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Rügen Phoenix-Boxer aus Stralsund setzen Schwerpunkt in der Nachwuchsarbeit
Vorpommern Rügen Phoenix-Boxer aus Stralsund setzen Schwerpunkt in der Nachwuchsarbeit
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23:04 19.03.2019
Lotte Mielke (rechts) im Trainingskampf gegen Fritz Neltner. Die 13-Jährige hat keine Angst davor, sich eine blutige Nase zu holen. Quelle: fotos (3): Niklas Kunkel
Stralsund

Mit nur 40 Kämpfern gehört der Boxverein Phoenix SV Stralsund zu den kleineren Sportvereinen in MV. Die Erfolge können sich aber sehen lassen. Dutzende Landesmeistertitel in allen Altersklassen, deutsche Meistertitel und Siege bei internationalen Veranstaltungen. Die Erfolgreichste aus den Phoenix-Reihen ist Dominique Suzette Görlich. Zwei Mal holte sie sich den Titel bei den deutschen Meisterschaften, nahm an Welt- und Europameisterschaften teil. An den Erfolgen lässt sich der Leistungsgedanke im Verein ablesen. „Wir wollen keinen Breitensport machen. Wir teilen den Kindern und Eltern gleich am Anfang mit, dass es um Wettkampfathletik geht. Wir machen Leistungssport“, erklärt der erste Vorsitzende Ronny Poge. Mit diesem Vorsatz ist er mit den 40 Kindern in den verschiedenen Trainingsgruppen auch sehr zufrieden. Und auch sein Sohn Johannes Poge, Trainer bei Phoenix, stimmt ihm zu: „Lieber mit etwas weniger Sportlern und dafür richtig trainieren.“

Strenge mit Herz

Knapp 20 von ihnen haben sich beim Trainingsbeginn in der Sporthalle an der Brunnenaue der Größe nach aufgestellt und warten auf die Ansagen von Trainer Ralf Grabow. Sein Wort ist in der Halle Gesetz: „Wer sich nicht an die Regeln hält, muss gehen. Da gibt es keine Ausnahmen. In der Halle sind wir alle nur Sportler. Es gibt keine Religion, Politik oder ähnliches. Nur so kann es funktionieren.“ Die Kinder ziehen mit und danken es ihm: Anlässlich seines Geburtstags stimmen die Kinder ein Ständchen an, danach wird der Hüne Grabow von einigen seiner kleinsten Schützlinge umarmt.

Keine Ausnahmen für Erfolgssportler

Dass es keine Ausnahmen gibt, musste auch der 16-jährige Areg Martirosyan lernen. Mit zwei Vizetiteln bei deutschen Meisterschaften, mehreren Landesmeistertiteln und dem Sieg bei der „Olympischen Hoffnung des Nordens“ ist er einer der erfolgreichsten Nachwuchsboxer der Stralsunder. Trotzdem wurde er nach Fehlverhalten für ein Jahr suspendiert. „Das war genau richtig. Ich habe seitdem mehr Respekt gegenüber Älteren und bin reifer geworden“, sieht der Schüler der Gerhart-Hauptmann-Schule seine Fehler ein. Mit sechs Jahren nahm sein Vater ihn erstmals mit in die Boxhalle und er war sofort Feuer und Flamme für den Sport. Nach seinem Abschluss plant er eine kaufmännische Lehre zu machen, daneben hat er aber andere Ziele: „Ich will in Deutschland in meiner Klasse auf Platz 1 und vielleicht kann ich ja sogar Profi werden, wenn es klappt.“ Neben seiner neuen Disziplin verdankt Martirosyan dem Boxen noch etwas: „Ich habe ganz viele Länder in Europa gesehen. Die Möglichkeit hätte ich sonst wohl nicht gehabt.“

Zwei Jahre Vorbereitung auf den Ring

Mit sechs Jahren war Martirosyan sehr jung bei seinen ersten Versuchen in der Boxhalle. „Nach einem Probetraining nehmen wir Kinder ab acht Jahren auf. Mit zehn dürfen sie bei Wettkämpfen in den Ring steigen. Dann haben wir zwei Jahre, um sie darauf richtig vorzubereiten“, erklärt Ronny Poge das Prozedere für die jüngsten Anfänger. Mit dabei sind auch einige Mädchen, die sich zwischen den Jungs im Training behaupten wollen. „Seit Frauenboxen olympisch ist, wird es gefördert und die Mädchen haben die Chance darüber an die Sportschule zu wechseln. Bei uns sind mal mehr und mal weniger Mädchen in den Gruppen dabei – das wechselt regelmäßig“, sagt Poge.

