus: Der 49-jährige Sven hat sich in Sehlen niedergelassen, seine sechs Jahre jüngere Schwester Grit wohnt auf Usedom. Die Jüngste, Sandra, hat es nach Magdeburg verschlagen.

„Mit einem Bein schon in der Gruft bin ich“, scherzt Ingrid mit Blick auf den 70. Geburtstag. Zum Festtag kommt ordentlich Leben in die Bude. Denn mittlerweile ist sie siebenfache Großmutter, und auch ein Urenkel wird die Jubilarin hochleben lassen.

Fast das ganze Leben hat Ingrid in Prisvitz zugebracht, und auch wenn sich manches im Dorf verändert hat, würde sie dort nicht wegziehen. Zumindest solange es geht. Ein bisschen bedauert sie, dass jeder im Ort vor sich hinlebt. „Früher hat man mal über den Zaun geschnattert“, sagt sie, „aber das ist vorbei.“ Langeweile kennt die freundliche Frau nicht. Mit ihrem Mann unternimmt sie immer wieder Ausflüge auf Rügen oder zur Tochter nach Usedom. Aber „längere Strecken mag ich nicht mehr fahren“. Muss sie auch nicht. Denn Natur und sehenswerte Landschaften hat sie vor der Haustür.

sg

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