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Tote Hose statt Nachtleben — Jungendbeirat soll es richten

Binz Tote Hose statt Nachtleben — Jungendbeirat soll es richten

200 Leute kamen zur Podiumsdiskussion über eine schwindende Lebensqualität für junge Leute in Binz. Offen bleibt, wie es um eine neue Diskothek im Ort steht.

Binz. Wieviel Binz gehört noch den Binzern? Was wird der einheimischen Jugend geboten? Um diese Fragen ist in Rügens touristischer Hochburg eine heiße Debatte entbrannt. Viele Binzer fühlen sich von der lokalen Politik vernachlässigt. Jetzt wollen sie einen Jugendbeirat gründen, um sich künftig bei der Entwicklung und Gestaltung ihres Ortes stärker einzumischen.

Nach dem Clubsterben und dem Tauziehen um die beliebten Strandbars in der Vergangenheit hatten die jüngsten Absagen der Casino Club Nacht und der Tanzveranstaltung in der Loev Bar wegen fehlender Genehmigungen das Fass zum Überlaufen gebracht. Auf der Internetplattform Facebook wurde auf der Seite „Gegen das Binzer Kultursterben 2.0“ eine Unterschriftenaktion gestartet. Eine Liste mit 662 Unterzeichnern wurde am Dienstag während einer öffentlichen Podiumsdiskussion zu dem Thema übergeben. Weit mehr als 200 junge Menschen, Unternehmer, Hoteliers und Gastronomen waren in das Haus des Gastes geströmt, um mit Vertretern aus Politik und Verwaltung zu debattieren und nach Lösungen zu suchen.

Dabei wurde deutlich, dass es nicht nur um die Ansprüche der jungen Binzer geht, sondern auch um die der Gäste im jungen Alter und die sogenannten Best Ager. „Binz wird immer stiller“, kritisierte Ulf Dohrmann, CDU-Vorstand und Mitglied im Betriebsausschuss Kurverwaltung, und forderte mehr Kulanz im Hinblick auf behördliche Zwänge und Beschwerden von Anliegern über Lärmbelästigung. Tote Hose statt Nachtleben sei derzeit im „Seebad von Welt“ angesagt, so der frustrierte Tenor im Publikum, in dem viele Beschäftigte aus der Tourismusbranche saßen. Gastronom Efstathios Navrosiadis sprach vielen Anwesenden aus dem Herzen: „Es kann nicht sein, dass Freiluftveranstaltungen im Sommer nur bis um 22 Uhr gehen. Wir sollten an den Schildern am Ortseingang ,Willkommen im Seniorenheim Binz‘

schreiben“, polterte der Grieche. Das Problem kennt auch Dennis Brosseit gut. Er ist Leiter der Jugendherberge Prora, die jährlich 25 000 Jugendliche zählt. „Potential, das verpufft“, so Brosseit, der sich ein viel stärkeres Zusammenwachsen von Binz und Prora wünscht, ebenso routierende Strandpartys. Er bietet zudem Räumlichkeiten für eine kurzfristige Alternativlösung für Tanzveranstaltungen an. Als Langzeitlösungen seien ein privates Gelände am Stadion sowie eine derzeit verpachtete Gemeindefläche hinter der Tankstelle im Gespräch, kündigte Bürgermeister Karsten Schneider an. Seit Dienstag habe er nun einen Nutzungsänderungsantrag von Arne Kurowski, Hotelchef im Loev-Hotel und Vermieter der Casino-Räumlichkeiten, auf dem Tisch, um künftig Tanzparties zu legalisieren.

Hotelier Moritz Lau-Engehausen findet die Forderungen an die Gemeinde zu überzogen: „Die ist kein Unternehmen und kann keine Discothek betreiben, dass müssen wir Unternehmer schon selbst tun.“ Zudem sei auch die fehlende Nachfrage am Clubsterben schuld. Auch Peter Weitkamp, Betreiber der Diskothek M3 in Prora, kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. „Sind wir in Prora Menschen zweiter Klasse?“, wetterte er. Das Thema Jugendbeirat wird die Gemeindevertreter auf ihrer heutigen Sitzung beschäftigen. Karsten Schneider begrüßte die Initiative, würde sie aber lieber als „Jugenderwachen1.0.“ betiteln.

Gerit Herold

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Binz
Über 200 Einwohner, darunter auch Unternehmer, Hoteliers und Gastronomen, aus Binz auf Rügen diskutierten am Dienstag mit Vertretern aus Politik und Verwaltung über das Kultursterben im Ort.

Die Einwohner von Binz auf Rügen wollen sich künftig bei der Entwicklung und Gestaltung ihres Ortes stärker einmischen.

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