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Binzer Forum: Betten, Turm und Königreich

Binz Binzer Forum: Betten, Turm und Königreich

Touristiker, Politiker und Investoren debattieren über die Zukunft von Prora: Wieviel „Schlafgelegenheiten“ verträgt der Standort? Macht das Breuer-Hochhaus Sinn?

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Rügens Direktkandidaten reden über die Zukunft der Insel auf dem Binzer Forum zum Thema „Prora“.

Quelle: Jens-Uwe Berndt

Binz. Prora steht für die Zukunft Rügens. – So könnte umrissen werden, was als Ergebnis beim Forum der Interessengemeinschaft Binzer Wirtschaft am Mittwochabend im Arkona-Strandhotel herauskam. Dabei gerieten die Rügener Direktkandidaten zur Landtagswahl, die nach der Podiumsdiskussion des Rügener Wirtschaftsvereins in Bergen (die OZ berichtete) nun zum zweiten Mal die Gelegenheit erhielten, sich vor Publikum zu präsentieren, beinahe ein wenig in den Hintergrund.

Denn geredet wurde vor allem über die geplante Bettenkapazität in Prora und den hier von Investor Jürgen Breuer geplanten Wohnturm. Und bei beiden Themen fiel der Begriff „Zukunft“ recht häufig. Wie der Binzer Bauausschussvorsitzende Norbert Schulz betonte, entstünde in Prora „eine eigene kleine Stadt“. Es ginge hier mit dem einst von den Nazis geplanten KdF-Bau um ein fast fünf Kilometer langes Planungsgebiet mit unzähligen Ferien- und Mietwohnungen, mit Geschäften, Freizeiteinrichtungen, Straßen und Parkflächen. „Dieses in Deutschland einmalige Projekt ist kein Gespenst, sondern eine Chance für Binz“, sagte Schulz. Außerdem habe die Gemeinde entgegen zahlreicher anderslautender Behauptungen die Entwicklung des Standorts im Blick. „Wir wurden von Prora nicht überrollt, denn es ist noch nicht einmal einer der fünf Blocks fertig“, sagte er.

In einen großen Widerspruch geriet der Ausschussvorsitzende mit dem Binzer Kurdirektor Kai Gardeja, der kürzlich gegenüber Medien angeblich geäußert haben soll, dass in Prora 17000 neue Betten entstehen könnten. Schulz meinte hingegen, dass die Bauleitplanung lediglich 3500 vorsehe. Mittwochabend ruderte Gardeja allerdings stark zurück. Die Zahl 17000 umging der Touristiker und sprach nur noch von 15000. Auch habe er den Medienvertretern gegenüber angeblich nie von Betten, sondern „Schlafgelegenheiten“ gesprochen. Eine Aufklärung über das Zahlendurcheinander und den Unterschied zwischen Betten und Schlafgelegenheiten erfolgte auf dem Treffen im Strandhotel nicht.

Stattdessen sah auch Gardeja das Prora-Projekt als Fanal für die Insel. Er sei sich sicher, dass „die Neuinvestitionen an diesem Standort zu einer Marktbereinigung führen und Qualität sich durchsetzen wird. Bestehende touristische Betriebe werden mitinvestieren müssen, denn an modernen Übernachtungs- und Hotelkonzepten fehlt es auf Rügen immer noch“.

Jürgen Breuer erhielt einmal mehr Gelegenheit, seinen umstrittenen Wohnturm – 27 Etagen, 104 Meter hoch – vorstellen zu können. Das vertikale Hochhaus sei ein bewusster Gegenentwurf zum horizontalen „Koloss von Prora“. Während er das Grundstück als drittklassig einstufe, sehe er in der Realisierung seiner Idee eine Wertschöpfung, die er der Gemeinde mit 3,5 Millionen Euro vergüten will, obwohl er im Höchstfall nur 850000 Euro für die Fläche bezahlen müsste. Dabei betonte Breuer, dass es nicht seine Art sei, ein Grundstück für einen Schnäppchenpreis zu erwerben, wenn am Ende viel mehr Geld damit zu verdienen sei. Schließlich wies er darauf hin, dass er sich dem Votum der Binzer am 4. September beugen werde, die in einer Volksbefragung über den Wohnturm abstimmen werden. „Wenn ,No’, dann ,No’“, sagte Breuer. „Eine Alternative zum Turm gibt es von mir nicht.“

Die Direktkandidaten stellten sich in der dritten Themenrunde der Veranstaltung vor und bekamen Gelegenheit, in ein paar Sätzen zu begründen, warum sie für Rügen die richtige Wahl seien. So unterschiedlich die Bewerber, so verschieden ihre Statements. Sebastian van Schie (Grüne) sah sich als Ideengeber; Burkhard Lenz (CDU): „Ich kenne Rügen wie meine Westentasche“; Sven Heise (FDP) sieht viele Orte auf der Insel im „Schlafmodus“ verharren; Wolfgang Weiß (Linke) betonte seine Sicht der Dinge als Geograph; Kathrin Stein (Einzel) will im Landtag für Sassnitz kämpfen; Jochen Kwast (Grüne) sieht zu viel Tourismus; Bernhard Wildt (AfD) möchte künftig den Bürger mehr Entscheidungen treffen lassen; Holger Kliewe (CDU) warb für sich als Querdenker und Ingulf Donig (SPD) entpuppte sich als „Royalist“. „Rügen ist ein Königreich für sich“, sagte er. „Und deshalb sollte die Insel einen König haben. Trotz vieler Fürsten.“ Ob das ein auflockernder Scherz gewesen sein sollte, ließ er offen. Jens Kühnel (AFD), Uwe Ahlers (Einzel), Thomas Gens (Achtsame Demokraten), André Brie (Linke), Norbert Benedict (SPD) und Dominic Dieth (FDP) fehlten.

Moderator und OZ-Verlagsleiter Thomas Wuitschik wurde am Ende eine unterhaltsame Gesprächsführung attestiert.

Der Wohnturm

27 Etagen soll der Wohnturm in Prora bekommen. In den ersten vier Etagen plant Investor Jürgen Breuer „innen“ Parkflächen und „außen“

Gewerberäume.

40 Mietwohnungen sollen in den Etagen fünf bis neun entstehen. Außerdem soll hier ein öffentliches Schwimmbad integriert werden, dass 10x25 Meter groß sein wird. Auf dem Dach ist eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform geplant.

Für die Etagen 10 bis 27 wünscht sich Breuer Nutzungsfreiheit.

Jens-Uwe Berndt

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