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Neu Süllitz? Sie meinen Obersthausen!

Neu Süllitz Neu Süllitz? Sie meinen Obersthausen!

Das Örtchen wurde als Bungalow-Siedlung für NVA-Offiziere erbaut/ Ein Kalender dokumentiert die Geschichte

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Sibirischer Tiger auf Rügen geboren

Albrecht Gupka mit seiner Ehefrau Gerlinde. Mit ihr kam er 1985 aus Chemnitz auf die Insel Rügen.

Quelle: Uwe Driest

Neu Süllitz. Speditionen oder Rettungsdienste verzweifeln regelmäßig, wenn sie eine Adresse in Neu-Süllitz suchen. Trotz ihrer Größe von fast 80 Häusern besteht die Wochenendhaussiedlung nicht als Ortsteil ihrer Gemeinde.

Eine ordentliche Straße statt der Buckelpiste brauchen wir nicht. Lieber einmal öfter den Stoßdämpfer wechseln.“Hans-Joachim Lange,

Einwohner Neu Süllitz

Süllitz gehört zur Gemeinde Zirkow, die Adressen laufen unter Serams, die Postleitzahl hat die Siedlung von Bergen und die Telefonvorwahl von Binz. Das liegt an der ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte, die Anfang der 1980er Jahre als Bungalow-Siedlung für Offiziere begann. Mann der ersten Stunde war dabei Frank Nitzschmann, der auch unter den Gründungsmitgliedern des 1987 gegründeten Gartenvereins war. „Wir zahlten damals drei Pfennige im Jahr für einen Garten“, erinnert er sich und bedauert, dass der anfängliche Zusammenhalt später zerfiel. Es habe wohl einen Geburtsfehler bei den verschiedenen Interessen gegeben und so sei der Verein „von Leuten gegründet worden, die miteinander und dem Staat Probleme hatten“, erzählt er ebenso vielsagend wie bitter. So sei nach der Wende kein Subbotnik mehr möglich gewesen.

Heute kümmert sich zum Beispiel Hans-Joachim Lange, der beim örtlichen Gasversorger arbeitet, ehrenamtlich um die Straßenbeleuchtung. Eine ordentliche Straße statt der Buckelpiste, über welche die Siedlung führt, will er gar nicht haben. „Dann kommen nur noch mehr Menschen hier hin“, glaubt er und sagt: „Lieber einmal öfter den Stoßdämpfer wechseln.“

Ihre Datschen setzten die NVA-Offiziere seinerzeit auf das Gelände der ehemaligen fürstlichen Gärtnerei, auf dem zu DDR-Zeiten ein Ferienheim in der früheren Unterkunft für Obstpflücker entstand. In dem ursprünglich einzigen Gebäude in jenem Bereich betrieb später die Familie Gardetzki eine Gärtnerei, in der sie Kränze und Gestecke verkaufte. Von deren Nachfolgern, die das ursprüngliche Reetdach gegen Ziegel austauschten, kaufte das Haus im Jahr 2000 Jürgen Schmidt. „Ich modernisiere das Haus nach und nach“, sagt der Betreiber der „Binzer Bierstuben“.

Vorsitzender des Gartenvereins im „Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ (VKSK), einer Massenorganisation in der DDR, wurde Albrecht Gupka. Der VKSK sollte „die Entfaltung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Tätigkeit seiner Mitglieder fördern und gleichzeitig ihrer Erholung dienen“. Gupka wurde zu einer Art „Dorfschulze“ in „Obersthausen“, wie der Volksmund die Siedlung wegen der Herkunft seiner Bewohner nannte. Der heute 65-Jährige war 1985 mit seiner Frau Gerlinde aus Chemnitz nach Rügen gekommen. Gerlinde Gupka arbeitete als Leiterin der Geschäftsstelle für die Bausoldaten in Mukran und Ehemann Albrecht unterrichtete bis zur Wende die Fähnriche der Kaserne von Prora in Ökonomie. Danach wurde er Leiter der Abteilung „Materialwirtschaft und Investitionen“ im Fährhafen, „wo ich unter anderem den Rückbau für 63 Millionen Euro organisierte“. Für die CDU-Fraktion nahm er einen Sitz im Haushaltsausschuss des letzten Rügener Kreistags ein.

Der Kleingartenverein löste sich nach der Wende zugunsten eines Siedlervereins auf. Es folgten jahrzehntelange Auseinandersetzungen der Siedler miteinander, mit den Behörden und dem aus dem Westen zurückgekehrten Franz zu Putbus. „Wir zahlten nach der Wende zehn D-Mark je Quadratmeter an den Fürsten, der dafür auf seine Restitutionsansprüche verzichtete“, erzählt Frank Nitzschmann. Der stand dem neuen Verein gemeinsam mit dem Anfang dieses Jahres verstorbenen Dieter Reinhardt, von 1994 bis 2001 Bürgermeister von Binz, vor. Nach der Auflösung der Siedlergemeinschaft „Granitztal“ im Dezember 2001 erstellten beide unter dem Titel „Süllitz - eine Episode“ einen Kalender, in dem sie Süllizer Siedlungsgeschichte der jüngsten Zeit Revue passierern lassen.

Nach Inkrafttreten des B-Planes seien 76 Grundstücke vorhanden gewesen, heißt es darin. „Waren 1987 die Parzellennutzer noch alles Rüganer, die sich aus den verschiedensten Gründen ein Grundstück zulegten, sind es im Jahre 2002 aus ganz Deutschland stammende Eigentümer, wovon nicht einmal mehr ein Drittel Rüganer sind“, führen sie im Heft auf und rechnen vor, dass durch die Tätigkeit des Vorstands den Vereinsmitglieder nicht nur Umlagen zur Bezahlung von Krediten erspart blieben, sondern auch „Kosten für Verkehrswertgutachten, Katasterkosten, Teilungsgenehmigungen, Notarkosten, Kosten des Amtes für offene Vermögensfragen, Hebegebühren, Änderungsverträge und Eigentumsüberschreibungen“, wie es heißt.

Im Kalender sind auch die Zahlen des langen Weges vom Kaufantrag bis zum letzten Grundbucheintrag vermerkt: 884 Fahrten zu den zuständigen Ämtern in Berlin, Schwerin, Greifswald und auf der Insel Rügen, 57 Einschreiben, 467 Briefe und Schreiben, 396 Telefonate/Faxe, 8236 Blatt Papier und 11063 Stunden Vorstandsarbeit sind angefallen. Der Aufwand habe sich aber gelohnt: Schließlich habe der Einsatz zu einer Halbierung des Kaufpreises auf 20 DM je Quadratmeter geführt.

Uwe Driest

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