Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Katzenfreunde in Angst: Seuche raffte schon 20 Tiere dahin
Vorpommern Rügen Katzenfreunde in Angst: Seuche raffte schon 20 Tiere dahin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.03.2013
Veronika Adam und G�nter Zobel glaubten zun�chst an eine Vergiftung der Tiere. Nun steht fest: Es ist die Katzenseuche. Deshalb darf Kater Hansi vorerst nicht mehr raus. Quelle: Steffi Besch
Göhren

Seinen kleinen Kater Hansi hält Günter Zobel ganz fest, lässt ihn nicht mehr draußen herumstreunern. Nur noch dieses Tier und zwei weitere Katzen sind dem Rentner aus Göhren von einst sechs Schmusefreunden geblieben. Denn: In Göhren grassiert die Katzenseuche. Schon 20 Katzen wurden in den letzten Tagen tot aufgefunden. Alle auf dem Gelände des Campingplatzes und gegenüber dem Kleinbahnhof.

„Normalerweise gibt es hier viele Katzen, die von zwei älteren Damen aus dem Ort gefüttert aber auch von uns mitversorgt werden. Auch der oberste Chef der Kleinbahn hat eine Futterstelle an seinem Bungalow angelegt und uns mit der Fütterung beauftragt. Dafür schickt er regelmäßig Nahrung“, berichtet der 72-Jährige.

Als die Freigänger dann aber von Tag zu Tag weniger und die ersten toten Tiere gefunden wurden, war Günter Zobel unwohl zumute. Und plötzlich lag auch einer seiner Stubentiger da. „Er erbrach quittegelb und schien sich unheimlich zu quälen.“ Ein schlimmer Verdacht kam bei den Katzenfreunden auf. „Wir haben sofort eins und eins zusammengezählt und gingen zunächst von einer Vergiftung aus.

Viele haben etwas gegen die umherlaufenden Katzen und sehen es nicht gern, wenn sich einige Bürger im Ort darum kümmern. Auch wird nichts gegen die unkontrollierte Vermehrung hier getan. Das zuständige Amt fühlt sich ganz und gar nicht zuständig. Wir haben schon mehrfach beim Ordnungsamt in Baabe angerufen und baten um Hilfe“, erzählt er weiter.

Das Paar, das in einem Gebäude direkt hinter den Bahnschienen lebt, vertraut seine Tiere schon lange dem Sassnitzer Veterinärmediziner Marco Nieburg an. Ihn riefen sie deshalb auch sofort, baten ihn schnell zu kommen.

Der mit seiner mobilen Tierarztpraxis auf Rügen bekannte Nieburg bestätigte den Verdacht zunächst, schickte aber das verstorbene Tier zur Untersuchung an das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock. Mit dem Ergebnis kann eine Vergiftung der Tiere aber ausgeschlossen werden. Vielmehr handelt es sich um Parvovirose, ein Kleinvirus, der auch als Katzenseuche bekannt ist.

„Die Symptome sind Erbrechen und wässriger Durchfall, woraufhin die Tiere dehydrieren und dann verenden. Die Göhrener Katzen hatten allerdings eine sehr aggressive Form des Virus erwischt, eine heftige Infektion. Ihnen blieb nicht einmal die Zeit, sich zu entleeren“, so der Tierarzt.

Oft gehe die Erkrankung auch mit anfänglich hohem Fieber einher, das dann rasant auf 36 Grad wieder fällt, die Tiere dann schnell sterben. Gut sieben Stunden währte diese Quälerei in Göhren. Die Seuche greife um sich, so Nieburg. Er wartet aktuell auf zwei weitere Befunde aus Rostock.

Doch die Katzen im Haus einzusperren sei keine Lösung. Der Virus kann nämlich auch über Schuhe und Kleidung des Menschen transportiert werden. Vielmehr müssen sie schnell geimpft werden. Dafür muss ein Direktimpfstoff verabreicht werden, der dann noch zwei Mal im Abstand von je vier bis sechs Wochen aufgefrischt wird.

„Mit der ersten Tour starte ich am Mittwoch in Göhren. Wer seine Katze impfen lassen möchte, kann sich bei uns auch kurzfristig in der Praxis melden oder einen Termin vereinbaren beziehungsweise einen anderen Tierarzt aufsuchen“, fordert Marco Nieburg die Katzenbesitzer der Region auf.

Dass sich am Campingplatz viele Katzen tummeln und sich daraus immer wieder Probleme ergeben, ist auch Bürgermeisterin Carola Koos nicht neu. „Das ist schon seit 40 Jahren so. Im Sommer werden die Katzen von den Urlaubern gefüttert.“ Dass sich weder Gemeinde noch Amt darum kümmere, weist das Gemeindeoberhaupt aber strikt zurück. „Wir veranlassen regelmäßig Kastrationen der Tiere“, so Koos, die gleichzeitig einräumt, dass es mehr sein müssten. Ins Tierheim könne man die Katzen aber nicht bringen. „Das sind frei lebende Tiere, die würden dort eingehen“, so Koos.

Aggressiver Virus
Die Panleukopenie ist eine häufig tödlich verlaufende, virusbedingte Katzenkrankheit. Sie wird auch als Katzenseuche, Katzenstaupe, infektiöse Enteritis der Katzen bezeichnet. Erreger ist ein Virus aus der Gattung Parvovirus (von lat. parvus — klein). Die Krankheit ist eng verwandt mit der Parvovirose des Hundes. Bei Menschen kann das verwandte, aber wesentlich weniger gefährliche Parvovirus B19 Erkrankungen auslösen.

Steffi Besch und Gerit Herold

Redaktion: 03 838/2 014 831

Leserservice: 01802/381 365 Anzeigenannahme: 01802/381 366

OZ

13.03.2013

Im Stadtmuseum auf dem Klosterhof wird der Staublappen geschwungen. Die umfangreiche Sammlung von Zeitzeugnissen der Stadtgeschichte Bergens wird zum 400. Jubiläum der Ortsgründung, das dieses Jahr gefeiert wird, poliert.

13.03.2013

40 Prozent aller Gästeankünfte und Übernachtungen werden in Putbus laut Tourismusmanagerin Birgit Lahann von Hotels, Pensionen und Privatvermietern bereits über das elektronische Meldeverfahren angemeldet und abgerechnet.

13.03.2013
Anzeige