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Rügen Ökohof setzt beim Düngen auf Seetang
Vorpommern Rügen Ökohof setzt beim Düngen auf Seetang
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00:00 29.03.2014
Bald schon beliebtes Düngemittel? Allsommerlich ist die Beseitigung von Algen und Seetang (wie hier in Prora) ein Problem. Quelle: Stefan Sauer

Algen als Dünger? Für Joachim Berg vom Gut Rosengarten könnte bald ein Traum in Erfüllung gehen. Schon lange überlegt der Inhaber des hinter Garz gelegenen Ökohofes, wie er seine Böden optimieren könnte, kurz: Bessere Erträge, weniger Unkraut. Dafür will Berger künftig auf den biologischen und zudem günstigen Dünger Seetang setzen. Denn als zertifizierter ökologischer Landbaubetrieb mit einer Fläche von zwölf Hektar für Gemüse darf Berg keinen künstlichen Dünger verwenden. „Zwei Mal im Jahr wird strengstens kontrolliert, da darf kein einziges Blaukorn gefunden werden“, schmunzelt der Hamburger, der das Gut seit vier Jahren mit elf Mitarbeitern betreibt. Deshalb setzt Berg ausschließlich auf biologische Düngemittel, beispielsweise Hornspäne, Rasenschnitt, Pflanzengranulate oder Pellets. „Das allerdings ist sehr teuer und bringt nicht optimal viel.“

Der Artikel „Algen als Dünger“ in der OSTSEE-ZEITUNG brachte Berg im vergangenen Jahr auf die Idee, seine Felder mit Seetang zu bestellen. „Jeder Bürgermeister eines Ostseebades schimpft wie ein Rohrspatz über den Algenschmutz am Strand, die Touristen ekeln sich und die Kosten für den Abtransport sind immens.“ Beispiel Sellin: Bis zu 1000 Tonnen Algen fallen dort in manchen Sommern an.

Lagerung und Entsorgung des Materials kosten die Kommune zwischen 40 000 und 60 000 Euro. Man könnte also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, so Bergs Überlegung. „Die Badeorte werden den verhassten Unrat los und Landwirte wie ich profitieren von dem Material.“ Pur, wie er vom Strand kommt, lässt sich laut Berg der Algenabfall allerdings nicht beim Gemüseanbau einsetzen. Selbst Experten streiten sich, ob es sich bei dem im Fachjargon als Strandanwurf oder Ostseetreibsel bezeichneten Gemisch aus Algen, Seegras, Holz und Sand um Sondermüll oder Naturstoff handelt.

„Treibsel ist ein Naturprodukt. Wenn das Material fachgerecht behandelt und die Schadstoffgrenzwerte eingehalten werden, gibt es kein Problem, auch nicht nach der Düngemittelverordnung“, sagt Hans-Eberhard Kape von der Landesstelle für landwirtschaftliches Fachrecht und Beratung. „Allerdings sollte in dem Kompost so wenig Sand wie möglich enthalten sein, weil sonst der Nährstoffgehalt zu niedrig ist.“

Einer, der die unbeliebten grünen, stinkenden Strandteppiche keinesfalls als Abfall bezeichnen würde und damit sogar sein Geld verdient, ist Martin Staemmler. Der Schleswig-Holsteiner ist Geschäftsführer der in der Nähe von Kröpelin ansässigen Firma Hanseatische Umwelt CAM GmbH, die sich die Verwertung und Veredelung von Strandanwurf auf die Fahnen geschrieben hat. Die Gesellschaft betreibt in Sandhagen ein Kompost-, Dünger- und Erdenwerk und könnte bald der geeignete Partner für das Gut Rosengarten und auch für viele Ostseebäder werden. Staemmler: „Mit einer Partnerfirma in Samtens planen wir, den tonnenweise anfallenden Algensand von den derzeit drei auf Rügen vorhandenen Seetanglagern abzuholen oder das Material gleich Vorort zu bearbeiten.“ Erfahrungen hat der Unternehmer jahrelang gesammelt, vor allem mit den Ostseegemeinden zwischen Warnemünde und Klütz. Deren Treibsel verarbeitet sein Werk nach der Trocknung und Befreiung von Müll, Holz und Steinen zu nährstoffreichem Kompost, der dann in der Landwirtschaft eingesetzt wird. „Das Material ist biologisch aktiv und lockert lehmige Böden“, beschreibt der Experte die physikalische Wirkung des Naturdüngers. Biologisch beeinflusse das Produkt das Wurzelwachstum der Pflanzen. Scherzend fügt Staemmler hinzu: „Wenn Kleingärtner das Zeug aus unseren Lagern klauen, muss es ja gut sein.“ Den aus dem Gemisch gewonnenen Dünger verkauft Staemmlers Firma für etwa 15 Euro pro Tonne an Landwirte.

Förderprogramm ab April
100 000 Euro und mehr zahlen Gemeinden im Jahr dafür, ihre Strände von Seegras und Algen zu befreien. Ab April soll es in MV eine Anschubfinanzierung für die umweltgerechte Verwendung von Treibsel im Rahmen eines neuen EU-Förderprogramms geben.



Lena Roosen

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