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Rügen Gülle-Alarm in Vorpommern: Landwirtschaft drohen Maßnahmen
Vorpommern Rügen Gülle-Alarm in Vorpommern: Landwirtschaft drohen Maßnahmen
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15:11 27.11.2018
Ministerium macht Landwirtschaft als Hauptverursacher für Nitratbelastung aus. Quelle: Jens Burmester
Vorpommern

Überall dort, wo der Grenzwert des Nitrat-Eintrags überschritten ist, verzeichnet die Karte des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) einen roten Punkt. Die meisten davon finden sich im Bereich Vorpommerns ausgerechnet auf den Urlaubsinseln Rügen und Usedom.

Landesweit seien elf von 53 Grundwasserkörpern in schlechtem chemischen Zustand aufgrund von Nitrat eingestuft worden, sagt Abteilungsleiterin Karina Rentsch. Der Schwellenwert für Nitrat beträgt 50 Milligramm je Liter. „Nitrat im Grundwasser stammt überwiegend aus diffusen Quellen und ist ein flächenhaftes Problem.“ Heißt: Dort, wo der Grenzwert überschritten wird, werden Maßnahmen notwendig, „die grundsätzlich den gesamten Grundwasserkörper und nicht nur einzelne Messstellen betreffen.“ So liegt beispielsweise auf Rügen der gesamte Grundwasserkörper „Westrügen“ im roten Bereich.

„Die Messstellen des Landes liegen überwiegend nicht sehr weit unter der Oberfläche, sind also nicht so gut geschützt wie die meisten Grundwasserleiter“, relativiert Jan Trenkmann, Leiter des Umweltamtes im Landkreis Vorpommern-Rügen diese Aussage. Das LUNG misst in etwa sechs Metern Tiefe und jeder Brunnen liegt deutlich tiefer. „Nichtsdestotrotz werden auf diese Weise Tendenzen aufgezeigt, die Schlussfolgerungen für das weitere Handeln ermöglichen. Neben dem weiteren Ausbau des Messnetzes wird zukünftig auch weiterhin die Verringerung der Stickstoffbelastung das Hauptziel sein“, so Trenkmann. „Noch sind unsere Trinkwasserleiter nicht mit Nitrat verseucht“, beruhigt Reinhard Litty vom Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar) vorerst. Das aber müsse nicht immer so bleiben. Wird nämlich oberflächennahes Nitrat nicht abgebaut, kann es früher oder später in das Grundwasser eindringen. An anderen Orten muss entnommenes Wasser daher bereits geklärt oder verdünnt werden.

Dass beim Eintrag von Nitraten in die Umwelt die Landwirtschaft als Haupt-Verursacher gilt, möchte Christian Ehlers, Geschäftsführer beim Bauernverband Nordvorpommern, so nicht stehen lassen: „Es gibt zwar diffuse Einträge aus der Landwirtschaft, aber man muss auch andere Quellen berücksichtigen, um eine objektive Betrachtung zu gewährleisten“, findet er und fragt: „Warum werden im Zusammenhang mit NordStream II Kläranlagen ertüchtigt, um Phosphate auszufiltern, wenn die Landwirtschaft als alleiniger Verursacher dargestellt wird?“ Das Unternehmen hatte sich verpflichtet als Ausgleich des Baus einer Gaspipeline Kläranlagen in Bergen und Göhren auf Rügen sowie Stralsund und Greifswald zu ertüchtigen. Während sich allerdings der Eintrag von Phosphaten tatsächlich auf verschiedene Verursacher verteilt, sei der Anteil der Kläranlagen an Nitrat-Einträgen „marginal“ und „ganz überwiegend diffusen Quellen zuzuordnen, die ihren Ausgangspunkt in der Landwirtschaft haben“, heißt es dazu beim Landesamt. Die Güstrower Behörde ordnet 22 865 Tonnen der landesweiten Nitrate, die in den Stickstoffkreislauf eingehen, der Landwirtschaft zu. Der Anteil von Kläranlagen betrüge demgegenüber lediglich gut drei Prozent. „Zur weiteren Verbesserung der Gewässerqualität müssen vor allem Nährstoffeinträge aus den diffusen Quellen reduziert werden“, sagt Amtsleiter Harald Stegemann.

Während sich der Rügener Bauernverband zur Problematik trotz mehrfacher Nachfrage nicht äußern möchte, würde sich Landwirt Maik Zilian aus Poseritz auf Rügen mehr Messstellen wünschen. „Die Karte der Nitratwerte beschäftigt mich seit Jahren und wir wollen der Sache auf den Grund gehen“, sagt er. „Wir wollen uns nicht reinwaschen und wissen, dass auch unser Tun zu der Belastung beiträgt.“ Eine der Messstellen läge im Gebiet seines Betriebes, aber im eigenen Brunnen würde er keine Belastungen feststellen. Einen besonders schweren Fall gibt es Landkreis-Sprecher Achim Froitzheim zufolge in Vorpommern-Greifswald. „Wir haben wiederholt Probleme mit einem großen Betrieb in der Nähe von Ferdinandshof gehabt, weil der Betrieb wiederholt Gülle in Größenordnungen auf gefrorenen Böden ausgebracht hat.“ Mittlerweile würden die Bürger auf die Problematik achten und der Behörden verdächtige Beobachtungen mitteilen.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus möchte ab 2019 mit einem Erlass auf die Situation reagieren, der über die Düngeverordnung hinausgehende Maßnahmen in jenen Gebieten vorsieht, in denen Grenzwerte überschritten sind. Weil der Verordnungstext noch „diverse Abstimmungsverfahren durchlaufen muss“, möchte Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth noch nicht näher darauf eingehen. Nur so viel: „Mecklenburg-Vorpommern wird vier von den in der Düngeverordnung vorgeschlagenen 14 Maßnahmen festlegen, um das Aufbringen von Wirtschaftsdünger stärker zu reglementieren.“ Burkhard Roloff, Agrarexperte des BUND fordert indes, dass Agrarbetriebe Stoffstrombilanzen erstellen müssen. Zudem sollten Bund und Land den Gülletourismus eindämmen und Subventionen zugunsten einer gewässerverträglichen Bewirtschaftung der Flächen umschichten.

Nitrat-Einträge und Richtlinien

Jedes Jahr wird in Deutschland mehr Gülle auf die Felder ausgebracht als Pflanzen und Böden aufnehmen können. Bereits jetzt wird in vielen Gemeinden der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser um ein Vielfaches überschritten.

Die Europäische Kommission hat daher die Bundesregierung verklagt, weil die EU-Nitratrichtlinie zum Schutz des Wassers vor Überdüngung aus der Landwirtschaft in Deutschland bisher nicht umgesetzt wurde.

In Vorpommern wird der Grenzwert stellenweise um mehr als das Doppelte überschritten.

23627 Tonnen Nitrat werden landesweit in Oberflächengewässer eingetragen. Davon 22865 Tonnen aus landwirtschaftlichen Dränagen und 762 Tonnen aus Kläranlagen

7818 Tonnen müssen allein zum Erreichen der Meeresschutzziele eingespart werden.

70 Tonnen Einsparung bringt die Kompensation durch Nordstream 2.

Uwe Driest

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