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Mit dem Ackerschnacker marachen

Putbus Mit dem Ackerschnacker marachen

Seit nun schon zehn Jahren treffen sich die Mitglieder einer Plattdeutsch-Gruppe in Putbus

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Einmal im Monat eröffnet Hans Müller (am Kopfende) die Runde der „Putbusser Plattdütsch Frünn'n“.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Putbus. Nachdem es die offizielle Übersetzung der „Verfatung von dat Land Mäkelborg-Vörpommern“ gibt, scheint plattdeutsch wieder in Mode zu kommen. Oder umgekehrt. Neben Gesprächskreisen auf dem Mönchgut oder im Landclub Lieschow trifft sich auch in Putbus seit zehn Jahren regelmäßig eine Gruppe von Plattschnackern. An jedem ersten Dienstag im Monat tauschen sich die „Putbusser Plattdütsch Frünn'n“ über „Nieges“ aus der Region aus. Meistens im Mehrgenerationenhaus von Putbus und wenn das besetzt ist, auch schon mal im Seenotschuppen auf der Lauterbacher Hafenmole.

Es habe in den Siebzigern schon mal einen plattdeutschen Zirkel gegeben, an dem auch Willy Kankel zeitweise teilnahm, erzählt Hans Müller, der Sprecher der Gruppe aus 16 überwiegend Pensionären.

Damals wie heute unternahm man Ausflüge zu Zielen in der Umgebung, um die eigenen Kenntnisse in anderer Umgebung aufzufrischen. „Wat givt das Nieges und wer is dot bliven?“, lautet stets die Eingangsfrage, bevor ein Mitglied der Gruppe einen kleinen Vortrag zu einem Thema seiner Wahl hält. Helga Freybier beispielsweise erzählte schon etwas über die Seenotrettungsgesellschaft, in der ihr Mann Horst seit 25 Jahren tätig ist.

Erstmals erhielten nun Straßen in Wismar plattdeutsche Namen und an einigen Schulen des Landes können junge Leute ihr „Abi up Platt“ ablegen. Schon deswegen findet Hans Müller, „muss ein Ministerpräsident platt reden können und das Schulamt sollte einen einheitlichen Lehrplan erarbeiten“. Plattdeutsch unterscheide sich doch sehr in den verschiedenen Regionen des Landes und sogar auf der Insel, pflichtet Waltraud Müller ihrem Mann bei. Nicht nur, dass man in Mecklenburg anders schnacke, als in Vorpommern, „sondern ok op dem Mönchgut anners als op Zudar, Hiddensee oder Jasmund“.

„Un denn givt dat nok Plattfööt“, wirft ein Witzbold in die Runde. Auf Rügen besteht die Möglichkeit zum plattdeutschen Abi zwar nicht, aber Hans Müller gab vor Jahren immerhin schon mal Kurse an der Grundschule des Ortes und der Volkshochschule in Bergen.

Früher sei es verpönt gewesen, platt zu reden, ist sich die Runde einig. Eltern hätten das nicht gern gesehen, weil sie schlechte Noten für ihre Kinder befürchteten. „Deswegen holen wir das nun nach.

Wir mögen das, verstehen und amüsieren uns“, sagt Helga Freybier.

Von Hans Müller stammt die Idee, nach plattdeutschen Wörtern zu fahnden, die nicht mehr gängig sind. Ein wenig wie beim Abhören von Vokabeln geht es dabei zu. „Marach“ für „Betriebsamkeit“

beispielsweise ist nicht allen in der Runde geläufig. „Moder maracht so in de Kök“, veranschaulicht Müller. Eckhart Schömann weist darauf hin, dass es mit Vokabeln allein nicht getan ist und die Intonation eine entscheidende Rolle spiele. „Wenn die nicht stimmt, klingt das Plattdeutsch oft merkwürdig gestelzt“, findet er.

