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Das Land hatte Stralsund nicht auf der Karte

Stralsund Das Land hatte Stralsund nicht auf der Karte

Auf ihrem Internetportal bildete die Regierung in Schwerin alle wichtigen Zentren ab – nur Vorpommerns Metropolen fehlten bis gestern / Inzwischen ist der Fehler korrigiert

Stralsund. Die Landesregierung hat Stralsund und Greifswald offenbar nicht im Blick. Dies ließ sich zumindest aus einer Landkarte schließen, die bis gestern im von der Staatskanzlei verantworteten Regierungsportal im Internet zu finden war. Auf der Karte dokumentierte das Land die zentralen Orte mit besonderer Bedeutung. Außer den Oberzentren Schwerin, Rostock und Neubrandenburg waren die 17 Mittelzentren eingezeichnet. Greifswald und Stralsund als gemeinsames und einziges Oberzentrum in Vorpommern fehlten.

Durch eine Anfrage aufmerksam geworden, nahm die Staatskanzlei die Karte gestern aus dem Netz. Regierungssprecher Andreas Timm bedauerte das Versehen. Vermutlich sei die Karte bereits 2014 hochgeladen worden. An einen Irrtum glaubt auch Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU): „Ich gehe davon aus, dass es sich hier um einen redaktionellen Fehler handelt.“

Dennoch befeuerte die fehlerhafte Internetseite die Diskussion um den strukturschwachen Osten. „Dass die Region Vorpommern in der Staatskanzlei nur wenig Beachtung findet, ist eine Beobachtung, die ich mit vielen Menschen teile“, kritisierte der Greifswalder Landtagsabgeordnete Egbert Liskow (CDU). Dirk Löschner, Intendant des Theaters Vorpommern, hat den Eindruck gewonnen, dass die östliche Region auch in kultureller Hinsicht von so manchem Schweriner Regierungsbeamten unterschätzt wird.

Rolf Kammann, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern, glaubt allerdings, dass das Oberzentrum Greifswald-Stralsund in den Köpfen der Landesregenten einen festen Platz hat. „Wir sind auch selbstbewusst genug, das einzufordern“, sagte er.

Nach Einschätzung des Greifswalder Professors für Wirtschaftsgeografie, Helmut Klüter, haben die früheren kreisfreien Städte Greifswald und Stralsund nach der Kreisgebietsreform ihre überregional wahrgenommene Leuchtturm-Funktion eingebüßt. Positive Effekte wie das aktuelle Bevölkerungswachstum oder auch die Pendler-Zahlen für Greifswald und Stralsund tauchten in den entsprechenden Statistiken nicht mehr auf.

Unabhängig davon ist drei Monate vor der Landtagswahl ein Wettbewerb um die Unterstützung des Ostteils entbrannt. Die Linke wirft der SPD/CDU-Regierung vor, den Osten vernachlässigt zu haben. Sie will 50 Millionen Euro für benachteiligte Regionen springen lassen. Die CDU plant nach der Wahl einen zusätzlichen Staatssekretär in der Staatskanzlei, der sich um den östlichen Landesteil kümmern soll.

Martina Rathke

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