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Rügen OZ-Schulnavigator: Heute stellt sich die Freie Schule Rügen vor
Vorpommern Rügen OZ-Schulnavigator: Heute stellt sich die Freie Schule Rügen vor
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00:05 17.05.2017
Schulgebäude

In der Druckwerkstatt herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Behutsam setzen Hannes, Mia und Luise die Schrifttypen zusammen, suchen sich aus den Schubladen die richtigen Buchstaben zusammen. Altes Druckhandwerk neu interpretiert – möglich macht das die Zusammenarbeit mit der Druckerei Gampe aus Bergen. „Die Schüler sind Feuer und Flamme“, lacht Heike Balzer. Sie ist die Projektkoordinatorin der Freien Schule Rügen, verantwortlich für Finanzen und Organisation. Gemeinsam mit der pädagogischen Leiterin Monika Morawietz lenkt sie die Geschicke der Schule in Dreschvitz, ist Gründungsmitglied. „Mit anderen Eltern sind wir 2002 in die Planung gegangen und 2004 mit 22 Kindern gestartet.“

In der Druckwerkstatt herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Behutsam setzen Hannes, Mia und Luise die Schrifttypen zusammen, suchen sich aus den Schubladen die richtigen Buchstaben zusammen.

Lehrer: Nachhaltige Bildung

Zehn Lehrer und sieben Hort-Pädagogen gestalten den Schulalltag an der Freien Schule Rügen. Drei pädagogische Kräfte und vier Integrationshelfer vervollständigen das Team. Externe Kooperationspartner betreuen das Tanztheater. Als „Agenda 21 Schule“ hat das Kollegium eine klare Entscheidung für „Bildung zur nachhaltigen Entwicklung“ als Leitidee getroffen.

Verpflegung: Bioköchin liefert Ungewöhnliches

Das Mittagessen wird jeden Tag gemeinsam in den gemütlichen Mensaräumen auf selbst gebauten Bänken eingenommen. Geliefert wird es von Bioköchin Elke Neugebauer, die bewusst frisch und saisonal kocht. Ein bewusster Austausch zwischen Köchin und Eltern gewährleistet die Qualität des Essens, auch ungewöhnliche Gerichte kommen auf den Tisch.

Freizeitangebote: Für jeden etwas

Vielfältig und durchdacht ist das Hortangebot: Bewegungsliebhaber toben sich bei Hip-Hop- und Breakdance, Schwimmen, Fußball, Akrobatik oder Hockey aus. Kreative können sich in der Schreibwerkstatt, beim Töpfern, Häkeln oder Nähen, Filzen oder Drucken verwirklichen, Weltentdecker kommen in der Kräuterküche, Imkerei, bei den Wildnisrangern oder im Afrika-Kurs auf ihre Kosten.

Mittlerweile ist die Freie Schule eine feste Größe auf Rügen, 126 Schüler lernen hier von der ersten bis zur sechsten Klasse in altersgemischten Lerngruppen, Freizeit und Unterricht lassen sich oft kaum voneinander unterscheiden. „Wir sind eine gebundene Ganztagsschule und legen großen Wert auf die Balance zwischen Schule und Hort“, sagt Heike Balzer. „Unsere Hort-Pädagogen sind ebenfalls ausgebildete Montessori-Kräfte und werden auch in Unterrichtsprojekte einbezogen.“ Im Gegenzug bekommen die Lehrer ein klares Bild vom Schüler, wenn sie die Erfahrungen der Hort-Kollegen mit dem Kind einbeziehen.

Noten gibt es nicht, stattdessen haben Eltern und Kollegium klare Bewertungskriterien erarbeitet, anhand derer sie die Leistungen der Kinder einschätzen können. „Noch wichtiger ist, dass die Kinder lernen, sich selbst einzuschätzen. Bevor der Lehrer eine Bewertung vornimmt, füllt das Kind einen 'Ampelbogen' aus. Es überlegt, was es gut, nicht so gut oder gar nicht kann“, erklärt Monika Morawietz. Ziel sei es, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und Strategien zu entwickeln, mit ihnen umzugehen. „Das macht die Kinder stark fürs Leben und lässt sie auch auf den weiterführenden Schulen sehr gut zurecht kommen“, ist sie sich sicher.

Der eigene Lernerfolg steht so an erster Stelle, nicht der Klassenvergleich. Das kommt allen zugute, Lernstarken ebenso wie Lernschwachen. „Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass hier an der Schule nur Kinder von Reichen und Intellektuellen sind“, weiß Heike Balzer. „Wir nehmen bewusst Kinder mit besonderem Lern- und Förderbedarf auf. Ein Stipendienfonds ermöglicht Kindern, deren Eltern kurz- oder mittelfristig in eine finanzielle Schieflage geraten, die Schule zu besuchen.“

Deshalb ist die Schule auch Teil der Projekte „Blick über den Zaun“ und „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Heike Balzer fasst es treffend zusammen: „Unsere Schule ist ein Ort, an dem Kinder die Chance haben, ein Bewusstsein für die Umwelt und das soziale Miteinander zu entwickeln.“ Das heißt noch lange nicht, dass jeder Schüler sich ökologisch orientiert. „Aber wir legen hier die Wurzeln und lehren, wie man sein Leben gestalten kann.“

Schulgeld nach Selbstauskunft

Das Schulgeld ist gestaffelt und wird prozentual auf Basis einer freiwilligen Selbstauskunft berechnet. Der Mindestbeitrag liegt bei 170 Euro pro Monat, davon entfallen 106 Euro auf den Ganztagshortplatz, sodass das Schulgeld sehr gering angesetzt ist. Außerdem fallen etwa drei Euro pro Tag für das gemeinsame Mittagessen an. Ein „Büchergeld“ von 35 Euro im Jahr finanziert Material.

Ausstattung: Werkstatt und Theaterraum

2004 bezog die Freie Schule das alte, leerstehende Schulgebäude in Dreschvitz. Dort sind die Mensa und der Hort mit großer Werkstatt und Theaterraum untergebracht. Ein eigenes Gebäude steht jeweils den Lernstufen 1-3 und 4-6 zur Verfügung, eine Turnhalle vervollständigt das Areal. Der großzügige und liebevoll gestaltete Außenbereich wird intensiv in den Schulalltag einbezogen.

Gaia Born

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