Die Boxer geben beim Training in der Brunnenaue alles – der Platz ist begrenzt.

Keine Angst vor der blutigenNase

Eines der Mädchen ist Lotte Mielke. In ihrem Sparringskampf gegen Fritz Neltner hat sie sich eine blutige Nase geholt. „Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, aber das erste Mal war es wirklich schlimm“, erinnert sich die 13-Jährige. Sie hat über eine Annonce zum Training bei den Boxern gefunden: „Meine Eltern haben die Anzeige gesehen und sind mit mir zum Probetraining gegangen. Ich war sofort begeistert und bin es noch.“ Kommentare darüber, dass sie als Mädchen boxt, muss sie sich nicht mehr anhören. Stattdessen wird sie unterstützt. „Meine Klassenkameraden finden es gut, wenn ich bei Wettkämpfen mitmache und interessieren sich dafür“, erzählt Mielke, die wie viele ihrer Trainingskollegen davon träumt, später einmal ins Profilager zu wechseln.

Beengte Trainingsbedingungen

Der Ehrgeiz der Kinder auf dem Weg in den großen Sport ist gegeben. Die Bedingungen in der Sporthalle an der Brunnenaue lassen bei den drei Trainern und zwei Übungsleitern im Verein hingegen einige Wünsche offen. „Wir brauchen mehr Räumlichkeiten für die Lagerung unserer Sachen. Mit unserem Wettkampfring und allen anderen Sachen für die Veranstaltungen arbeiten wir hier auf engstem Raum“, bemängelt Poge. Seit einiger Zeit dürfen sie immerhin ihren Trainingsring dauerhaft in der Halle stehen lassen. Die Wände sind neben Plakaten von internationalen Veranstaltungen mit Sandsäcken und anderen Trainingsutensilien vollgehängt. „Um noch besser zu trainieren, bräuchten wir eigentlich auch mehr Platz in der Halle, damit jedes Kind einzeln arbeiten kann“, zeigt sich Trainer Ralf Grabow auch mit den Trainingsmöglichkeiten wenig zufrieden.

Fünf Jahre das Heft in der eigenen Hand

An den städtischen Trainingsmöglichkeiten können die Boxer wenig ändern, ansonsten hat der Phoenix SV seit dem Jahr 2014 sein Schicksal in der eigenen Hand. Vor fünf Jahren gründeten sich die Faustkämpfer aus dem Pommerschen Sportverein Stralsund aus. Die Wahl des Namens fiel dabei eher pragmatisch aus. „Wir wollten PSV beibehalten, damit wir nicht alle Sachen neu drucken lassen müssen. Phoenix war bei der Umbenennung vom Polizeisportverein in den Pommerschen schon einmal ein Thema. Damals hat er in der Abstimmung knapp verloren – dann haben wir ihn genommen“, erzählt der Vorsitzende von den Anfängen als Eigenständiger Verein.

Poge steht seit der Gründung an der Spitze des PSV, stand aber selber nie im Ring. Über seinen Sohn Johannes fand er zur Sportart und fand schnell Interesse und Begeisterung dafür. Neben ihm haben auch andere im Verein keine eigene Boxerfahrung. „Wir haben von Anfang an unsere Frauen mit ins Boot geholt. Sie sind uns eine große Stütze. Dadurch haben wir das Team für unsere Veranstaltungen“, freut sich Poge über die Mitarbeit aller Familienmitglieder.

Große Veranstaltungen

Seit sechs Jahren ist der Verein Ausrichter der deutschen Nachwuchsmeisterschaften. Dafür blicken die Boxer über die eigene Stadt hinaus und sind Gastgeber auf der Insel Rügen. Nach drei Jahren in Göhren finden die Titelkämpfe in diesem Jahr (10.-13. April) das dritte Mal im Blauen Wunder in Binz statt. Zwei Wochen später findet der 50. Ostseepokal der Kadetten in Stralsund statt. „Das ist das traditionsreichste Boxturnier in Deutschland, vielleicht sogar in Europa“, erzählt Poge stolz. Mit dabei sind wieder Nachwuchsboxer vom PSV, die der erfolgreichen Geschichte des Vereins ein weiteres Kapitel hinzufügen wollen.

Niklas Kunkel

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