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Rügen Wie aus der Wolle des Pommernschafs ein Wintermantel wird
Vorpommern Rügen Wie aus der Wolle des Pommernschafs ein Wintermantel wird
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13:58 25.10.2018
Die siebenjährige Emma aus der Nähe von Berlin streichelt ein Rauhwolliges Pommersches Landschaf auf dem Pommern-Hof Westphal in Groß Zicker. Quelle: Gerit Herold
Groß Zicker

“Och, ist das schön weich.“ Emma krault mit den Fingern im Nackenfell des Rauhwolligen Pommerschen Landschafes. Dem Tier gefällt. Es bleibt ganz still stehen und schaut das Mädchen mit treuen Augen an. „Das würde ich am liebsten mit nach Hause nehmen“, sagt die Siebenjährige. Das Schaf könnte doch bei ihr im Zimmer schlafen. „Ich habe ein Hochbett, unten ist noch frei.“

Emma war eine von vielen Kindern, die zum „Schäferstündchen“ am Schafstall des Mönchguter Schafzüchters Frank Westphal in Groß Zicker vorbeischauten. Mädchen und Jungen der Kita und Grundschule aus Gager sowie aus Göhren und ebenso etliche Urlauberkinder mit ihren Eltern waren auf dem Pommern-Hof Westphal in Aktion. Sie tobten nicht in der Strohhüpfburg, fütterten und streichelten die Schafe, Ziege, Pferde und Schweine und konnten den Spinnerinnen über die Schulter schauen oder sich über das Filzen informieren.

Auch Mika (10) und Laurin (8) standen begeistert am Schafgatter. „Wir finden das toll, dass es so etwas hier gibt“, meinte Mutter Diana Gebele. Ihr Mann Sascha nickte. „Das Thema Nachhaltigkeit ist sehr wichtig.“ Eigentlich wollten die Berliner Urlauber am Dienstag bei der Pflanzaktion in Baabe von den 200 Kiefern auch eine pflanzen. „Aber wir kamen leider etwas zu spät, die Bäume waren schon alle in der Erde“, bedauerte Sascha Gebele.

Die Familie verbrachte schon oft die Ferien auf Rügen und bezog in Baabe Quartier. „Mönchgut finden wir am schönsten. Jetzt wollen wir die Führung in die Zicker Berge mitmachen“, so Diana Gebele. Ranger Falko Bindernagel vom Biosphärenreservat Südost-Rügen hatte gerade die interessierten Teilnehmer zusammengetrommelt.

In den Zicker Bergen sorgen die Schafe von Frank Westphal nicht nur für die schönsten Fotomotive. Der Pommern-Hof bewirtschaftet seine Flächen nach naturschutzfachlichen Grundsätzen und hat schon seit 1990/91 mit dem Biosphärenrservat Verträge über die Landschaftspflege - Artenschutzbemühungen für Pflanzen und Tiere.

Das Rauhwollige Pommersche Landschaft ist eine sehr alte Rasse und vom Aussterben bedroht. Es ist robust und genügsam und kommt gut mit dem mageren Trockenrasen im Naturschutzgebiet „Zickersche Berge“ aus.

Die 1100 urigen Landschaftspfleger des Biohofes Westphal weiden auch in Prora. „Wir bewirtschaften hier Flächen von 285 Hektar“, erklärt Frank Westphal, der den Betrieb mit seinem Bruder Christian und einem weiteren Mitarbeiter am Laufen hält. 1990 hatte Vater Joachim diesen mit 25 Schafen aufgebaut. „Ich bin auch noch in der Aufbaugeneration, die Kinder können einmal davon leben“, meint Frank Westphal.

Nach einem Knick vor sieben Jahren und neuen Vermarktungswegen läuft es jetzt gut. Die Westphals, die bereits in der sechsten Generation Landwirtschaft betreiben, machen von der Geburt über Aufzucht, Wollschur bis zum Vertrieb und Futteranbau alles selbst. Und: Der Pommern-Hof ist Herdbuchzuchtbetrieb der Rauhwoller. „Die Landschaftspflege ist unser Kerngeschäft“, so Frank Westphal. Der Verkauf von Fleisch und Wolle sei Zusatzbrot. Die Lämmer werden mit 20 Kilogramm zur Weitermast verkauft.

Für die Wolle hat er vor ein paar Jahren einen Abnehmer gefunden, besser gesagt: er ihn. Marco Scheel ist seinerzeit erst auf das Schaf und dann auf die Wolle gekommen. Zum einen wollte der junge Rüganer Klamotten aus heimischer Wolle, die ausschließlich in Deutschland hergestellt werden und zum anderen liegt ihm die Rettung der bedrohten Rasse am Herzen. 2013 startete er das Projekt „Nordwolle“. Aus der grauen Wolle lässt der studierte Wirtschaftsingenieur hochwertige Funktionstextilien –Jacken, Mäntel und Mützen –herstellen. Diese trotzten allen Witterungsunbilden wie Regen, Nässe und kaltem Wind. Wie die Schafe selbst.

Wolle ist normalerweise für die Schäfer ein Abfallprodukt, für das sie fast nichts bekommen. „Wir zahlen freiwillig das Zehnfache, 1,50 Euro pro Kilogramm. Wir haben mit 300 Kilogramm angefangen, inzwischen nehmen wir eineinhalb Tonnen im Jahr, Tendenz steigend“, so Scheel.

Mit drei Vollzeit- und einer Teilzeitkraft werden die Läden in Baabe und Vitte auf Hiddensee sowie der online-Handel betrieben. Der Laden in Baabe wird aber im nächsten Frühjahr nach Putbus umziehen. Der Absatz sei gut, der Umsatz liege bei 400 000 Euro im Jahr. „Bei dieser exorbitanten Qualität gibt es keine Mitbewerber“, sagt Scheel selbstbewusst.

Gerit Herold

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