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Schönheitskur für historisches Kleinod

Binz Schönheitskur für historisches Kleinod

Denkmalgeschützte Villa „Kohtz“ wird saniert und bekommt modernen Pavillon. Das Blockhaus soll im Juni eingeweiht und Heim für Binzer Familie werden.

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Bruchst�ck von einer Kachel eines Ofens, welche unter dem Fu�boden gefunden wurde.

Binz. Sie gehört zu den schönsten und ältesten Häusern in Binz: Die Villa Kohtz in der Putbuser Straße 11. Seit Monaten ist das denkmalgeschützte Haus Baustelle. Das Kleinod soll wieder in altem Glanz erstrahlen. Für Bautischler Uwe Sparfeld eine wahre Herausforderung. „Als ich im Herbst des letzten Jahres in das Blockhaus eintrat, dachte ich mir: Wo fang ich mit meinen fünf Mitarbeitern am Besten an. Das Haus war von Außen in einem optisch guten Zustand, aber als wir Innen den Fußboden und Wände für das zu fertigende Gutachten geöffnet hatten, sahen wir den wahren Zustand des Bauwerkes. Am Fachwerk waren große Schäden, die durch den Echten Schwamm und den Hausbockkäfer verursacht wurden ”, erinnert sich Uwe Sparfeld, der die Bauleitung übernommen hatte.

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Bruchst�ck von einer Kachel eines Ofens, welche unter dem Fu�boden gefunden wurde.

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Das Sanierungskonzept gestaltete sich schwierig. „Es galt von Anfang an, so viel wie möglich von der alten historischen Substanz am Haus zu erhalten. Die Arbeiten erfolgen in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde“, informiert Diplom-Ingenieur Matthias Ruhnke, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden aus Bergen. „Das Blockhaus ist es wert, erhalten zu werden, es ist einmalig auf der Insel. Es ist kein Wolgasthaus, von denen welche in den Ostseebädern Binz und Göhren stehen. Dieses Haus ist nach dem Aussehen ein Zwischending von einem russischen Märchenhaus und einem Schweizer Berghaus”, so Sachverständiger Ruhnke.

Bei den sogenannten Wolgasthäusern sind die Balken durchnummeriert, was hier fehlte. Auch beim Vergleichen der Häuser Villa Kohtz mit dem Wolgasthaus „Undine” an der Binzer Strandpromenade erkennt man die Unterschiede, besonders am Turm und der Balkenkonstruktion am Haus. Die Firma, die das Haus einst gebaut hat, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Etwa 30 Container Bauschutt — mit je einem Fassungsvermögen von sieben Kubikmetern — wurden zu Beginn der Bauarbeiten abtransportiert. Alte Lehmwände, Ostseesand aus dem Erdgeschoss, Kalkputz und altes Holz aus dem Haus mussten entsorgt werden, weiß Bauleiter Uwe Sparfeld. Es gab auch einen interessanten Fund unter dem Fußboden: Bruchstücke von Kacheln eines alten Ofens.

Danach wurden etwa 250 Bohlen von der Außenwand einzeln ausgebaut, behandelt und wieder eingebaut beziehungsweise erneuert. Das Haus wird energetisch saniert, das heißt im Haus wird eine Wärmedämmung aus historischem Rohstoff eingebracht. Insgesamt werden zwölf Tonnen des Wärmedämmungsmittels Cellco, bestehend aus Lehm und Kork, verarbeitet.

„Es ist eine interessante Arbeit, aber auch eine große Herausforderung für mich und meine Mitarbeitern. Ich habe 30 Jahre Berufserfahrung, aber so eine Arbeit habe ich noch nicht gehabt, das macht man nur einmal im Leben”, so Sparfeld, der die Leistung der Zimmerleute von einst lobt. Die haben seinerzeit keine Metallteile verarbeitet.

Die Sanierungsarbeiten gehen aber auch an körperlichen Grenzen, denn fünf Meter lange Balken, mit einem Gewicht von etwa 300 Kilogramm, werden durch schmale Gänge durch das Haus in das oberste Geschoss getragen und dort eingearbeitet. Das Holz des Fachwerkes besteht aus Märkischer Kiefer und die Schwellen aus Eichenholz.

Ende Mai/ Anfang Juni dieses Jahres soll die Einweihungsfeier stattfinden. „Dann möchte ich hier mit meiner Familie einziehen“, erzählt Eigentümer Jürgen Breuer, der das Haus im Frühjahr 2012 erworben hat. „Dieses Haus wurde vermutlich 1886 gebaut und wie ich von dem Greifswalder Architekten Axel Drebing erfuhr, ist das Haus nach dem Stil der damaligen Zeit gebaut und könnte ein Konkurrenzprodukt zu den Wolgasthäusern sein. Die Außenfassade des Blockhauses, welches gegenwärtig noch in einem schwarz-brauen Farbton ist, wird nach der Fertigstellung in einem Schwedenrot leuchten”, informierte der Binzer Bauherr.

Gegenwärtig wird auf dem Grundstück eine Baugrube für einen modernen Pavillon ausgehoben, der angebaut wird. „Es ist ein spannender Dialog zwischen dem denkmalgeschützten Haus und dem modernen Anbau“, so Breuer. Der Durchgang vom Haus zum Pavillon wird vollständig aus Glas errichtet. Im Obergeschoss werden eine Küche und ein Esszimmer und im Untergeschoss Kellerräume eingerichtet.

Stammvater der Fertighäuser
Wolgasthäuser mit ihrem nordisch-russischen Einschlag wurden ab 1890 von der „Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung“ produziert. Wolgasthäuser waren „zerlegbar“, wie es ein dreisprachiger Prospekt aus dem Jahr 1892 erklärt. Und so konnten die Häuser, in Einzelteile zerlegt, exportiert werden. Auf Rügen gibt es drei Vertreter dieser Bauart: Villa „Undine“ und Haus „Liliput“ in Binz sowie die Villa „Erika“ in Göhren.

Dieter Lindemann

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