Arno Krüger plädiert dafür, das Plattdeutsch behutsam zu reformieren. „Es sollte sich am hochdeutschen Sprachgebrauch orientieren, damit wir auch junge Leute erreichen.“ Dazu gehöre auch, Wortschöpfungen für neue Gegenstände zu kreieren. So wurde bereits das Handy zum „Ackerschnacker“. Und so schreibt auch der Hinstorff-Verlag sein „Plattdeutsch – Hochdeutsch Wörterbuch für den vorpommerschen Sprachraum“, das in der Mitte des Tisches liegt, ständig fort. Die 1. Auflage, die schon von „Aaft“ (Obst) bis „zwitschern“ (Schnaps trinken) reichte, erschien 1781 in Stralsund.

Händi statt Tittenbarge

Wi wier'n mit de Kinner in Thießow baden. Dorbi harrn se sich so richtich uttowt. Up den Nahuswech seeten de Dre, int Öller von 8 bet 14 Johrn, kaputt in't Auto un wi führten na Hus na Lauterbach. Ünnerwägens geef dat väl to Kieken: dat Winrad in Lobbe, de Rasende Roland, dat Jagdschlot, un ümmer niege Utblikke öwer dat Land. De Kinner stellten Fragen un wi müssten up allens antwurten.

Dorbi dacht' ik, ik müsst de Kinner ok Heimatkunde vermitteln. Ik wull enn wat wiesen, wat se noch nich kennten. Up de fürstliche Bäderstraat, so an de 400m vör de Urtschaft Nadelitz hew ik anhollen.

Von hier hätt man rechterhand eenen frieen Blick bät na Bargen mit sienen hogen Kirchtorm. So up halwe Streck up de Höcht twischen Posewald un Viervitz sünd der Hügels to seh'n. Twe seh'n so ut as ne pralle Bost von eene Fru, de drütte wier de Buk. Wi nömten dat ümmer „die schlummernde Venus“.

Kum harr ik dat utspraken, reep mien öllster Jung hinner mi: Papi, das ist nicht die Venus, das sind die Tittenberge.“ Nu wier ik baff, Wo hett he dat woll her? Nu keem rut, dat in siene Schoolklass Vilmnitzer Jungs wier'n, de dat schon ümmer so nömten. Na, dacht' ik wo se Recht hebb'n, hebb'n se Recht. Von nu an nömten wi se ok so: de Tittenbarge. Un wenn ji dor ees an vörbi kamen, kiekt se juch an, se liggen ümmer noch dor.

Dat is nu 35 Johren her un wi führten den selben Wech mit unsre Enkel von Thießow na Hus. De seeten musingstill hinner uns in't Auto. Keen Blick ut'n Finster, keen Blick för de Natur un keen een hett wat fraacht. Jeder harr een Händi in de Finger un dormit spälten se rümmer.

Töw dacht ik, mit Juch mak ik an de sülbige Stell wie domals Heimatkunde. De „schlummernde Venus“ kennten se säker noch nich. Dat anner Wurt hew ik mi nich trucht- man kann ja nich weeten!

Öwer ik hew noch gor nich richtich anfongen to vertellen, dor reep een Enkel von Hinnen ohn' den Kopp antobör'n: „Opi Du nervst“. Ik bün denn ok glieks wierer führt un dacht mi in Stillen: dat wier woll nix. Wi will'n de nu unsre schöne Insel kennenlieren? Nix wier mit Heimatkunde.

Klaus Wiedenhöft

Mäckelborg-Vörpommern

In Artikel 16 seiner Verfassung hat sich das Land zu Schutz und Pflege der niederdeutschen Sprache verpflichtet und deshalb auch eine Version „op platt“ herausgebracht.

2012 musste die „Verfatung von dat Land Mäkelborg-Vörpommern“ erneut aufgelegt werden, weil sie vergriffen war.

Kostenlos ist sie – wie auch die hochdeutsche Variante – von der Landtagsverwaltung erhältlich.

Uwe Driest

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