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Nach Fischbrötchen-Krieg: Politik will bei Kuttern mitreden

Stralsund Nach Fischbrötchen-Krieg: Politik will bei Kuttern mitreden

Künftig soll nicht mehr die Stadtverwaltung, sondern die Bürgerschaft entscheiden, wer eine Konzession bekommt / 2012 hatte Neuvergabe der Plätze eine Serie der Gewalt ausgelöst

Stralsund. Die Geschichte um den Stralsunder Fischbrötchen-Krieg bekommt ein neues Kapitel. Die Fraktionen der Stralsunder Bürgerschaft wollen künftig selbst entscheiden, wer eine Konzession dafür bekommt, am Hafen einen Stand einzurichten – und wer nicht. CDU, SPD, Bürger für Stralsund, Grüne und Linke haben für die Sitzung am Donnerstag einen gemeinsamen Antrag eingereicht, der vorsieht, das Vergabeverfahren an sich zu ziehen.

Die Politiker wären dann ermächtigt, alle Verträge zum Zweck der Neuausschreibung zu kündigen sowie die Anzahl der Liegeplätze und die Richtlinien der Vergabe zu bestimmen. Bisher lag diese Aufgabe bei der Stadtverwaltung und wurde lediglich mit dem Bauausschuss abgestimmt. Der Antrag muss von der Bürgerschaft noch beschlossen werden, eine positive Entscheidung ist sehr wahrscheinlich.

Das Vorgehen sieht zwar auf dem Papier aus wie eine Initiative aus den Fraktionen, ist aber tatsächlich eine Idee der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) hatte in einer Sitzung mit den Fraktionschefs den Vorschlag diskutiert. Das berichten mehrere Teilnehmer des Treffens.

Es ist anzunehmen, dass Badrow auf diese Weise seine Mitarbeiter schützen will. Mit dem Verkauf von Fischbrötchen im Hafen lässt sich gutes Geld verdienen, die Plätze sind daher begehrt. Im Jahr 2012 hatte die Stadtverwaltung alle Verträge mit den Fischkutter-Betreibern gekündigt und die Liegeplätze neu ausgeschrieben. Ziel war es,das Areal attraktiver für Touristen zu gestalten.

Danach ereignete sich eine Serie von Einschüchterungen und Gewalttaten, die als Fischbrötchen-Krieg bundesweit Schlagzeilen machte. Trauriger Höhepunkt war ein hinterhältiger Überfall auf den Vize-OB Dieter Hartlieb. Die Täter wurden in zwei aufsehenerregenden Prozessen am Landgericht Stralsund zu Freiheitsstrafen verurteilt. Ihre Verbindungen in die Fischbrötchen-Szene konnten jedoch nie restlos aufgeklärt werden.

Vertreter der Bürgerschaftsfraktionen betonten gegenüber der OZ, dass es nicht darum gehe, erneut Unruhe zu erzeugen. „Wir wollen so mehr Transparenz schaffen. Es soll künftig keinerlei Irritationen über die Vergabe der Konzessionen mehr geben“, sagte SPD-Fraktionschef Peter van Slooten. Es gebe auch keinerlei Bestrebungen, die derzeitigen Betreiber der Kutter loszuwerden. „Aber das sind lukrative Plätze. Da brauchen wir mehr Kontrolle und Flexibilität“, sagte van Slooten. Ähnlich äußerte sich auch Hendrik Lastovka von der CDU. „Entscheidungen über die Konzessionen sollen auf breite Schultern gestellt werden“, sagte er. Die Bürgerschaft könne sich dann zum Beispiel Gedanken darüber machen, ob es zukünftig längerfristige Verträge mit den Betreibern geben sollte.

Seit 2012 sind die Vereinbarungen nach Angaben der Stadt jährlich kündbar. Zudem wurde damals die Anzahl der zur Verfügung gestellten Liegeplätze von elf auf acht reduziert.

Alexander Müller

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