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Orgel saniert: Damit der Teufel den Blasebalg nicht zieht

Rappin Orgel saniert: Damit der Teufel den Blasebalg nicht zieht

Sprichwort mahnt zur Erhaltung von Kircheninstrumenten / Nach Verjüngungskur klingt jetzt auch die alte Orgel von Rappin wie neu

Rappin. Fast 160 Jahre hat die Orgel in der Rappiner Kirche St. Andreas auf dem Buckel. Ihr Zustand war so besorgniserregend, dass sie restauriert werden musste. In mehrwöchiger Arbeit wurde das Instrument einer gründlichen Verjüngungskur unterzogen. Dem neuen Klang der alten Orgel konnten Besucher erstmals am vergangenen Sonntag lauschen. Für Mitte September ist darüber hinaus ein feierliches Eröffnungskonzert geplant. Die Kirchengemeinde bittet weiter um Spenden.

 

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Jede einzelne Pfeife musste von Rainer Wolter gereinigt werden.

Quelle:
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Klaus Dombrowski spielt seit 61 Jahren die Rappiner Orgel.

Quelle: Fotos: Sg
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Jede einzelne Pfeife musste von Rainer Wolter gereinigt werden.

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Klaus Dombrowski spielt seit 61 Jahren die Rappiner Orgel.

Quelle: Fotos: Sg

Ein Sprichwort sagt „Wo die Orgel verstimmt ist, da zieht der Teufel den Blasebalg“. Das wollte die Rappiner Kirchengemeinde nicht. Sie beauftragte Orgelbauer Rainer Wolter mit der Überholung des Instruments. Und der zog alle Register: Er zerlegte das ehrwürdige Instrument in seine Einzelteile. Sorgsam wurden die Pfeifen ausgebaut und, sortiert nach ihrer Größe, aufgereiht. 159 Holzpfeifen aus Fichte und 200 Metallpfeifen aus Zinn reinigte der Experte, der schon für die letzte Restauration im Jahr 1986 zuständig war. Auch die Manualklaviatur mit ihren 54 Tasten wurde ausgebaut. Das mit Ornamenten geschmückte Holzgehäuse der Orgel stand wochenlang leer.

Bei der Reinigung des Korpus und der Orgelpfeifen bediente sich Wolter eines Kompressors und ganz gewöhnlicher Pfeifenreiniger. Beschädigte Teile des Instruments mussten anschließend repariert und die verbrauchten Filz- und Lederteile ersetzt werden. Auch Messingdrähte wurden ausgetauscht, beschädigte Holzteile wurden ersetzt. Danach wurde die Orgel wieder zusammengebaut, mechanisch einreguliert und schließlich neu gestimmt.

„Ich arbeite wie meine Vorgänger vor 200 Jahren“ , sagt Möller, der seine Betriebe in Zudar und Dresden hat. Denn er verwendet genau dieselben Materialien wie einst: Schaf- und Ziegenleder, Filz, Knochenlein und Drähte aus Messing. Fast drei Wochen hat er für die Sanierung des Rappiner Instruments gebraucht, obwohl es nur „eine kleine Dorforgel“ ist. Eine Generalüberholung ist nach seiner Einschätzung alle 15 bis 25 Jahre notwendig.

Der Erbauer der Orgel, Friedrich Christian Knauf, stammt aus einer Orgelbauerdynastie in Thüringen. Im Mai 1859, so ist in der Rappiner Kirchenchronik nachzulesen, traf er mit seinem Sohn im Dorf ein. Die Orgelteile waren zuvor mit der Eisenbahn nach Stettin und von dort mit dem Dampfschiff nach Lauterbach gebracht worden. Die Zusammensetzung der Orgel „war in gut acht Tagen vollendet“.

415 Taler verlangte Knauf für die Orgel. Dafür, so schrieb der damalige Pastor Schulz in der Chronik, „entnahmen die Besitzer von Tetzitz, Schweikvitz, Varsnevitz, Cartzitz, Gr. Banzelvitz, Helle, Zirmoisel ihrem Geldbeutel eine stattliche Anzahl Taler“. Am billigsten waren noch die Leistungen des „Arbeitsmanns Wittmütz“, denn der erhielt für Reinigungsarbeiten zehn Groschen.

Eigentlich hatte die Kirche den Stralsunder Orgelbauer Fermann mit dem Bau des Instruments beauftragen wollen. Doch der war plötzlich gestorben. Und sein Nachfolger, „Werkführer Mehmel“, wollte mit 703 Talern nicht nur viel mehr Geld, sondern hatte auch noch für drei bis sechs Wochen freie Kost und Logis für drei Arbeiter verlangt. Das war entschieden zu viel für die kleine Kirchengemeinde.

Die rettende Idee war schließlich vom Herrn von Usedom in Kartzitz gekommen. Der schrieb laut Kirchenchronik, „daß der sehr bekannte und geschickte Orgelbauer Friedrich Knauf zu Tabartz bei Gotha bessere und wohlfeiler Orgeln anfertige als die hiesigen“.

Das gute Stück ziert seither das Gotteshaus von Rappin. Es wurde schon mehrfach überholt, um es „vom zerstörerischen Treiben des Holzwurms zu schützen“, wie es in der Kirchenchronik heißt.

Das Besondere an der Rappiner Orgel: Sie wird auch regelmäßig bespielt. Seit seinem 15. Lebensjahr sorgt der heute 76 Jahre alte Klaus Dombrowski für die musikalische Begleitung von Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. „Junge, jetzt musst Du ran“, hatte sein Vater, der Pfarrer und Organist in Rappin war, vor 61 Jahren zum Filius gesagt. „Das ist ein großes Glück für die Rappiner Gemeinde“, betont Pastor Martin Holz, der neben Rappin auch für die Kirchen von Schaprode, Neuenkirchen, Trent, Patzig und Ralswiek zuständig ist. Denn viele Dorfkirchen verfügten über keinen Organisten mehr.

Die Orgel in Zahlen

200 Metallpfeifen aus Zinn reinigte Orgelbauer Rainer Wolter von der Orgel in der Rappiner Kirche St. Andreas. Darüber hinaus wurden noch 159 Holzpfeifen aus Fichte gesäubert.

160 Jahre hat die Orgel mittlerweile auf dem Buckel. Die letzte Sanierung ist inzwischen 30 Jahre her.

415 Taler kostete die Gemeinde einst der Bau der Orgel. Der Erbauer, Friedrich Christian Knauf, stammt aus einer Orgelbauerdynastie in Thüringen. Im Mai 1859 war er nach Rappin gekommen, um hier mit den Arbeiten zu beginnen.

Susanna Gilbert

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