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Rügen Mit dem DRK-Hilfsfonds zum Notenschnitt von 1,1
Vorpommern Rügen Mit dem DRK-Hilfsfonds zum Notenschnitt von 1,1
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09:24 28.11.2016
Lena Köhler (17) mit ihrer Nachhilfelehrerin Karin Flachshaar in der Wohnung von Lenas Mutter in Bergen. FOTO: ANNE ZIEBARTH

. Karin Flachshaar war der rettende Engel. Darin sind sich Lena Köhler (17) und ihre Mutter Sandra einig. Vor drei Jahren begannen Lenas Schulnoten abzurutschen, das Mädchen litt sehr unter der Situation. Weil die alleinerziehende Mutter zweier Kinder finanziell nicht so gut aufgestellt war, sprang der DRK-Bildungs- und Sozialfonds ein. Mit ihm konnten die Nachhilfestunden mit Karin Flachshaar finanziert werden und Lena Köhler startete schulisch durch. Den Abschluss der 10. Klasse auf der Regionalen Schule Bergen schaffte sie mit dem Traumschnitt 1,1 und begann vor kurzem ihre Ausbildung zur Krankenschwester bei der Bundeswehr. „Ich glaube, ohne den Nachhilfeunterricht hätte ich nicht die richtige Richtung eingeschlagen“, sagt Lena.

Kontoverbindung:

DRK Rügen-Stralsund e. V.

Konto-Nr. 8300 30018

BLZ 150 505 00

(Sparkasse Vorpommern)

IBAN DE77 1505 0500 0830 0300 18

Stichwort: Spende – OZ-Weihnachtsaktion

Damals ging die junge Frau noch aufs Gymnasium, die schulischen Leistungen waren gut. In der 9. Klasse die ersten Probleme. „In den anderen Fächern war es gar nicht so schlimm, aber Mathe blieb mir unverständlich. Vor allem die Exponentialfunktionen“, erinnert sich Lena. Die Mutter versuchte, so gut es ging, der Tochter zu helfen, musste aber erkennen, dass sie nicht mehr mitkommt. „Ich habe selbst kein Abitur gemacht“, sagt Sandra Köhler. „Diese Rechnungen kann ich nicht.“ Einen Förderunterricht in der Schule gab es zwar, aber nicht in dieser Kombination aus Fach- und Klassenstufe.

Die Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung für Nachhilfeunterricht waren begrenzt. „Ihre Noten in den anderen Fächern waren zu gut“, sagt Sandra Köhler. „Erst wenn eine Versetzung gefährdet wäre, hätten wir übers Bildungs- und Teilhabepaket Geld vom Landkreis bekommen können.“ Über diese Praxis ärgert sich auch die Nachhilfelehrerin. „Es bringt doch nichts, wenn man mit Unterricht einsetzt, wenn es bereits fünf vor zwölf ist und das Sitzenbleiben droht“, sagt Flachshaar. „Das ist purer Stress für alle. “

Zum Glück hatte der Familienhelfer Herr Skady – er stand der Familie wegen des jüngeren Bruders Leon (7) von Lena zur Seite, der an ADHS leidet – von der Arbeiterwohlfahrt die Idee, beim DRK-Fonds und Frau Flachshaar anzufragen. Das Prozedere verlief reibungslos und schon bald trafen sich Lena und die Nachhilfelehrerin zum Büffeln.

„Frau Flachshaar hat einen Weg gefunden, mir die Prinzipien so zu erklären, dass es funktioniert“, sagt Lena. „Ihre Eselsbrücken sind Klasse. An die fantasievollen Tipps zur Dreiecksberechnung habe ich noch häufig gedacht.“

Jeder Nachhilfeschüler sei individuell, brauche eine eigene Ansprache, sagt die Rentnerin Flachshaar, die etwa acht Schüler auf Rügen betreut. „Zuerst schaue ich immer, ob der Schüler mich ,reinlässt’ – ob er oder sie überhaupt will. Bei uns beiden hat das gleich geklappt.“ Karin Flachshaar ist studierte Sozialpädagogin und hat als Erzieherin und Lehrerin an der Beruflichen Schule Sassnitz gearbeitet.

Nach kurzer Zeit wurden Lenas Mathe-Noten besser. Von 4 zur 3 mit Tendenz zur 2. „Du standest dir selbst im Weg“, sagt die 62-jährige Flachshaar zu ihrer ehemaligen Schülerin. „Ich musste dir nur einen kleinen Schubs geben, den Rest hast du geschafft.“ Trotzdem wechselte Lena auf die Regionale Schule. „Ich war nervlich am Ende, bin mit dem Druck auf dem Gymnasium nicht klargekommen“, sagt sie. „Um den Realschulabschluss zu machen, musste ich nochmal die 10. Klasse in der Regionalschule besuchen. Den Abschluss bekommt man auf dem Gymnasium nicht mehr automatisch mit Versetzung in die elfte Klasse.“

„Die Entscheidung war richtig“, meint Karin Flachshaar, „Ich glaube, du hast den Stress nicht so gut weggesteckt.“ Nach dem Super- Realschulabschluss ist Lena seit Oktober bei Leipzig stationiert und absolviert ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr. „Einen Bürojob wollte ich nie“, sagt sie. „Und bisher macht mir die Ausbildung großen Spaß.“ „Ich bin stolz auf dich“, sagt Karin Flachshaar zu Lena. „Mach weiter so.“

Anne Ziebarth

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