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Rügen Musikalisches Feuerwerk in Binz
Vorpommern Rügen Musikalisches Feuerwerk in Binz
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00:01 14.08.2017

Noch 2013 wurde er von der musikalischen TV-Retorten-Nachwuchsschmiede namens „Deutschland sucht den Superstar“ verschmäht: Der heute 24-jährige Sänger Wincent Weiss landete damals auf Platz 36 und schied wenig später in dieser Staffel des Privat-TV aus. Nun ist der im schleswig-holsteinischen Eutin geborene Musiker doch noch ein gesamtdeutscher Superstar geworden, der höchst erfolgreich durch die Republik tourt.

Am Samstagabend gastierte Wincent Weiss mit seiner Band auf dem Binzer Kurplatz – und dieser war zum Bersten mit etwa 3500 Fans gefüllt. Beim in diesem Jahr ins Leben gerufenen KulturSommer Binz gehörte Weiss zum Top-Act, nach dem sich zwei weitere Nachwuchstalente auf der Kurplatz-Bühne vorgestellt hatten – die Sängerin Julia Kantz und der Musiker Alexander Knappe. Die ersten jungen Fans wurden nach den beiden Support-Auftritten etwas hippelig, als ihr Idol um 20.45 Uhr immer noch nicht auf der Bühne stand. Doch kurz vor neun wurde Wincent Weiss am Strand hinter der Konzertmuschel von den Fans erblickt – und besonders viele Mädchen im Alter von etwa 10 bis 14 Jahren stürmten zur Betonmauer am Kurplatz, um einen Blick auf den deutschen Superstar zu erheischen. Als Wincent Weiss mit seinen Bandkollegen schließlich im Dämmerlicht auf der Bühne erschien, gab es kein Halten mehr: Schrilles Geschrei und in die Höhe gestreckte Arme empfingen ihn auf dem randvollen Kurplatz. Die Band legte kraftvoll los. Von einer bemerkenswerten Lichtschau begleitet, sang Weiss seine ersten Songs, von denen die meisten Chartstürmer wurden. „Nur ein Herzschlag entfernt“ von seinem aktuellen Album oder „Irgendetwas gegen die Stille“ war so ein Hit, den die gesamte Kurplatz-Gemeinde mitzusingen schien. „Es ist unser Sommer des Lebens, den wir hier mit Euch heute feiern dürfen“, rief Weiss dem Publikum zu und ergänzte: „Vor einem Jahr haben wir noch vor 40 Leuten gespielt, und die meisten davon waren gute Freunde von uns.“

Der junge Songwriter kam während seines gesamten Konzertes sehr natürlich rüber, gab viel Privates preis, was seiner großen Binzer Jüngerschar gefiel. Die Frustration darüber, dass seine kleine Schwester nun nicht mehr nur den großen Bruder anhimmelt, sondern auch einen Burschen in ihrem Alter, wirkte authentisch und nicht aufgesetzt. Zudem hat Weiss um sich eine hoch talentierte Instrumentalisten-Formation aufgebaut, die mit einem blitzschnell spielenden Lead-Gitarristen, einen voller Herzblut trommelnden Drummer und dem groovigen Bassisten für eine professionelle Unterstützung des treibenden Sounds sorgte.

„Wenn wir uns verlieben, wenn das Leben uns umhaut und wir besoffen vor Glück sind, müsste da nicht Musik sein?“, lautet eine Zeile seines radiokompatiblen Superhits „Musik sein!“, gemeinsam mit dem Rapper Olson geschrieben, den die halbe Nation seit dem Erscheinen textlich auswendig kennt. Weiss ist ein gefühlvoller Sänger, der gekonnt die Klippen des schwülstigen Kitsches umschifft und noch ein Stück weit glaubwürdiger wirkt als viele seiner jungen, leider oft austauschbaren Sangeskollegen, die von der Musikindustrie künstlich ohne Ecken und Kanten, stromlinienförmig im Sound, aufgebaut werden.

Kurz nach dem letzten Akkord seines Nummer-1-Hits „Feuerwerk“ erfolgte ein pyrotechnisches Großereignis über dem Himmel der Binzer Seebrücke – eine gelungene Dramaturgie, die diesem Konzertabend mit Wincent Weiss optisch die Krone aufsetzte.

Christian Rödel

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