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Rügen Nazi-Bau, NVA-Kaserne, Geldanlage
Vorpommern Rügen Nazi-Bau, NVA-Kaserne, Geldanlage
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08:27 11.09.2018
Der ehemalige Bausoldat Christian Schmidt führt heute Gäste durch das Objekt. Der Theaterbau wurde zuletzt als „Rügens größte Diskothek“ genutzt. Quelle: Uwe Driest
Prora

Soviel Trubel war der Falke nicht gewohnt, der aufgeregt unter dem Dach der von den Nationalsozialisten erbauten „Empfangshalle“ umherflatterte. Die wurde zu DDR-Zeiten von der NVA als Sporthalle genutzt und war am Tag des offenen Denkmals ausnahmsweise zu besichtigen. Aus baulichen Gründen ist sie ansonsten nicht zugänglich. Das Dokumentationszentrum Prora bot für Besucher Rundgänge auf dem Gelände der historischen Anlage des „KdF-Seebades Rügen“ an und die Nachfrage war überbordend. So etwa 300 Karten hätten sich laut Veranstalter allein für die erste von drei Führungen am Sonntag verkaufen lassen. Rein durften aus Sicherheitsgründen aber nur 40 Personen und die mussten eine Haftungsausschlusserklärung unterzeichnen, bevor sie Christian Schmidt in das baufällige Objekt folgen durften. Schmidt war als Bausoldat in Prora gewesen und musste seine 18 Monate bis zum letzten Tag am 20. 10. 1989 dienen. An den Strand durfte er in jener Zeit ebenso wenig wie jene drei Teilnehmer der Führung, die ihre Militärzeit n Prora absolvierten.

Durch drei historische Epochen führte Schmidt. Die Teilnehmer erfuhren, dass der Kies zum Bau des „Koloss’ von Prora“ mit einer Lorenbahn aus Zirkow herangefahren und Ziegel in großen Schiffsladungen angeliefert wurden. Dass der Bau besonders stabil und gewissenhaft ausgeführt worden sei, verweist Schmidt ebenso in den Bereich der Legenden, wie die Theorie, wonach unter dem Objekt ein U-Boot-Bunker geplant gewesen oder gar das Bernsteinzimmer versteckt worden sei. „Wir versuchen immer, diesen Ort zu entmystifizieren“, sagt Schmidt. „Unter dem Objekt befindet sich lediglich ein Verbindungsgang.“

Die ursprüngliche Planung für den Bau der Ferienanlage für 20<TH>000 „Volksgenossen“hatte ein Budget von 40 Millionen Reichsmark vorgesehen. Als der Bau abgebrochen wurde, lagen die Kosten bereits bei der doppelten Höhe und wenn es zur Fertigstellung gekommen wäre, hätte er eine Summe gekostet, die heute nahezu einer Million Euro entsprochen hätte. „Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?“, fragt Christian Schmidt die Teilnehmer.

Bundesregierung engagierte sich nicht im Denkmalschutz des Objekts

Nach dem Krieg waren auch in Prora viele Flüchtlinge. Die nie fertiggestellten Bettenhäuser wurden zur Baustoffgewinnung freigegeben und dabei so unsachgemäß abgetragen, dass sie teilweise einstürzten. Später zog die NVA ein. Das Aluminium für die Fenster könnte aus der fehlgeschlagenen Produktion von Flugzeugen stammen, glaubt Schmidt. Die war eingestellt worden, nachdem ein Prototyp abgestürzt war. Der von den Nazis als Restaurant geplante Bau, der nach der Wende als „Rügens größte Diskothek“ fungierte, war zu DDR-Zeiten Kulturhaus der NVA. Andreas Kirsch war als Koch dort und hörte Gruppen wie Puhdys, Elefant oder das National-Ensemble der kubanischen Streitkräfte. Auch die Ulk-Rock-Band Possenspiel durfte auftreten, die 1984 reimte: „„Sommer, Sonne, Sonnenbrand / Kleckerburg im Kieselsand / ja die Ostsee macht was her / was soll'n wir denn am Schwarzen Meer?“

Schmidt führt die Gruppe vorbei an vergitterten Arrestzellen und Waffenkammern und berichtet, wie das strikte Alkoholverbot umgangen wurde. „Hinter die Panzerkanone passten genau ein Kasten Bier und zwei Flaschen Schnaps“, erinnert sich ein Ehemaliger. Einer davon ist Uwe Hollwitz (60) aus Berlin, der ein halbes Jahr zum Unteroffizierslehrgang in Prora war. „Ich war froh, als ich hier wieder weg war. Hier gab es einen Drill, wie man ihn sich heute nicht mehr vorstellen kann“ Motto der Propaganda: „Schweiß in der Ausbildung spart Blut im Gefecht!“ Hollwitz findet es „nicht in Ordnung, dass die Bundesregierung hier nichts macht“. Die Hinterlassenschaft sei zum Spielball politischer und spekulativer Kräfte geworden, meint auch Schmidt. Anders als bei anderen NS-Großanlagen gab es für Prora nie ein Denkmalschutz-Konzept und „auch Angela Merkel war nie hier“. Die Blöcke sei zum Höchstpreis weiterverkauft worden und würden heute teuer vermarktet.

Driest Uwe

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