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Autofreiheit im Göhrener Ortskern wird zur Zerreißprobe

Göhren Autofreiheit im Göhrener Ortskern wird zur Zerreißprobe

120 Leute kamen zur öffentlichen Debatte über die jüngst vom Gemeinderat beschlossene Umsetzung des Verkehrskonzeptes. Kritiker fordern: Zuerst sind neue Parkplätze nötig.

Göhren. Dass das Ortszentrum von Göhren einmal verkehrsberuhigt werden soll, darüber sind sich die meisten Göhrener einig. Nur bei der Frage, wie das Schritt für Schritt umgesetzt werden könnte, scheiden sich die Geister. Dementsprechend kontrovers wurde das Thema am Dienstagabend bei einer öffentlichen Diskussionsrunde debattiert, zu der die Gemeinde Vermieter, Gewerbetreibende und Einwohner eingeladen hatte. Der Theatersaal der Komödie Rügen war mit rund 120 Menschen bis fast auf den letzten Platz gefüllt.

Nachdem die Gemeindevertretung in ihrer Sitzung im Januar für die Umsetzung des schon vor Jahren beschlossenen „dynamischen Verkehrskonzeptes“ grünes Licht gegeben hatte und damit ab der Saison 2014 ein zeitweiliges Durchfahrtsverbot für Autos in der Hauptstraße (Post- und Strandstraße) anpeilt, hagelte es Proteste von Bürgern und Unternehmern. Die Sperrung der jetzigen Hauptverkehrsader durch versenkbare Poller werde zu einer Überlastung der dafür nicht ausgebauten Nebenstraßen führen. Zudem müssten zuerst ausreichend Parkmöglichkeiten an der Peripherie des Ortes geschaffen werden, so die Kritiker. Knackpunkt ist die Formulierung der betreffenden Beschlussvorlage, wonach die Sperrung von Mai bis Oktober sowie an Sonn- und Feiertagen 24 Stunden lang erfolgen soll. Man wolle — nach Empfehlungen von Fachleuten — die möglichst größte Zeitspanne bei der Verkehrsbehörde beantragen, um flexibel zu sein — wie es das Verkehrskonzept beschreibt. Würden nur zwei konkrete Stunden beantragt, hieße jede kleine Veränderung ein neues aufwendiges Antragsverfahren, so Gemeindevertreter Markus Pigard, der die Veranstaltung moderierte. Das bedeute nicht automatisch eine Sperrung rund um Uhr. „Es geht lediglich um drei Stunden“, betonte Verkehrsplaner Jörn Janssen. Wann die sind, ob es bei denen bleibe oder mehr werde, wie Gäste zu ihren Unterkünften gelangen, wann Lieferverkehr rollen kann, sind Fragen, zu denen die Göhrener in den nächsten Monaten einen Konsens finden müssen. Ziel sei es, den Verkehr langfristig aus dem Ortskern zu verbannen, damit die Strand- und Poststraße touristischen Boulevardcharakter erhält — was sich Urlauber wünschen. Denn in der sind zu 85 Prozent Fußgänger unterwegs, haben Verkehrszählungen bestätigt. Ebenso, dass im Juli 470 Autos durch das Ostseebad rollen. 60 Prozent der Fahrzeuge sind reiner Durchgangsverkehr. Allein 63 Mal am Tag fährt der Linienbus durch den Ort. Zu viel für einen Erholungsort. Gemeindevertreter Herbert Dobelstein: „Wen wir uns in Göhren nicht endlich einig sind, bleibt alles, wie es ist.“

Als erste Schritt soll ein vernünftiges und frühzeitiges Verkehrsleitsystem installiert werden. Der Gemeinde werden für die Umsetzung des Verkehrskonzeptes Fördermittel in Höhe von 200 000 Euro bei einem Eigenanteil von 6000 Euro in Aussicht gestellt, da es Bestandteil des Rahmenplanes für das Sanierungsgebiet ist. Doch in diesem Jahr läuft die Subvention der Maßnahmen aus.

Wir müssen den Autofahrern auf die Füße treten.“

Verkehrsplaner Janssen

Gerit Herold

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