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Nach Feuerverbot: Einwohner wollen mehr Biotonnen

Bergen Nach Feuerverbot: Einwohner wollen mehr Biotonnen

Zahlreiche Anträge auf mehr Müllbehälter / Die Linke kritisiert Schnellschuss

Bergen. Das Telefon bei Torsten Ewert und seinen Kollegen steht kaum noch still. Nachdem die OSTSEE-ZEITUNG gestern über das Verbot des Verbrennens von Gartenabfällen berichtet hatte, gibt es einen regelrechten Ansturm auf die braunen Tonnen, sagt der stellvertretende Leiter des Eigenbetriebes Abfallwirtschaft beim Landkreis. „Viele Einwohner ordern zusätzliche Behälter für den Bioabfall.“ Damit die auch pünktlich zur Saison bereitstehen, hat sich Ewert mit dem Entsorger in Verbindung gesetzt, um die plötzliche Nachfrage bald befriedigen zu können.

 

OZ-Bild

Die Biotonne voll bis zum Rand – und nun? Viele Gärtner möchten pflanzliche Abfälle lieber verbrennen. Erlaubt ist das im Landkreis nicht mehr.

Quelle: Foto: Heiko Hoffmann

Dass Gartenabfälle nur noch über die Tonne entsorgt und nicht mehr angezündet werden dürfen, sorgt bei vielen OZ-Lesern für Unverständnis und Verärgerung. „Da freuen sich die Kinder, wenn sie statt am Lagerfeuer an ’ner Biotonne sitzen und die anglotzen können“, schreibt Martin Sorge aus Bergen. Dass die Entsorgung so funktioniert, zweifelt auch Reiko Menz an: „Meine Eltern haben schon zwei Biotonnen und nicht mal die reichen. Werden dann das Grundstück mit Tonnen zupflastern, sieht ja auch nicht schlecht aus“, frotzelt er auf der Facebook-Seite der Rügener OSTSEE- ZEITUNG.

Wie das in Kleingartenanlagen funktionieren soll, ist Anja Bunge aus Stralsund ein Rätsel. „Bei uns in der Sparte müssen dann 400 Biotonnen erstmal bereitgestellt und dann entleert werden. Heißt:

400 Gärtner rennen mit ihrer Tonne durch die gesamte Anlage und stapeln die dann an der Straße und dann auch wieder retour. Wo ist da der Sinn?“, fragt sie. Dirk Reiher aus Ribnitz-Damgarten sieht dahinter die „typische Regulierungswut“. „Das funktioniert doch auf dem Dorf nicht. Dann wird jetzt wieder alles im Wald abgeladen“, befürchtet er. Ein anderes Problem stellt sich Henrik Trettin aus Grimmen vor: „Ich wohne direkt an einer Kastanienallee, wie soll ich in Zukunft die Massen an Laub entsorgen bzw. vernichten?“

Andere können diesem Verbot durchaus Positives abgewinnen. „Ich finde es gut, denn der Rauch vernebelt ganze Straßen und es war manchmal nicht zum Aushalten, empfand es als nicht gesundheitsfördernd“, schreibt die Stralsunderin Monika Ganzow. Auch Katrin Wank hält den Weg für machbar: „Ich finde es richtig. Wir haben Anhängerkupplung und Anhänger gekauft, um unsere 700 Quadratmeter Garten zu bewirtschaften. Ich finde es toll, dass unsere Nachbarn das genau so machen – keine Belästigung durch stinkigen Qualm.“ Feuerschalen sind übrigens von dem Verbot nicht betroffen – wenn es sich denn um trockenes Feuerholz handelt, das auch im Kamin oder Ofen verbrannt werden dürfte, sagt Dr. Bernd Liebelt aus der Kreisverwaltung.

Die Verärgerung vieler Einwohner hatte gestern auch die Politik erreicht. „Viele erregte Bürger haben sich bereits an unsere Fraktion gewandt, weil sie die Regelung nicht akzeptieren wollen“, heißt es in einer Mitteilung von Christiane Latendorf. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag befürchtet, dass vielen Grundstücksbesitzern und Kleingärtnern nichts anderes übrig bleibt, als die gesammelten Gartenabfälle kostenpflichtig entsorgen zu lassen. Die Verordnung sei „ohne Vorwarnung“ gekommen, dabei hätten sich viele Bürger auf die bisher geltende Regelung verlassen. „Wir als Fraktion sind ebenfalls befremdet über diese Art, mit der Bevölkerung unseres Kreises umzugehen. Wieder wird ein Stück Vertrauen in Politik und Verwaltung verspielt.“

Latendorf sieht durchaus noch eine Reihe offener Fragen und Spielraum für den Landkreis innerhalb der Landespflanzenabfallverordnung, auf die er sich bei seinem Verbot beruft. So müsse geklärt werden, wie die Entsorgung von Gartenabfall in den Kleingartenanlagen funktionieren soll, wenn nicht mehr verbrannt werden darf. Wie soll mit Pflanzen umgegangen werden, die von ansteckenden Krankheiten und Schädlingen befallen sind? Wäre das Verbrennen laut Verordnung nicht erlaubt, wenn die Biotonnen zu Spitzenzeiten – also im Frühjahr und Herbst – nicht zur Entsorgung des Gartenabfalls ausreichen? „Aus Sicht unserer Fraktion ist auch zu befürchten, dass es wieder zu vermehrten Entsorgungen und Ablagerungen von Abfällen im Umfeld von Siedlungsstandorten kommen wird.

Diese Sorgen teilen auch Bürgermeister der Gemeinden“, sagt Latendorf und fordert „ein Überdenken der Sinnhaftigkeit sowie der Notwendigkeit dieser kurzfristigen Maßnahme durch den Landkreis“.

Anträge auf Ausnahmegenehmigungen vom Verbot sind zu richten an den Landkreis Vorpommern-Rügen, Fachgebiet Umweltschutz, Carl-Heydemann-Ring 67, 18437 Stralsund

Maik Trettin

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