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Rügen Als Zivilist künftig Fachkräfte sichern
Vorpommern Rügen Als Zivilist künftig Fachkräfte sichern
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00:00 27.03.2014
Einer der Höhepunkte als Kommandeur an der MTS war für Kapitän zur See Bernd-Peter Rahner das Jubiläum 100 Jahre Technische Marineschulen, zu der der Chef der Schule im Mai vergangenen Jahres auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Phillip D. Murphy, Botschafter der Vereinigten Staaten (vorn, v.r.), begrüßen konnte. Quelle: Christian Rödel

Parow — Führungswechsel an Deutschlands modernster Marinetechnikschule (MTS). Nach über vier Jahren Dienst in Parow übergibt Kapitän zur See Bernd-Peter Rahner heute das Kommando an Kapitän zur See Michael Möding.

OSTSEE-ZEITUNG: Kurz nach Aufnahme ihres Dienstes an der MTS im Oktober 2009 haben Sie von einer Traumverwendung für jeden Marineoffizier gesprochen. War‘s das im Rückblick tatsächlich?

Bernd-Peter Rahner: Es ist genau so gekommen, wie ich mir das damals vorgestellt habe, vielleicht sogar noch etwas erfüllender. Was diesen Dienstposten auszeichnet, ist eine große Gestaltungsfreiheit, denn die nächsten Vorgesetzten sind weit weg (lacht).

Doch im Ernst. Ich habe in der Region in diesen viereinhalb Jahren viel gute und tragfähige Kontakte geknüpft. So etwa den Patenschaftsvertrag mit der Hansestadt Stralsund, der eine gute Grundlage für die weitere Einbindung der MTS in ihr Umfeld garantiert. Hinzu kamen solche Höhepunkte wie 20 Jahre Marinetechnikschule oder 100 Jahre Technische Marineschulen, wozu wir sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßen konnten. Phillip D. Murphy, Botschafter der Vereinigten Staaten, hielt an diesen Tag die Gelöbnisrede zur Vereidigung. Das alles sind Erlebnisse, die ich nicht vergessen werde.

OZ: Mit Stralsund vor der Haustür liegt die MTS an einem historisch gewachsenen Marinestandort. Zuletzt war die Volksmarine der DDR auf Schwedenschanze, Dänholm sowie in Parow zu Hause. Wie sind Sie mit den Traditionen, wie sie hier gepflegt werden, zurecht gekommen?

Rahner: Ich habe mir das sehr bewusst angeschaut, als ich hierherkam, weil es mich interessierte, wie das hier gehandhabt wird. Jedoch wollte ich keinen NVA-Huldigungsverein unterstützen. Den habe ich aber schließlich auch nicht vorgefunden. Im Gegenteil: In der Marineoffiziermesse Stralsund/Dänholm unter dem Vorsitzenden Dr. Peter Adamitza habe ich aufgeschlossene Ehemalige gefunden, die ihre Zeit bei der Volksmarine als einen Entwicklungsabschnitt in der Geschichte deutscher Marinen sehen. Hier bin ich übrigens heute ebenso Vereinsmitglied, wie im Marinemuseum auf dem Dänholm.

OZ: Sie haben die MTS in einer Zeit geführt, in der die Bundeswehr grundlegend reformiert wird. Was hat sich hier verändert?

Rahner: Am Anfang geisterten auch für den Standort Kramerhof viele Zahlenspiele durch die Öffentlichkeit. Das hat sich schnell relativiert. Letztlich fasste die Reform nur zusammen, was langfristig zu Entscheidung anstand. Unter anderem fast 300 zu reduzierende Dienstposten, von denen vor allem unsere Nachbarn, das Bundeswehrdienstleistungs- und das Sanitätszentrum, betroffen waren.

Heute lässt sich für die Marineschule sogar die Prognose wagen, dass die Schule im Zuge der Neuverteilung von Aufgaben in der Deutschen Marine wieder etwas aufwächst. Die Aussetzung der Wehrpflicht, hat uns vor deutlich größere Herausforderungen gestellt. Im ersten Quartal 2011 traten hier noch 229 Frauen und Männer ihren Dienst an. Mit der Freiwilligkeit kamen drei Monate später 159 und im dritten Quartal nur noch 93 Rekruten an den Sund. Die Marine verstand es aber, durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit die Situation deutlich zu verbessern. Zählten wir 2012 880 Rekruten, waren es 2013 1020 und ich schätze mal in diesem Jahr werden an der Schule 1200 Frauen und Männer vereidigt.

OZ: Die Marinetechnikschule ist größter Ausbilder in Vorpommern. Sie waren stets ein Verfechter dafür, die Potenziale der Schule für die Region und das Bundesland zu erschließen. Wie weit sind diese Bemühungen gediehen?

Rahner: Es ging mir darum, Informationsdefizite zu beseitigen. In der regionalen Wirtschaft weiß man oft nicht, was wir hier für hervorragende Fachleute ausbilden. Umgekehrt wissen die Soldaten nach dem Ende ihrer Dienstzeit oft nicht, was es in MV für Unternehmen gibt, die Fachkräfte suchen.

Dazu müssen vor allem drei Schwerpunkte sicher gestellt werden. Wir brauchen erstens eine Willkommenskultur, die gewährleistet, dass die Frauen und Männer, die hier ihren Dienst versehen, sich in der Region wohl fühlen, denn sie stammen zu 90 Prozent nicht aus Mecklenburg-Vorpommern. Es muss zweitens gelingen, die Soldaten über ihre Dienstzeit hinweg, die ja nach der Ausbildung in Parow auch in anderen Bundesländern erfolgt, weiter an MV interessiert und auf dem neuesten Stand zu halten. Und drittens brauchen wir zum Ende der Dienstzeit gezielte Maßnahmen, zum Beispiel Berufs-Praktika oder Betriebsbesichtigungen, um die Chancen auf eine beruflichen Einstieg in ein hiesiges Unternehmen herzustellen. Das wird meine neue Aufgabe im Zivilleben sein.

OZ: Bleiben wir bei Ihren Plänen für die Zukunft. Wie sehen sie aus?

Rahner: Ich habe einen Vertrag mit dem Wirtschaftsministerium des Landes geschlossen, demzufolge ich künftig als Koordinator Fach- und Führungskräftesicherung aus der Bundeswehr heraus für Mecklenburg-Vorpommern tätig sein werde. Dafür habe ich die ersten Gesprächstermine im Kalender. Die Aufgabe ist äußerst vielfältig. Da gilt es nicht nur, die so genannten Multiplikatoren aus Politik, Marine und Wirtschaft zusammenzubringen. Dazu gehört auch der Aufbau einer entsprechenden Internetpräsenz, Vorträge halten usw.

Ich werde ein Standbein in Stralsund behalten, freue mich aber auch, mehr Zeit für mein zu Hause in Schortens bei Jever zu haben. Vielleicht auch für meine Hobbys. Für den 13. September habe ich schon den 3. Stralsunder Behörden-Golf-Cup im Kalender, dessen Ausrichter ich bin. Ich habe Sund- und Vilm-Schwimmen ebenso im Blick wie den Zingster Deichlauf.



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