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Einkaufswüste Breege: Einziger Supermarkt schließt seine Pforten

Breege Einkaufswüste Breege: Einziger Supermarkt schließt seine Pforten

68 Jahre lang konnten die Insulaner an der Dorfstraße ihre Lebensmittel besorgen. Nun fehlt ein Nachfolger, der das Geschäft übernimmt.

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Helga Plambeck sitzt morgen zum letzten Mal an der Kasse.

Breege. Die Auslagen sind nur noch spärlich gefüllt, die Wurst- und Käsetheke ist verwaist, an der Kasse kassiert Geschäftsführerin Helga Plambeck eine der wenigen Kundinnen ab, die noch gekommen sind — am Freitag schließt der Einkaufsmarkt in Breege nach 68 Jahren seine Pforten.

„Ich finde das sehr schade, wenn wir im Urlaub waren, haben wir fast immer hier eingekauft. Demnächst werden wir weiter fahren müssen“, sagt Karola Kutsch, die aus der Nähe von Hannover kommt. „Viele Urlauber kennt man schon, weil sie seit vielen Jahren kommen. Um die Menschen ist es wirklich schade, aber da müssen wir nun durch“, sagt Plambeck, die den Laden aus gesundheitlichen Gründen aufgibt.

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Schwelgen in Erinnerungen: Ernst und Ingrid Feldt zeigen Fotos vom Umbau des Ladens, unter anderem eine Ansicht um 1900.

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Weil Ernst Feldt, dem Haus und Grund gehören, bisher noch niemanden gefunden hat, der den Laden weiterführt, wird es in Breege künftig wohl keinen Supermarkt mehr geben. „Es gab einige Interessenten, ein Termin steht noch aus, aber häufig ist das Startkapital das Problem“, sagt der 74-Jährige, der die Sache inzwischen seinem Makler übergeben habe. Sollte sich niemand finden, will Feldt den Laden, über dem sich vier Mietwohnungen befinden, und den Anbau verpachten — allerdings nur schweren Herzens. „Wir waren immer der Meinung, es gehört ein Laden ins Dorf“, sagt Feldt. Besonders ältere Menschen ohne Auto seien darauf angewiesen. Das Aus kennzeichne für ihn den Beginn des Dorfsterbens.

Auch Helga Plambeck geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Seit 20 Jahren ist sie Pächterin, davor hat sie zehn Jahre als Angestellte in dem kleinen Laden gearbeitet: „Manche Kunden kamen einfach nur, um zu schnattern.“ Durch den Konkurrenzdruck großer Supermarktketten in Glowe und Altenkirchen sei das Geschäft jedoch nicht immer leicht gewesen. „Das ist genau das, woran die Kleinen zu knabbern haben“, sagt die 64-Jährige.

Auch für Ernst Feldt endet nun eine Ära. Bereits Anfang der 50er Jahre hatte sein Vater den Laden in Breege übernommen, der seit 1945 existiert. „Er hatte ein gutes Händchen für den Einkauf und hat alles im großen Keller unter dem Haus eingelagert“, erinnert sich Feldt, der damals gemeinsam mit Eltern und Bruder in der Dienstwohnung lebte. „Wenn ein Lastzug Bier kam, der die Waren verteilen sollte, hat mein Vater ihn komplett abladen lassen und die Fahrer hatten Zeit, sich an die Schaabe zu legen“, sagt der 74-Jährige mit einem Lächeln.

Rund eine Million Mark habe sein Vater in den 60er Jahren umgesetzt. „Da war immer wüst was los im Sommer“, bestätigt auch Ehefrau Ingrid. Weil es sonst nichts gegeben habe, seien die Kunden besonders hinter Bier, Gemüse und Konserven hergewesen. „Man konnte bei ihm auch abends noch einkaufen. Wenn die Fischer eine Flasche Schnaps wollten, wurde einfach an die Tür geklopft, manchmal sind sie dann unten im Keller versackt“, sagt Feldt.

Nachdem sein Vater den Laden bis zum Ende der 60er Jahre führte, habe ihn eine ehemalige Angestellte übernommen. Nach einem weiteren Wechsel kaufte Feldt im Jahre 1994 Haus und Grundstück, ließ das Gebäude bis auf die vordere Wand abreißen und neu bauen und sanierte den Anbau. Noch wollen die Eheleute Feldt die Hoffnung nicht aufgeben: „Wir bemühen uns krampfhaft, jemanden zu finden“, sagt Ingrid Feldt. „Vielleicht klappt es ja doch noch.“

Laden mit Geschichte
1945 öffnete der Einkaufsmarkt in Breege erstmals seine Türen — damals noch als „Konsum“. Später wurde er von der Kette „Edeka“

übernommen.

1994 kaufte Ernst Feldt den Laden auf, ein Jahr später ließ er einen Teil abreißen und neu bauen und renovierte den Anbau.

 

 

Stefanie Büssing

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