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Anerkannte Flüchtlinge blockieren die Heimplätze

Anerkannte Flüchtlinge blockieren die Heimplätze

Stralsund/Bergen In der Flüchtlingskrise stehen die Behörden im Landkreis Vorpommern-Rügen vor der nächsten Herausforderung.

Stralsund/Bergen In der Flüchtlingskrise stehen die Behörden im Landkreis Vorpommern-Rügen vor der nächsten Herausforderung. In den Asylunterkünften der Region leben derzeit mehr als 1200 Menschen, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben und eigentlich ihren Platz für Neuankömmlinge räumen müssten. Doch weil die Suche nach einer eigenen Wohnung oft aus vielerlei Gründen scheitert, entsteht derzeit ein gewaltiger Rückstau. Die Behörden müssen daher immer neue Asylunterkünfte finden, um genügend Platz zu schaffen. Dabei werden die Ressourcen eigentlich an anderer Stelle gebraucht: Geflüchtete mit Aufenthaltstitel müssen integriert werden. Die Menschen brauchen Wohnungen, Sprachkurse, Arbeit. „Da rollen gewaltige Aufgaben auf uns zu“, sagt Peter Hüfken, Leiter des Jobcenters im Kreis.

 

OZ-Bild

Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung mussten Ende des vergangenen Monats in eine Notunterkunft in Tribsees, da sie sich nicht um eine eigene Wohnung gekümmert hatten. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil die Männer sich zunächst geweigert hatten, die Industriehalle zu beziehen.

Quelle: Gerald Kleine Wördemann

Warum leben viele Flüchtlinge noch in Asylheimen, obwohl ihr Asylantrag genehmigt wurde?

Die Bearbeitung von Asylanträgen hat Fahrt aufgenommen, sagt Kreissprecher Olaf Manzke. Das führe dazu, dass mehr Menschen sich um eine eigene Wohnung kümmern müssen. Die Motivation dazu ist jedoch oftmals gering. Zahlen des kommunalen Jobcenters zeigen, dass die Mehrheit der dort gemeldeten Flüchtlinge alleine in Deutschland ist. Wer seine Familie nachholen will, hat jedoch kein Interesse an einer Ein-Raum-Wohnung. „Vielen ist gar nicht klar, dass der Familiennachzug kompliziert ist und sich das Verfahren Jahre hinziehen kann“, sagt Peter Hüfken. Hinzu komme die Angst, in Deutschland einen Mietvertrag zu unterschreiben. Andere wollen gar nicht in MV bleiben, sondern zu Verwandtschaft ziehen. Und auch das gehört zur Wahrheit: Einige sind mit den angebotenen Wohnungen nicht zufrieden.

Wird Flüchtlingen bei der Wohnungssuche geholfen?

Zwar sind Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel für sich selbst verantwortlich, sie werden jedoch von den Behörden unterstützt. Mitarbeiter des Jobcenters gehen aktiv in die Unterkünfte, um über Sozialleistungen wie Hartz IV und Übernahme der Wohnkosten zu informieren. Die Antragsformulare dafür wurden vereinfacht und in verschiedene Sprachen übersetzt. Es gibt zudem die Möglichkeit, den Leuten einen Begleiter an die Seite zu stellen, der bei Behördengängen, Wohnungssuche und im Alltag hilft. Den Flüchtlingen werden auch konkrete Wohnungsangebote gemacht. „Es gibt in unserer Region genug freien Wohnraum, gerade auf dem Land“, sagt Peter Hüfken.

Können Flüchtlinge aus Asylheimen rausgeschmissen werden?

Grundsätzlich gilt in den Asylunterkünften zwar das Hausrecht, der Landkreis will die Menschen jedoch nicht in die Obdachlosigkeit schicken. „Die Leute wissen doch gar nicht, wo sie hinsollen“ sagt Kati Bischoff, Migrationsbeauftragte des Landkreises. Stattdessen fahre man die Strategie, sie zu beraten und den Druck schrittweise zu erhöhen. Wer sich nicht langfristig an einen Mietvertrag binden will, kann als Übergangslösung in eine Wohngemeinschaft mit anderen Flüchtlingen ziehen. Modellprojekte gibt es bereits in Barth und Stralsund.

Welche Ansprüche auf Sozialleistungen haben Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel?

Genau die gleichen wie Bundesbürger, die in Deutschland geboren wurden. „Keinen Cent mehr und keinen Cent weniger“, sagt Peter Hüfken vom Jobcenter. Sie bekommen den Regelsatz Hartz IV, Kostenübernahme von Miete und Heizung sowie Unterstützung bei der Erstausstattung. Miete und Heizung für 1000 Flüchtlinge kosten laut Jobcenter rund zwei Millionen Euro pro Jahr.

Kommt es nun zu verschärfter Konkurrenz, wenn Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt drängen?

Jobcenter-Chef Peter Hüfken sieht diese Gefahr nicht. „Wir haben seit Jahren Probleme, offene Stellen in Gastronomie und Handwerk zu besetzen“, sagt er. Das sind auch die Branchen, die Interesse an den Neuankömmlingen als Arbeitskräfte bekundet haben. Hier seien die Flüchtlinge eine große Chance, meint Hüfken. Er will die Geflüchteten aber nicht zu Billig-Arbeitern machen. Stattdessen sollen sie in duale Ausbildungen gebracht werden. So könnten sie qualifiziert werden und gleichzeitig Geld verdienen, um ihre Familie zu versorgen.

Von Alexander Müller

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