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Nasse Füße für Rügens Landwirte

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Während der Winter auf der Insel zu warm war, klagen die Bauern auf dem Festland über große Frostschäden

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Auf Rügen war der Winter zu nass und zu mild. Zu Überschwemmungen, wie hier im Landkreis Bad Doberan, kam es aber auf der Insel nicht.

Quelle: Frank Söllner, Udo Burwitz

Samtens. Die Insel hat Glück gehabt: Während die Landwirte auf dem Festland mit Frostschäden zu kämpfen haben und teilweise mehr als hundert Hektar Getreideflächen umbrechen und neu ansäen müssen, sind die Insulaner glimpflich davon gekommen.

OZ-Bild

Während der Winter auf der Insel zu warm war, klagen die Bauern auf dem Festland über große Frostschäden

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Auf Rügen gab es keine größeren Frostschäden. „Wir haben durch die Insellage ein milderes Klima als auf dem Festland. Der Winter war eher zu warm und zu feucht“, berichetet Walter Lonskowski, Vorsitzender des Bauernverbands Rügen. „Dadurch vermehren sich die Krankheitserreger besser. Vielleicht sind im Frühjahr zusätzliche Pflanzenschutzmaßnahmen nötig.“ Auch Fabian Strauß von der APV Samtens e.G. ist mit dem Verlauf des vergangenen halben Jahres zufrieden. „Wir sind gut durch den Winter gekommen“, sagt er. „Die Bestände sind mit genügend Reserven in den Winter gegangen um die Frostperoiden zu überstehen. Um etwas über einen möglichen Schädlingsbefall zu sagen, ist es noch zu früh.“ Die APV Samtens bewirtschaftet rund 3400 Hektar Land, davon sind 600 Hektar Gründland, auf der restlichen Fläche werden unter anderem Raps, Weizen, Gerste und Silomais angebaut.

Die feuchte Witterung hatte im Winter für viele aufgeweichte Wege auf den Äckern gesorgt. Das machte das Ausbringen des ersten Düngers der Saison problematisch. „In einigen Bereichen sind die Landwirte mit ihren Maschinen nicht an alle Stellen herangekommen“, weiß Lonskowski. Die Feuchte habe vermutlich auch den Kornkäferbefall begünstigt. Und noch etwas ist dem Landwirt in den letzten Besprechungen mit seinen Kollegen aufgefallen. „In einigen Bereichen der Insel haben wir Kohlhernie beim Raps festgestellt“, berichtet Lonskowski. Der auch ,Klumpfußkrankheit‘ genannte Pilzbefall der Rapswurzeln tritt vor allem auf staunassen Böden auf, wird aber auch durch eine zu enge Fruchtfolge oder wiederholten Anbau von Raps gefördert.

Auf dem Festland ist die Situation eine ganz andere. Hier berichten die Landwirte über teils dramatische Schäden durch die hier kältere Witterung. „73 Hektar Winterweizen mussten wir jetzt umbrechen, den Boden erneut bearbeiten und Sommerweizen aussäen“, sagt Petra Schmidt, Geschäftsführerin der Vorländer Agrargenossenschaft beio Grimmen. Das alles verursache natürlich zusätzliche Kosten und die Erlöse fürs Getreide seien bisher seit der vergangenen Ernte von Monat zu Monat weniger geworden. Etwa 1000 Hektar bewirtschaftet der Vorländer Betrieb insgesamt, 300 davon waren im Herbst mit Winterweizen bestellt worden. „Der rasche Wechsel zwischen relativ hohen Plus- und Minusgraden zu Jahresbeginn, sogenannte Wechselfröste, waren Schuld“, ist sich die Landwirtin sicher.

Das würden die Pflanzen nicht vertragen.

„In allen Regionen auf dem Festland des Kreises Vorpommern-Rügen gibt es diese Auswinterungsschäden“, sagt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordvorpommern, Christian Ehlers. Allerdings hänge der Schaden auch von den Sorten, die eingesetzt wurden, dem Aussaattermin und den Aussaatbedingungen ab, grenzt er ein. Die landwirtschaftlichen Betriebe seien sehr unterschiedlich betroffen, einige müssen jetzt auf mehreren hundert Hektar neu aussäen, informiert Ehlers. Dabei seien die Strategien sehr unterschiedlich: Einige würden Sommergetreide drillen, bei denen der Ertrag aber generell geringer sei. Andere legen Mais.

Grundsätzlich seien solche Schäden hier nicht üblich, sagt Christian Ehlers. „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass wir schon mal Flächen im Frühjahr aufgrund von Frostschäden umbrechen mussten“, bestätigt Petra Schmidt.

Auch für den Landwirt Jan-Heinrich Lass aus Tempel bei Ribnitz-Damgarten war es ein schlechter Winter. „Bei uns hat es den Weizen getroffen. Wir müssen etwa 120 Hektar, 20 Prozent unserer Weizenanbaufläche, umbrechen. Dort säen wir Sommergerste aus.“ Das Problem sei der extreme Temperatursturz zum Jahreswechsel gewesen. „Weihnachten hatten wir noch 12 Grad Celsius und Anfang Januar dann plötzlich -15 Grad Celsius. Dazu noch ohne isolierende Schneedecke.“ Da sich der Weizen gerade in einer Wachstumsphase befand, sei dies sehr ungünstig gewesen.

Aktionstag in Stralsund

Beim bundesweiten Aktionstag des Bauernverbandes zum Thema „Preise“ wollen auch die hiesigen Landwirte auf ihre Situation aufmerksam machen.

In Stralsund auf dem Neuen Markt informieren die Bauern am Mittwoch, dem 23. März, 9.30 Uhr über die aktuelle Preissituation für landwirtschaftliche Produkte. Eine weitere Veranstaltung findet in Schwerin statt.

Die Bauern laden zum Osterfrühstück ein, wollen mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen und anhand der landwirtschaftlichen (Frühstücks)-Produkte darüber informieren, wie viel beziehungsweise wie wenig Geld der Endverbraucher bei ihnen ankommt.

Mitglieder und Mitarbeiter der Bauernverbände werden an diesem Aktionstag in Stralsund vor Ort sein.

Von Anne Ziebarth und Almut Jaekel

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