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Rügen Nelken, Heringe und Spiele
Vorpommern Rügen Nelken, Heringe und Spiele
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01:07 02.05.2018
Gruppenweise beteiligten sich die Kinder am Heringsfassrollen. Die Filly Pferdchen gewannen das Rennen. Quelle: Fotos: Wenke Büssow-Krämer

. Es gab sie noch zu sehen - die roten Nelken im Knopfloch auf der Maikundgebung, zu der die Linke mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund in die Rügengalerie Sassnitz rief. Auffallend war hier der hohe Altersdurchschnitt der rund 80 Zuhörer, die den Rednern zu den Themen Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit folgten. „Es fehlen hier die Menschen, die von Hartz IV leben, die Kinderbetreuungskosten kaum aufbringen oder sich keine Urlaubsfahrten leisten können“, betonte auch Bundestagsabgeordnete Kerstin Kassner (Linke). „Sie müssten hier mit uns stehen und kraftvoll dafür demonstrieren, dass es so nicht weitergeht in unserer Gesellschaft.“

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Der Maifeiertag war bunt. Linke und DGB fordern höhere Löhne. Doch es fehlten meist die, für die gestritten wird.

Matthias Scheibe findet es hingegen wichtig, an diesem Tag aufzuzeigen, was noch nicht stimmt und sich dafür einzusetzen. „Ich habe Kinder, die jetzt ins Berufsleben einsteigen. Und ich möchte, dass sie die Bedingungen vorfinden, mit denen sie ihre Zukunft gestalten können“, sagt der 57-jährige Unternehmensberater. Auf die Lücken machte auch Eva-Maria Schwerin vom Deutschen Gewerkschaftsbund aufmerksam. „Wir Gewerkschaften kämpfen für eine Politik, die Vertrauen gibt“, betonte Schwerin. Und: „Den gesetzlichen Mindestlohn gäbe es ohne uns nicht. Wir wissen aber, dass der noch nicht ausreicht.“

Die gleichen Gesichter wie in jedem Jahr, fielen auch Bürgermeister Frank Kracht auf. „Der Altersdurchschnitt macht traurig. Für wen und was streiken wir am 1. Mai? Sie fehlen hier heute“, stellte er fest. Niedrige Löhne und eine hohe Arbeitslosenquote gehören für Kracht nicht auf eine Tourismusinsel Rügen. „Wir wollen diesen Tag als Kampftag für den kleinen Mann und die kleine Frau begehen.“

Ein mangelndes Bewusstsein für Solidarität und Gemeinschaft macht Karin Breitenfeldt für das Desinteresse an Maikundgebungen in den letzten Jahren verantwortlich. „Es ist immer noch der Tag der Arbeitenden. Sie verdienen die Aufmerksamkeit. Uns geht es da vor allem um gerechte Löhne. Von allein passiert da nichts“, erinnert die 60-Jährige an die Bedeutung des Maifeiertages.

In Prora kam statt aktueller Themen etwas Nostalgie auf den Tisch und auf die Teller. Regelmäßig zum Maifeiertag wird in der Kantine von André Schröder und René Kotzan die Saison mit Erbseneintopf und Kesselgulasch aus der Feldküche eröffnet. „Der 1. Mai findet nicht nur in den großen Städten statt, sondern auch in Prora“, erklärt André Schröder. Die Betreiber holen dafür nicht nur die Mai-Fähnchen hervor, sondern lassen Marten Schmidt als Honecker-Double werbewirksam in seiner Volvo-Staatskarosse vorfahren, um die Erbsensuppe der Kantine als „Gericht des Volkes“ anzupreisen.

Altefähr feierte da bereits zum 24. Mal seinen Hering. In allen Variationen brachten die Freiwillige Feuerwehr und der Angelverein den Lieblingsfisch der Einheimischen und Touristen auf den Tisch.

„Seit zehn Uhr war die Pfanne heiß und nachdem der erste Dampfer angelegt hatte, standen die Besucher Schlange“, berichtete Andreas Moltzahn von der Freiwilligen Feuerwehr. 120 Kilogramm gebratene Filets haben die Kameraden an diesem Tag zubereitet.

Die Mitglieder des Angelvereins haben 350 Kilogramm aus Thiessow zu Rollmops, Pfefferhering, Heringssalat, Fischsuppe und Kräuterhering verarbeitet. „Wir haben mal klein angefangen und uns immer mehr danach gerichtet, was die Leute wollen“, sagt Peter Hemme vom Angelverein. „Die Gäste wissen inzwischen, was sie bei uns bekommen. Da ist zur Mittagszeit alles ausverkauft.“ Da es aber weiterhin Spaß

machen und bei handwerklicher Arbeit bleiben soll, werden sie die Angebotsmenge nicht erhöhen. Das Heringsfest zieht vor allem die Stralsunder an. „Die können den frischen Hering kaum erwarten“, sagt Christel Busch, die hier die geräucherte und gerollte Ware an die Leute brachte. „Unsere geheimen Rezepte sind gefragt. Die Besucher kommen mit ihren Einmachdosen, um den Fisch mit nach Hause zu nehmen.“

Wenke Büssow-Krämer

Den Sassnitzer Kleintierzucht- verein „Otto Arndt“ gibt es seit 90 Jahren. Am 5. Mai wird im Spartenheim gefeiert.

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