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Rügen Nach 16 Jahren für das Hospiz: Verantwortung in neue Hände
Vorpommern Rügen Nach 16 Jahren für das Hospiz: Verantwortung in neue Hände
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06:24 15.06.2018
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Bergen

In 16 Jahren Hospizarbeit hat Sigrid Möller viele Schicksale miterlebt und unzählige letzte Stunden geteilt. Nach der Eröffnung im Juni 2002 übernahm sie die Leitung. Nun sieht sie den Moment gekommen, die Führung abzugeben. „Ich war von Anfang an dabei und bleibe ja auch weiter hier, eben nur nicht als Leiterin“ erklärt die 54-Jährige.

Sigrid Möller (l.) und Jana Dittrich arbeiten auch zukünftig zusammen und sind mit einem eingespielten Team für die Bewohner des Hospizes eine Stütze. Quelle: Foto: Wbk

Aus freiem Willen und voller Vertrauen legt sie die Leitung des Hauses nun in die Hände von Jana Dittrich. Die 40-jährige Krankenschwester begann erst im letzten Jahr ihre Tätigkeit im Hospiz und hat zuvor Erfahrungen in der Onkologie und einem ambulanten Pflegedienst gesammelt. Im Hospiz fühlte sie sich sofort wohl. „Hier arbeiten zu können, ist eine Frage der eigenen persönlichen Haltung. Ich lebe es“, sagt Jana Dittrich. Die Atmosphäre im Team gibt jedem einzelnen Kollegen die notwendige Sicherheit. „Gefühlt bin ich schon ewig hier“, so Jana Dittrich. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen und hoffe, dass wir auch weiterhin so zusammenhalten.“

Es sind die kleinen Dinge, die die Arbeit hier so lohnenswert machen und auch das eigene Leben wieder anders betrachten lassen. Zum Beispiel die leuchtenden Augen einer Bewohnerin, mit der man einen Ausflug in den Rosengarten nach Garz unternommen hat. „Da lacht das Herz. Man muss auch den Blick dafür haben, dass hier nicht nur gestorben wird. Die Menschen leben hier“, so Dittrich.

Ausstrahlung und Herzblut müsse man für diese Aufgaben mitbringen. „Für mich ist es eine ehrenvolle Aufgabe, die Bewohner begleiten zu können und ich erzähle auch gerne davon“, sagt Dittrich.

Bewohner oder auch Gäste sollen sich hier nicht allein gelassen fühlen. „Denn wir sind auch Begleitung für die Angehörigen“, so die Hospizleiterin.

Eben diese Einstellung ist es, die alle Kollegen eint. „Dieses Gespür lässt sich nicht erlernen“, sagt Sigrid Möller, die auch gerne weiter hier diesen Aufgaben nachgeht. Von den sechs Kollegen, die hier nach der Eröffnung 2002 angefangen und das Hospiz mit aufgebaut haben, sind heute noch immer vier im Dienst. „Auch Angehörige von verstorbenen Bewohnern kommen immer noch gerne einmal auf einen Kaffee vorbei“, sagt Sigrid Möller.

Verändert hat sich in den 16 Jahren einiges. „Die Akzeptanz ist heute eine andere. Damals wussten viele Leute gar nicht, was ein Hospiz ist“, erinnert sich Möller. Inzwischen hat das Thema Hospiz in der Öffentlichkeit eine Wahrnehmung. „Wir haben nun doppelt so viele Bewohner im Jahresdurchschnitt.“

Auch bei der Übernahme der Kosten für eine Betreuung im Hospiz brachte die Zeit grundlegende Veränderungen. Während die Bewohner anfangs einen hohen Eigenanteil aufbringen mussten, werden die Beiträge inzwischen zu 95 Prozent von den Krankenkassen übernommen. Der Rest wird aus Spenden finanziert. „Und die Spendenbereitschaft ist groß in der Bevölkerung“, sagt Sigrid Möller. Auch das ist das Ergebnis einer stärkeren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Vor allem aber hat die Arbeit mit sterbenskranken Menschen auch einen enormen Einfluss auf das eigene Denken. „Es verändert die Sichtweise. Man kann seine eigenen Sorgen ganz anders einschätzen. Man wird demütiger und sieht nicht alles als selbstverständlich an“, sagt Sigrid Möller. Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den bisherigen Jahren ist sie nicht nur den Kollegen im Hospiz dankbar.

„Auch dem Krankenhaus, den dortigen Ärzten und den Angehörigen unserer Bewohner bin ich dankbar.“

Wenke Büssow-Krämer

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