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Rügen Nicht steinreich — aber reich an Steinen
Vorpommern Rügen Nicht steinreich — aber reich an Steinen
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00:00 15.04.2016
Aus Steinen entstehen bei Peter Müller schon mal Herzen.

Millionen Jahre alte Feuer- und Sandsteine, Porphyre, Granit, Gneis und manchmal auch Bernstein: „Steine liegen hier genug herum“, meint Peter Müller. Der 55-jährige „Ureinwohner“ des Dorfes hatte vor rund 20 Jahren die Idee, seine Fundstücke vom Strand zu Schmuckstücken und Wohnaccessoires zu verarbeiten und zu verkaufen. Steinreich ist er damit nicht geworden, sein „Shop der schönen Dinge“ über der Lohmer Steilküste trägt aber trotzdem zur Attraktivität des Ortes bei.

In Peter Müllers „Shop der schönen Dinge“ werden Granite, Gneise und Porphyre zu Schmuckstücken

In seinem Laden präsentiert „Stein-Müller“ Anhänger aus poliertem Stein, Ohrgehänge mit Donnerkeilen, Feuerstein-Nuggets, Muscheln am Lederband, Herzen und Tropfen aus Bernstein, aus Stein gefertigte Vasen, Türstopper und Kerzenhalter. Daneben bietet er auch Fossilien, Bücher mit regionalem Bezug, Land- und Postkarten, Kalender und Kleinkunst zum Kauf an. Den Kunden bietet Müller noch einen besonderen Service: Er bearbeitet auch Felsstücke, die sie selbst gefunden haben. Aus solchen in typischer Eiform zaubert er zum Beispiel Herzen, indem er den Korpus in der Mitte zersägt und die beiden Teile dreht.

„Ich verwende nur Steine, die es hier gibt“, betont der zweifache Großvater. Rund 300 verschiedene Steinsorten lassen sich auf Rügen finden. Typisch für die Insel sind die Feuersteine, die riesige Gletschermassen während der Eiszeiten aus dem Norden mit sich gebracht haben. Auch Granite, Gneise und Porphyre kommen aus der Tiefe der Erde und wurden durch Erosionen an die Oberfläche befördert. Bernstein hingegen ist fossiles Baumharz. Viele Steine, aber auch die Donnerkeile und Hühnergötter, stammen aus der Kreidezeit und haben mindestens 70 Millionen Jahre auf dem Buckel.

Mit geübtem Auge streift Müller die Küste entlang, um unter Millionen anderen seine Steine zu entdecken. Dabei achtet er auf Form, Farbe und darauf, wie sie sich bearbeiten lassen. „Keiner ist wie der andere“, begeistert er sich. Auch Seeglas, also Glasscherben, die der Sand glatt gerieben hat, verarbeitet er zu Schmuck. Bernstein hingegen kauft er selbst ein, denn „davon gibt es hier zu wenig“.

Eigentlich hat der gebürtige Sassnitzer Koch gelernt und mit diesem Beruf zunächst sein Geld verdient. Er arbeitete in FDGB-Heimen und bis 1988 betrieb er das Lohmer Café Niedlich. „Ich habe mal auswärts gearbeitet“, erinnert sich Müller. Damals, nach dem Tod ihres zweiten Mannes, wollte er sich um die Mutter kümmern, die im brandenburgischen Zechlin lebte. „Aber dann musste ich wieder nach Hause.“ Seine Heimat war eben Lohme, seine Wohnung hier hatte er nie aufgegeben.

Anfang der 1990er Jahre war Müller im Zuge einer ABM-Maßnahme im Jugendklub tätig. Nach drei Jahren folgte ein Praktikum bei einem Steinschleifer in Dranske. Weil ihn dieses Handwerk faszinierte, wagte er nach einem halben Jahr Ausbildung den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit dem von der Mutter geborgten Geld schaffte er die notwendigen Instrumente an, Steinsäge und -bohrer sowie eine Schleifmaschine, und richtete sich bei der ehemaligen Schule von Lohme einen Raum zum Werkeln ein.

Seine Frau Manuela hat er 1980 kennen gelernt. Drei Jahre später heiratete das Paar, baute ein Haus und bekam zwei Töchter, von denen eine in Berlin, die andere in Schwäbisch Hall lebt. „Wenn wir uns treffen wollen, dann in der Mitte“, bei Müllers Mutter in Flecken Zechlin. Dorthin kommt dann auch sein Bruder aus Leipzig. Frau Manuela — „Ich habe meiner Frau viel zu verdanken“ — arbeitet als Ergotherapeutin in Dreschvitz. Müller selbst vertreibt seine Produkte auch im Internet, denn sein Geschäft öffnet er nur an den Nachmittagen von Ostern bis Oktober.

• Internet: www.ruegensteine.de

Lohme - Seebad mit der „kräftigsten Luft Rügens“

467 Einwohner wohnen im Dorf Lohme. Ein vielfaches an Gästen besucht den Ort jedes Jahr.

Die Dichterin Elisabeth von Arnim glaubte „die kräftigste Luft Rügens“ zu atmen, als sie Anfang des 19. Jahrhunderts Quartier in Lohme bezog. „Ich stelle mir vor“, schrieb sie, „daß es ein passender Ort für ruhige Leute ist, die nicht viel ausgeben wollen.“

1901 zählte der Ort rund 2300 Badegäste, 1934 waren es 1000 Gäste mehr, und 80 Jahre später machten 8700 Gäste Urlaub in dem Dorf.

Beliebt war Lohme aber schon in grauen Vorzeiten, davon zeugen 5500 Jahre alte Großsteingräber, wie das bei Nipmerow, und zahlreiche Hügelgräber aus der Bronzezeit von 1800 bis 600 vor unserer Zeitrechnung. Im Frühmittelalter ließen sich hier Slawen nieder. Sie nannten die Siedlung „lomu“ — Steinbruch.

Von Susanna Gilbert

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