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Mit Musik den Baby-Alltag meistern

Binz/Putbus Mit Musik den Baby-Alltag meistern

Rügener Mütter nutzen die Macht der Noten, um ihre Kleinen zu beruhigen / Musik fördert das Sozialverhalten

Binz/Putbus. Dörte Sasse drückt sich die Spieluhr an den Bauch. Das Baby darin rührt sich leicht. „Ich bin mir sicher, dass es die Melodie schon erkennt. Das Gehör ist ja schon früh ausgebildet“, weiß die 26-Jährige aus Binz. Wie schon bei ihrem ersten Sohn Fabian (2) möchte sie sich den Wiedererkennungswert der Melodie zunutze machen, wenn der Kleine dann auf der Welt ist. „Die Hebamme hat uns das empfohlen, und ich finde, dass die Spieluhr so eine sehr beruhigende Wirkung hat“, meint Mama Dörte. Ihr ist die Wirkung von Musik auf Babys sehr bewusst, deshalb achtet sie auch darauf, dass Söhnchen Fabian keine Spielzeuge hat, die elektrisch vor sich hin tönen. „Ich finde das nervig. Ein Baby oder Kleinkind braucht so was doch nun wirklich noch nicht, das tut doch in den Ohren weh“, beschwert sie sich.

Und hat völlig Recht damit, sagt der studierte Musiker und Pädagoge Sven Kühbauch. Für den 39-Jährigen aus Putbus ist Musik eine Leidenschaft, die nicht früh genug gefördert werden kann. „Babys werden mit dem so genannten absoluten Gehör geboren, das heißt, sie können einen Ton ohne Vergleichston erkennen und richtig einordnen.“ Die Fähigkeit wird im Laufe des ersten Lebensjahrs meist verlernt, selbst Berufsmusiker haben nur ausgesprochen selten das absolute Gehör. „Wenn sie es haben, werden sie Ausnahmetalente wie zum Beispiel Mozart oder Jimi Hendrix“, sagt Kühbauch und empfiehlt Eltern, schon früh mit dem Baby Musik und Geräuschen zuzuhören. „Wichtig ist aber, dass die Musik nicht laut und allzu basslastig ist. Die feinen Härchen im Ohr des Babys werden sonst zerstört, das Gehör ist noch sehr empfindlich“, warnt der Pädagoge. Auch Babyrasseln sollte man auf ihre Lautstärke prüfen. „Uns kommt das vielleicht zu leise vor, wir meinen, dass diese Babyrasseln ja gar nicht richtig rasseln. Aber Babys hören sehr gut, schon nach dem ersten Lebensmonat ist ihr Gehör voll ausgeprägt.“

Bei Dörte Sasse läuft im Kinderzimmer leise eine CD mit bekannten Kinderliedern, während Fabian spielt. „Aus dem Kindergarten kennt er diese Lieder, dort singt und tanzt er auch sehr viel.“ Musiker Kühbauch würde es auch so machen: „Man sollte den Kindern schon eine Chance geben, irgendwann zu verstehen, was da gesungen wird.“ Es sei schön, wenn Eltern ihre Lieblingsmusik mit den Kindern teilen, aber sie sollten sich im Klaren sein, dass Musik eben auch Stimmungen beeinflussen und erzeugen kann, meint Kühbauch, der auch Filmmusik studiert hat. „Eltern würden hoffentlich auch keinen Horrorfilm mit ihren Kindern schauen. Dort wird Musik ganz bewusst eingesetzt um Spannung zu erzeugen. Bei Babys ist genau das Gegenteil angebracht, nämlich beruhigende oder fröhliche Musik.“ Dass das funktioniert, hat Kühbauch mit einem Stück bewiesen, dass er für seine Nichte Melina zur Taufe geschrieben hat. „Es sollte sie in der ungewohnten Umgebung mit all den Menschen beruhigen. Das hat geklappt, meine Schwägerin erzählt mir immer wieder, dass sie das Stück auch bewusst einsetzt, um Melina runterzuholen, wenn sie aufgeregt ist“, erzählt er. Trotzdem sollte man bei aller Vorsicht nicht den Spaß an der Musik verlieren, sagt Kühbauch: „Wenn Kleinkinder auf der Hüpfburg toben, ist eben AC/DC angesagt und nicht Brahms. Solange die Lautstärke stimmt, ist da nichts gegen einzuwenden.“

Auch Nina Harder aus Sassnitz und Kathleen Jung aus Bergen achten darauf, wie Musik ihre Kinder erreicht. Die beiden Freundinnen singen selbst viel mit ihren Babys. „Das ist so schön, Marla singt dann auch gleich mit. Mein Großer ist jetzt vier, er gibt sich manchmal genervt, wenn ich singe. Das ist wohl so eine Phase“, lacht Mama Nina, die sich auch vorstellen könnte, die kleine Marla (6 Monate) mit zu einem Konzert zu nehmen. „Solange es friedliche Musik ist oder Klassik. Die Begeisterung der Eltern überträgt sich ja auch auf das Baby. Und wenn in Binz mal draußen eine Band spielt, bleiben wir natürlich stehen. Die Babys freuen sich so“, meint sie. Musik sei aber vor allem Bestandteil des Alltags, ergänzt Freundin Kathleen: „Ich habe schon in der Schwangerschaft viel Musik gehört und zum Beispiel in der Küche getanzt. Selbst Ennalottes Vater singt automatisch, wenn er sie beruhigen will.“

„Dabei bleiben“, rät Pädagoge Kühbauch. „Wenn man ein Kind mit Musik beschäftigt, indem man mit ihm singt, es dazu klatschen, tanzen oder später selbst ein Instrument lernen lässt, werden Gehirnregionen stimuliert, die sonst oft zu kurz kommen. Da reicht auch schon das Liedchen ,Backe, backe, Kuchen‘.“ Tatsächlich belegen Studien, dass musikalische Kinder die besseren Schüler sind, längere Aufmerksamkeitsspannen haben und sozial besser zurecht kommen.

Dörte Sasse nimmt die Spieluhr vom Bauch. Ihr ungeborenes Baby ist ganz still geworden. „Bestimmt eingeschlafen“, meint sie augenzwinkernd. Und hofft natürlich, dass die magische Wirkung der Spieluhr nach der Geburt noch erhalten bleibt. Mit Musik geht eben alles ein bisschen besser.

Von Gaia Born

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