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Rügen „Grüner Wedding“ macht Front
Vorpommern Rügen „Grüner Wedding“ macht Front
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00:05 12.10.2017
Manuela Maaß (Mi.) und ihre Mitstreiter übergaben im Vorfeld der Stadtvertretersitzung ihre Unterschriftensammlung. Quelle: Foto: Christine Zillmer

Eine der lebhaftesten Einwohnerfragestunden der vergangenen Jahre wollen regelmäßige Besucher der Sitzungen der Sassnitzer Stadtvertretung am Dienstag erlebt haben. Grund dafür waren auch die Pläne der Stadt und der städtischen Wohnungsgesellschaft (Wogesa) für die „Wohnumfeldverbesserung Wissower Straße“. Bereits vor der Sitzung hatte eine Abordnung der etwa 20 von dem Vorhaben betroffenen Laubenpieper einen mit 1002 Unterschriften versehenen Offenen Brief an Stadtpräsident Norbert Thomas (CDU) übergeben. Darin plädieren die Unterzeichner für den Erhalt der zwischen Wohnblöcken und Nationalpark gelegenen Gärten.

Stadtverwaltung und Wogesa hatten gemeinsam Pläne erarbeitet, die das Parlament mit einem positiven Votum zur Kenntnis genommen hatte. Danach sollen in der Siedlung am Rand des Nationalparks neben Grünanlagen und Verweileinrichtungen auch Parkplätze entstehen (die OZ berichtete). Die Stadt hatte den Gartenbesitzern daraufhin die Kündigungen ihrer Pachtverträge zugestellt. „Wir haben die Kündigungen lediglich fristwahrend vorgenommen“, erklärt Bürgermeister Frank Kracht. „In der Sache stehen wir aber noch ganz am Anfang.“ Wenn die Pläne umgesetzt würden, „würde es das Für- und Miteinander und den Zusammenhalt in unserem Wohngebiet in dieser Form nicht mehr geben“, kritisiert Manuela Maaß, Sprecherin der Initiative „Grüner Wedding“. Norbert Thomas macht zumindest ein Kommunikationsproblem aus. „Was mich bewegt, ist, dass mit den Planungen begonnen wurde, ohne dass mit den Anwohnern gesprochen worden ist“, sagt der Stadtpräsident. Auch Christine Zillmer (CDU) kann nicht nachvollziehen, „dass der Dialog so ins Stocken geraten ist und die Fronten sich derart verhärteten“. Die von ihr mitgetragene Entscheidung des Stadtparlaments würde sie heute anders auslegen.

„Die Gärten am Wedding sind Dreh- und Angelpunkt auch für Menschen, die sich vielfach nicht jedes Jahr einen Urlaub leisten können und damit ein Einschnitt in deren Lebensqualität.“

Manuela Maaß vermutet materielle Begehrlichkeiten hinter den Plänen. „Allein wäre die Stadt nie auf die Idee gekommen, unsere kleinen Paradiese zu vernichten, wenn nicht finanzielle Interessen dahinter stünden.“ Die Anwohner regen demgegenüber an, die Stadt möge sich mit Projekten wie dem Heimattiergarten, der Strandpromenade oder der Seebrücke befassen, „statt die kleinen grünen Oasen am Wedding in einem intakten Wohngebiet einem Parkplatz zu opfern“. Sie betont aber auch, dass sich die Kritik der Anwohner allein auf die Pläne für jene Fläche bezieht, die der Stadt gehören und auf der ihre Gärten stehen. In dem zentral gelegenen Innenhof hingegen, der im Eigentum der Wogesa sei, könnten den Anwohnern zufolge gern Garagen abgerissen werden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Zusätzlicher Parkraum aber, der lediglich Urlaubern den Zugang zum Nationalpark erleichtern soll, sei dort gar nicht notwendig. „Es könnte die Parkplatzsituation am Wedding schon entschärfen, Wanderkarten im Netz endlich mal zu aktualisieren“, glaubt sie. Wenn dort beispielsweise der nicht mehr existierende Parkplatz am Grünen Herz nicht mehr als Startpunkt für den Hochuferweg angegeben werde, würde auch der Verkehr abnehmen.

Angesichts der verhärteten Fronten möchte Frank Kracht zurück auf „Los“. „Um gemeinsam eine Lösung zu finden, die möglichst alle Interessen berücksichtigt, lade ich für den 24. Oktober zu einer Informationsveranstaltung ein“, beschwichtigt der Bürgermeister.

Initiative „Grüner Wedding“

Vermutlich 1928 wurden die ersten Gärten im Bereich zwischen Wedding und Nationalpark angelegt.

140 Parkplätze sollten laut Beschluss des Stadtparlaments vom Mai 2015 in 700 Metern Entfernung vom Wohnquartier entstehen.

Das neue Parkhaus soll Fußgängern den Zugang durch den Tierpark in den Nationalpark und zum Unesco- Welterbeforum ermöglichen.

1002 Unterschriften unter ihren Offenen Brief übergab die Initiative „Grüner Wedding“ nun an den Stadtpräsidenten.

Etwa 20 betroffene Laubenpieper fordern eine Rücknahme der Kündigungen für ihre Gärten. Gegen die Umgestaltung des Innenbereichs zwischen den Wohnblöcken haben sie keine Einwände.

Uwe Driest

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