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Neuer Anlauf für den Rathausplatz

Bergen Neuer Anlauf für den Rathausplatz

Die geplante Umgestaltung mit Märchenfiguren trifft auf wenig Zustimmung im Bauausschuss.

Bergen. Wird der Rathausvorplatz in Bergens Mitte ein Ort für Zauberer, Hexen und Sagengestalten? Wenn es nach der Meinung des Bauausschusses der Stadt geht, eher nicht.

Die Mitglieder berieten am Montag über den Vorschlag der Verwaltung, den Rathausvorplatz zu einem „Märchenplatz“ mit Bronzefiguren umzugestalten.

„Dass etwas im Bereich des Rathausvorplatzes geschehen muss, ist klar“, betont Dagmar Timm (CDU/FDP). „Aber was das Märchenkonzept angeht, bin ich skeptisch. Wir haben zu wenig regionalen Bezug zu Märchen. Und auch die Deutsche Märchenstraße ist zu weit weg um Anschluss daran zu bekommen.“

Das Konzept, welches die Bergener Verwaltung erarbeitet hat, sieht vor, Bergens Markt zu einem buchstäblich sagenhaften Ort zu machen. Bronzefiguren, die sowohl internationale als auch nationale und Rügener Märchenfiguren darstellen, sollen die Besucher des Stadtzentrums auf einem Märchenpfad empfangen und zum zentralen Element des Rathausplatzes leiten. Der könnte – je nach Planungsvariante – entweder ein runder Tisch mit Märchenfiguren oder ein neu errichteter Märchenbrunnen sein. Die Kosten für diesen „Märchengipfel“ würden sich zwischen 150 000 (Erhalt des Brunnens) und bis zu 460 000 Euro (Brunnenneubau) bewegen, wie Sonja Nagel vom Bauamt mitteilt.

Auch bei Passanten auf dem Bergener Markt ist das Projekt umstritten. „Ich wüsste nicht, ob ich mich dort hinsetzen würde, weil dort Märchenfiguren stehen“, überlegt Julia Neuss aus Bergen. „Ich glaube aber nicht.“ Ihr Bruder Oliver ergänzt: „Ich würde es besser finden, wenn die Ausstattung auch etwas Sinn machen würde. In Berlin funktionieren zum Beispiel Infotafeln zur Geschichte gut. Dort treffen sich die Menschen und reden.“ Gut kommt die Märchenidee bei der jüngeren Generation an. „Ich denke schon, dass so ein Märchentisch oder -brunnen schick aussehen könnte“, meint etwa der 12-jährige Adrian. „Vielleicht könnte man auch ein paar Figuren in den Brunnen setzen.“

Der Marktplatz in Bergen ist nicht das erste Mal Thema in den Gremien der Stadt. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Versuche gestartet, eine Umgestaltung auf den Weg zu bringen. „Seit 2014 gibt es dazu unterschiedliche Ansätze“, führt Rainer Starke, Leiter des Bauamtes, auf. „2015 gab es einen Gestaltungswettbewerb, die Umsetzung wurde allerdings wegen anderer Prioritäten zurückgestellt. 2016 kam die Idee eines Spielplatzes auf, davon wurde allerdings auch wieder Abstand genommen.“ Mit der Idee des Märchengipfels am Rathausvorplatz sollen Aspekte wie Heimatverbundenheit und Brauchtum aufgegriffen werden und ein Anlaufpunkt für Touristen und Einheimische gleichermaßen geschaffen werden. „Auch die Partnerstädte Bergens könnten durch Märchenfiguren mit einbezogen werden“, sagt Starke. „Vielleicht könnte man dann sogar Anschluss an die Deutsche Märchen- und Sagenstraße bekommen.“

Doch so richtig überzeugen konnte das Konzept die Mitglieder des Bauausschusses nicht. „Niemand zweifelt an der Notwendigkeit, den Rathausvorplatz umzugestalten. Aber mit der Festlegung auf das Thema Märchen fühle ich mich jetzt etwas überrumpelt“, meinte etwa Dirk Sodmann (Bürger Bündnis Bergen). Die Ausschussmitglieder entschieden sich in ihrer Grundsatzentscheidung trotzdem für eine Empfehlung der Beschlussvorlage an die Stadtvertreter: Allerdings wurden sämtliche Passagen, die einen Bezug auf die Märchenthematik haben, gestrichen. So bleibt nur der Wunsch nach der Umgestaltung des Rathausplatzes übrig. Wie dieser später einmal aussehen soll, bleibt spannend.

Anne Ziebarth

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