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Nach Gehirntumor: Vincent will ans Meer

Bergen Nach Gehirntumor: Vincent will ans Meer

Der zehnjährige Junge möchte mit seiner Familie Ferien auf Rügen verbringen / Eine Reha wurde abgelehnt

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Der zehnjährige Vincent nach seiner schweren Operation, bei dem ihm ein Gehirntumor entfernt wurde.

Quelle: Gritt Stübinger

Bergen. Vincent hat einen großen Wunsch. Er möchte einmal die Insel Rügen sehen.

Der zehnjährige Junge aus Schliersee (Bayern) hat eine schlimme Zeit hinter sich, vor wenigen Wochen wurde ihm in einer achteinhalbstündigen Operation ein Gehirntumor entfernt. „Am Krankenbett habe ich ihm von meinen früheren Reisen auf die Insel Rügen erzählt“, berichtet seine Mutter Gritt Stübinger (34). „Er sagte nur ,Mama, das hört sich so schön an. Genau da möchte ich auch mal hin.’“

Weil eine Reha für Vincent abgelehnt wurde, fasste sich die Mutter ein Herz und versprach ihm trotz finanzieller Engpässe in der Familie eine Reise auf die Insel. Am kommenden Sonntag ist es für Vincent soweit: Er reist gemeinsam mit seinen Eltern und den Geschwistern Laura und Leni für eine Woche nach Göhren. Doch das Geld ist knapp. „Leider kann ich nur in Teilzeit als Verkäuferin arbeiten, mein Mann Klaus hat durch die Fehltage, die durch die Krankheit von Vincent immer wieder anfielen, seine Arbeit verloren“, erklärt Gritt Stübinger. „Deshalb freuen wir uns über jede noch so kleine Unterstützung. Ob finanziell oder ideell, ich möchte Vincent einfach eine möglichst schöne Zeit ermöglichen.“

Dafür hat sie auf der Spendenplattform leetchi eine eigene Seite erstellt, auf der man per Überweisung Geld spenden kann. Auch Ideen für den Rügenurlaub werden gesucht, Gutscheine oder Aktionen, bei denen Vincent auf andere Gedanken kommt. Denn ausgestanden ist das Thema für den Jungen leider noch nicht. „Im Dezember erfahren wir beim nächsten MRT, ob der Tumor ganz entfernt wurde“, sagt Gritt Stübinger.

Begonnen hat das Martyrium des kleinen Vincent bereits vor Jahren. Immer wieder litt er unter heftigen Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Erbrechen, der Kinderarzt tippte auf Migräne, andere Ärzte später auf ADHS. Vincents Zustand verschlechterte sich in diesem Jahr weiter, im Juli brach er, von Krampfanfällen geschüttelt, zusammen. Die Eltern fuhren sofort mit ihm ins Krankenhaus. „Es war der 27. Juli 2016. Das Datum vergesse ich nie“, meint seine Mutter. Im Münchner Klinikum überbrachten die Ärzte dann die Schockdiagnose: Gehirntumor. „Vincent lag im Sterben“, erinnert sich die Mutter an die schrecklichen Tage im Juli. „Nur eine Notoperation konnte ihn retten.“ Weitere Operationen folgten in den nächsten Wochen, bei denen der Tumor schließlich entfernt werden konnte. Stolz sei sie auf ihren Sohn, sagt sie. „Er ist ein echter Kämpfer. Hat schon im Krankenhaus immer gefragt, wann denn das Ding endlich rauskommt.“ In der Zeit im Krankenhaus hat Gritt Stübinger versucht, ihren Sohn mit Erzählungen aus ihrer Kindheit zu unterhalten, auch die Insel Rügen spielte eine große Rolle. Die 34-Jährige hat früher jedes Jahr mit ihren Eltern Ferien auf Rügen gemacht. Besonders gut hat sie die Seebrücke in Binz in Erinnerung, gemeinsame Wanderungen zum Königsstuhl oder die Schifffahrten an der Kreideküste entlang. „Oder auch einfach Muscheln und Bernstein suchen am Strand“, sagt sie. „Die frische Luft und das Gefühl von Freiheit liebe ich an Rügen sehr.“ Nun wird sie also bald wieder auf Rügen sein, für Vincent ist es erst der zweite Aufenthalt am Meer.

„Eigentlich sogar eine Premiere“, überlegt die Mutter. „Wir waren erst einmal am Meer, auf Fehmarn. Den Aufenthalt konnte er aber nicht genießen. Damals ging es ihm schon sehr schlecht – er musste überwiegend im Hotelzimmer bleiben.“

Derzeit geht es Vincent den Umständen entsprechend gut, er kann laufen und hat die OP gut überstanden. „Das war auch der Grund, warum die Reha abgelehnt worden ist“, ärgert sich die Mutter. „Er ist ja in einem verhältnismäßig guten Gesundheitszustand. Sein Sichtfeld ist allerdings sehr eingeschränkt.“ Trotzdem ist Vincent ein fröhlicher Junge, mit einer Schwäche für landwirtschaftliche Maschinen, wie seine Mutter erzählt. „Auf dem Pferdehof einer Bekannten mit dem Trecker zu fahren, ist für ihn das Größte“, lacht sie. „Aber auch Feuerwehrautos und Flugzeuge liebt er heiß und innig.“ Erste Reaktionen von Rüganern sind bereits bei der OSTSEE-ZEITUNG eingegangen. „Er ist herzlich eingeladen, in die Feuerwache zu kommen“, meint etwa Daniel Hartlieb, Gemeindewehrführer von Binz. „Wir sind auch dabei“, vermeldet Holger Kliewe vom Erlebnishof Kliewe. „Wenn Vincent möchte, kann er bei uns das Treckerdiplom machen. Gratis natürlich.“

Hilfe für Vincent

Wer sich mit einer Geldspende an Vincents Urlaub am Meer beteiligen möchte, kann das auf der Internetseite der Spendenplattform leetchi tun:

http://bit.ly/reise_vincent Wer sich mit einer Aktion (zum Beispiel kostenfreiem Eintritt in eine Rügener Sehenswürdigkeit, Restaurantgutschein, Tour mit der Eisenbahn etc.) beteiligen möchte, schreibt bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Vincent“ an unsere Lokalredaktion (lokalredaktion.ruegen@ ostsee-zeitung.de) oder per Telefon ☎ 0 3838/2 01 48 31.

Auch auf unserer Facebookseite Ostsee-Zeitung Rügen kann man sich mit Angeboten beteiligen. Wir sammeln sie, leiten sie an Familie Stübinger weiter und begleiten Vincent auf seiner Reise mit vielen Zeitungsartikeln.

Anne Ziebarth

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