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Nur hier möglich: Lustwandeln und trauern

Pansevitz Nur hier möglich: Lustwandeln und trauern

Nach der Sanierung schloss die Stiftung Schlosspark Pansevitz vor zehn Jahren einen Vertrag mit der Friedwald GmbH

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Tafelten am letzten Überbleibsel eines Landart-Projekts zum Thema „Die zwölf Apostel“: Bürgermeister Eckhard Koch, Alvo Graf zu Knyphausen mit zweien seiner Kinder, Hans Oppermann und Friedwald-Förster Dani Neubeck, Frieder Jelen, Helmut Straßer (Stiftung Pansevitz), Alexander von Heimendahl (Friedwald, Regionalleiter Nord), Klaus-Dieter Mikschat und Cindy Wolfram (Friedwald/v.l.)

Quelle: Fotos: Uwe Driest

Pansevitz. „Letztes Jahr führte ich eine Familie durch den Park, deren Oma für ihren gerade verstorbenen Mann und sich selber eine Grabstelle unter einem möglichst kleinen und bescheidenen Baum suchte“, erzählt Friedwald-Försterin Anette Groß. Eine Stunde lang habe sie mit der alten Dame einen passenden Standort gesucht. „Als ich schon aufgeben wollte, fiel mir das einzige Apfelbäumchen des Parks ein, das etwas schräg gewachsen und eigentlich nicht so schön ist und das war dann genau, was die alte Dame suchte.“ Auch solche Erinnerungen wurden bei dem kleinen Festakt ausgetauscht, den die Friedwald GmbH und das Förster-Team am Sonnabend ausrichteten. Anlass was das zehnjährige Bestehen des Bestattungswaldes im Schlosspark Pansevitz.

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Nach der Sanierung schloss die Stiftung Schlosspark Pansevitz vor zehn Jahren einen Vertrag mit der Friedwald GmbH

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„Der Vertrag mit dem Friedwald war seinerzeit ein absoluter Glücksfall“, sagt Alvo Graf zu Knyphausen, dessen Vorfahren den Park nach der Wende zur Verfügung stellten. „Dass das Schloss nicht mehr zu retten war, war klar, aber auch der Park sah wüst aus.“ Dank der Gemeinde Kluis sowie des Verbandes Insula Rugia, vor allem dessen damaligem Vorsitzenden, Frieder Jelen, sei es gelungen, den Schlosspark zu dem zu machen, was er heute ist.

„Landschaftsparks sind Teil der Aufklärung, weil sie sich von den starren Formen des Totalitarismus emanzipierten“, erläutert Jelen. Insula Rugia war zwischenzeitlich Eigentümer des Parks und Jelen, zu jener Zeit auch Umweltminister in MV, führte die politischen Akteure zusammen, akquirierte Fördergelder und gewann die Allianz-Umweltstiftung dafür, die Eigenanteile zu übernehmen. „Ohne den Einsatz von Walter Ultsch wäre der Park wieder verwildert“, ist sich zu Knyphausen sicher. „An sonnigen Tagen ist es hier voll, aber genau so soll es ja auch sein. Man soll hier sowohl lustwandeln, als auch trauern können“, weist Alvo Graf zu Knyphausen in diesem Zusammenhang eine Besonderheit des Friedwald-Konzeptes hin.

Auf der Suche nach einer Nutzung hatte Helmut Straßer, neben zu Knyphausen und Jelen das dritte Vorstandsmitglied der Stiftung Schlosspark Pansevitz, damals kurzerhand bei der Friedwald GmbH angerufen und den 700 Jahre alten, denkmalgeschützten Park mit Schlossruine angeboten. „Heute erhalten die Toten den Park für die Lebenden“, sagt Straßer. Inzwischen hat er selber seine Familienstelle unter einer Linde gekauft. „Dabei kam es meiner Frau auf die schöne 'Sicht' auf die uralte Süntel-Buche davor an“, erklärt er.

Wenn es soweit ist, wird er im Trend liegen. 60 Prozent aller Bestattungen fänden bereits mittels der Urne statt, weiß Alexander von Heimendahl von der Friedwald GmbH. Und die Tendenz steige. Nicht zuletzt die Hospizbewegung habe dazu beigetragen, sich vom engen Korsett staatlicher Bestimmungen zu lösen. Auch nehme die Bedeutung der Kirchen ab, die darauf reagierten, indem sie ihre Bestattungsregeln den neuen Bedürfnissen angleichen würden.

Ein weiterer Faktor seien schließlich auch die sich verändernden familiären Beziehungen. „Familien sind heute dezentralisiert, was die Grabpflege vielfach zu einer nicht zu unterschätzenden Belastung für die Angehörigen macht“, sagt von Heimendahl in diesem Zusammenhang.

Das kann Helga Pellihn nur bestätigen: „Ich werde ja auch nicht jünger und bin die einzige, die unsere Gräber in Demmin noch betreut, das wird mir jetzt zu viel.“ Die alte Dame hat sich daher mit Tochter Ina zur Waldführung angemeldet, um es einmal besser zu machen.

In mehreren Rundgängen informierten Friedwald-Förster Dani Neubeck und seine Kollegin über den Schlosspark und die Modalitäten der Bestattung. So finden nur zertifizierte Urnen Verwendung, die sich biologisch abbauen lassen und Grabschmuck ist nicht gestattet, weil die Natur genug Blüten biete. Auch den Themen „Mythologie der Bäume“ und „Von Menschen und ihren Bäumen – Wie Bäume zu Lebensgefährten werden“ widmet sich das Förster-Duo.

Solch einen speziellen Gefährten suchte sich Dagmar Tyl aus, die ihren Mann in Pansevitz bestattete und später einmal zu ihm möchte: „Ich entschied mich für einen sich windenden Berg-Ahorn, der auf mich den Eindruck eines Kämpfers machte“, erklärt die Stralsunderin. So fand sie einen Gefährten wie jene Oma ihr Apfelbäumchen. Inzwischen liegt ihr Mann dort und die Familie erntet sogar die Äpfel.

Zahlen & Fakten

1,9 Millionen Euro flossen insgesamt in die Sanierung des Schlossparks, für deren Verwendung die Allianz Umweltstiftung jeweils die Eigenanteile zahlte.

1100 Bäume sind gewidmet, 800 Bestattungen gab es in den vergangenen zehn Jahren und 400 Bäume sind noch frei.

Ein Basisplatz für drei Jahre kostet 490 Euro, die Familiengrabstelle für zehn Personen und die Laufzeit der Erbpacht für mehr als 5000.

Am 18. Juni ab 15 Uhr gibt es den zweiten Teil der Feier. Dann sind großformatige Fotos von Iwona Knorr zum Thema „Menschen im Park“ zu sehen.

Uwe Driest

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