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Rügen Mit Trabi und Wackeldackel unterwegs
Vorpommern Rügen Mit Trabi und Wackeldackel unterwegs
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00:01 17.10.2017
Mit ihrem Trabi in seltenem Altrosa fällt Manuela Mann nicht nur auf Mönchgut auf. Zu DDR-Zeiten gab es davon nur ein paar wenige. Quelle: Foto: Steffi Besch
Mariendorf

. Ob in Badelatschen im Selliner Freizeitbad, in Mönchguter Tracht auf dem Bernsteinpromenadenfest am Göhrener Nordstrand, in Wanderschuhen über die Zickerschen Alpen oder im 601er Trabant in altrosa durch Alt Reddevitz: Manuela Mann ist immer in Bewegung. Die quirlige 54-Jährige ist gern unterwegs. Am liebsten in ihrer Heimat. Auf der Halbinsel Mönchgut.

Angespült wurde die gebürtige Dresdnerin 1985 durch eine Annonce im „Neuen Deutschland“. Das „Haus am Meer“ in Lobbe suchte Saisonarbeiter. Manuela, damals 22 und noch nie die Küste vor Augen, verliebte sich in die Insel, kam ein Jahr später als Kellnerin ins Selliner Hotel des Ministeriums des Innern (MdI), genannt „Einheit“ – und blieb. Sie kellnerte und wohnte im Haus am Ende der Wilhelmstraße.

„Das war sowieso mein absoluter Traumberuf. Als Zweitälteste von sieben Kindern wollte ich so früh wie möglich von Zuhause weg. Da kam mir mit 16 der Ausbildungsberuf zur Zootechnikerin für industrielle Geflügelmast gerade recht. Eine Lehre mit Internatsplatz. Während dieser habe ich aber schon immer an den Wochenenden in Dorfkneipen außerhalb Dresdens gejobbt. Als ich meine Ausbildung in der Tasche hatte, holte ich meinen Facharbeiter in der HO-Gaststätte in Radeburg nach. Ich war Kellnerin!“, erzählt Manuela und freut sich noch heute über diesen Schritt. Führte sie dieser doch nicht nur nach Rügen, sondern auch in die Arme von Peter. Doch bevor die Manu mit ihm auf sein Gehöft in Mariendorf zog, fing er sich drei Körbe. „Er ließ aber nicht locker und holte mich immer in seinem 500er Trabi ab. Darüber lachen wir noch heute.“

30 Jahre ist es nun her, dass die junge Sächsin auf dem großen Hof auf Mönchgut ihr Zuhause fand. Im roten Backsteinhaus, das einst Peters Urgroßeltern mit Gastwirtschaft und Fremdenzimmern erbauten und das ganze Dorf zu Einkauf und Tanz lud. Im Saal von damals stehen heute kein Tisch und Tresen mehr, sondern das Werkzeug des Hausherren, einem gelernten Schlosser, der bei der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) „Junge Garde“ in Sellin gelernt und schon immer beim Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen tätig war. Ein Beruf, der vor allem zu DDR-Zeiten gefragte Fertigkeiten mit sich brachte. „Bei uns war immer etwas los. So richtig Zeit für Familie war anfangs gar nicht, weil immer jemand etwas von Peter wollte und er auch gern half“, erinnert sich Manuela.

Das technische Interesse erbten die zwei Jungs, Christoph und Max. Für sie veranstalteten Manuela und ihr Mann eines Tages ein kleines Oldtimertreffen. „Jetzt, nach zehn Jahren, kommen jährlich etwa 150 Fahrzeuge zu uns auf die Wiese. Mittlerweile ist das ein großes Dorffest, das von uns und der Freiwilligen Feuerwehr Middelhagen organisiert wird.“ Mit dabei ist auch Mama Mann, mit ihrem Trabi Baujahr 1965. Mit dem oder Peters Framo von 1958 geht es sonntags zum Eis essen nach Binz oder zum Kaffee nach Klein Zicker. Und manchmal fährt das Mitglied der Mönchguter Trachtengruppe mit pinkem Wackeldackel und der umhäkelten Toilettenpapierrolle auf der Hutablage zur Arbeit nach Sellin. Dort ist sie seit zwölf Jahren als Bade- und Saunameisterin tätig und gewöhnt die kleinen Fischköppe der Region nicht nur ans Wasser, sondern bringt denen auch noch das Schwimmen bei. Eines Tages sicherlich auch ihrem Enkelsohn Henrik (1).

Steffi Besch

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