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Mit der Telefonzelle ins alte Ägypten

Sagard Mit der Telefonzelle ins alte Ägypten

Am Wochenende wird auf Jasmund Karneval gefeiert. Die Sagarder werden in ihrem aktuellen Programm auf Zeitreise in die Menschheits- geschichte gehen.

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Heike und Jens Eggert haben sich unter anderem um die Kulissen gekümmert und verpassten der Telefonzelle den letzten Schliff.

Quelle: Foto: Maik Trettin

Sagard. Heike und Jens Eggert pinseln eifrig. Vor einer der Giebelwände im Innern der Sagarder Turnhalle steht eine Telefonzelle. Die muss noch angestrichen werden – rot.

OZ-Bild

Am Wochenende wird auf Jasmund Karneval gefeiert. Die Sagarder werden in ihrem aktuellen Programm auf Zeitreise in die Menschheits- geschichte gehen.

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Kein Telekom-Magenta-Grau oder Post-Gelb? Nico Sebök, Programmminister beim Carneval-Club Sagard (CCS) winkt ab und lacht: „Wer weiß, wo wir dann damit rausgekommen wären!“ Ums Telefonieren geht es nämlich gar nicht in erster Linie. Die Zelle wird für Reisen gebraucht, für Zeitreisen, genauer gesagt. Mit ihrer Hilfe wollen die Sagarder Karnevalisten in ihrer 38. Session ab Freitag Ausflüge in die jüngere und die weiter zurück liegende Geschichte unternehmen.

„Der CCS, man glaubt es kaum, reist in Zelle 38 durch Zeit und Raum“ – unter diesem Motto wird ab Freitag gefeiert. Bis zum Abschluss, den in Sagard traditionell der Nachtwäscheball markiert, werden die Vereinsmitglieder vor und hinter der Bühne für ein stimmiges und unterhaltsames Programm sorgen. Viel verraten wollen sie darüber noch nicht. Auch was die Stationen ihrer Zeitreise angeht, wollen sie die mitfeiernden Narren lieber überraschen. „Wir werden unter anderem einen Stopp in den Goldenen Zwanzigern einlegen“, lässt Andrea König durchblicken. Wer die Augen offen hält, entdeckt an einer anderen Giebelwand der Turnhalle eine Kulisse von hölzernen Pyramiden. „Ja, es geht auch ins alte Ägypten“, sagt Nico Sebök. Aber in welches Jahr und wen die Karnevalisten dort treffen werden, das bleibt weiter geheim.

Dabei gab es bei der Entwicklung des Programms selten so viel „Öffentlichkeitsbeteiligung“ wie in dieser Session. „Wir haben auch diese Arbeit diesmal auf mehr Schultern verteilt“, sagt Sebök. Er hat die neu geschaffene Funktion des Programmministers im Elferrat übernommen. Das heißt jedoch nicht, dass er sich allein den Kopf über den Ablauf, den Inhalt und die zündenden Gags zerbricht. Ganz im Gegenteil. Er steht lediglich an der Spitze einer mehrköpfigen Programmgruppe, in der Akteure aus verschiedenen Arbeits-Bereichen des Karneval-Klubs zusammenkommen, darunter auch Andrea König und Ulrike Karger-Herzberg, die bislang weitgehend allein die Verantwortung für die Entwicklung der Bühnenshow tragen mussten. „Jetzt sind auch Leute von unserer Technik dabei oder die Kulissenbauer“, sagt Andrea König. Wenn jemand eine Idee für einen Programmpunkt vorbringe, seien die Fachleute gleich alle mit am Tisch. „Dann kann man gleich daran feilen und abschätzen, was geht oder was aus welchen Gründen nicht funktioniert oder anders umgesetzt werden muss.“

Vorbild für die diesjährige Schau ist die Science-Fiction-Komödie „Ted und Bills verrückte Reise durch die Zeit“, ein Film aus dem Jahre 1989. Die Vorbereitungen für das Programm haben frühzeitig im vergangenen Jahr begonnen. „Man braucht viel Vorlauf“, sagt Nico Sebök. Neben der Idee müssen die Kulissen gebaut und die Kostüme besorgt werden. Wenn das alles zum 11. 11. eines jeden Jahres fertig sein sollte, müssten die Narren schon im Sommer mit den ersten Arbeiten beginnen. Die ersten Proben für diese Session gab es Anfang November.

Seitdem fiebern alle Beteiligten dem ersten Auftritt beim Seniorenkarneval am Freitag entgegen. An die Kostüme wird noch einmal Hand angelegt, die Sketche durchgesprochen, die Tänze geübt. Von letzteren wird es auch im diesjährigen Programm wieder einige geben. Mit dabei ist selbstverständlich auch wieder das Männerballett, dessen Tänzer wie immer nicht mit ihren körperlichen Reizen geizen werden, wie Nico Sebök augenzwinkernd versichert.

Dabei geht es nicht um Perfektion auf der Bühne. „Das erwarten die Leute auch gar nicht. Die kennen uns und wollen Spaß“, so der Programmminister. Der kann sich an seinen ersten Fasching noch ziemlich gut erinnern: „Das war damals im Kindergarten und ich war ein Pilz“, erzählt er augenrollend. Viel lieber wäre er als Cowboy oder etwas ähnliches gegangen. Dass heute beim Karneval jemand eine Rolle ablehne, komme auch vor. „Ich sollte mal Michael Jackson imitieren. Aber die Bewegungen bekam ich einfach nicht hin!“

Party in Nachtwäsche am beliebtesten

1980 schlug die Geburtsstunde des Sagarder Karnevalvereins. Mehrere Faschingsbegeisterte taten sich zusammen und organisierten die erste Session. Das Wort bezeichnet die Karnevalszeit, die am 11. 11. beginnt und endet am Dienstag vor Aschermittwoch.

Jasmund ist seit Jahren die Hochburg des Karnevals auf Rügen. Im benachbarten Sassnitz sind die Narren ebenfalls äußerst aktiv.

In Sagard werden Teile des neuen Programms am Freitag, dem 9. Februar, beim Seniorenkarneval gezeigt. Der beginnt um 15.11 Uhr in der Turnhalle. Am 11. Februar ebenfalls um 15.11 Uhr kommen die kleinen Narren beim Kinderfasching auf ihre Kosten.

Die Hauptveranstaltung wird der Kostümball am Sonnabend ab 20.11 Uhr sein. Zum Abschluss gibt es am 17. Februar den Nachtwäscheball. Der ist allerdings seit langem ausverkauft.

Dass viele Karnevalisten auf Rügen am liebsten in Nachtwäsche feiern, erklären die Organisatoren mit der leichten Verfügbarkeit der Verkleidung. Inzwischen gewinne das klassische Kostüm aber wieder an Beliebtheit. Gefragt ist Phantasie. „Es muss nur zum Motto passen“, findet Andrea König vom CCS.

Online: www.carneval- club-sagard.de

Maik Trettin

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