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„Im Vorfeld Signal gegen Proteste setzen“

Bergen „Im Vorfeld Signal gegen Proteste setzen“

224 Asylbewerber leben zurzeit auf Rügen. Weitere 1000 werden in diesem Jahr im gesamten Landkreis erwartet. Viele Kommunen der Insel ziehen nach knapp zwei Jahren ein positives Fazit.

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Setzen ein Zeichen gegen Ausgrenzung: Stadtpräsident Eike Bunge und Bürgermeisterin Andrea Köster zu Besuch in Neklade bei den Asylbewerbern Mamoudou Bah (li.), Haby Saidou Sow (re.) und den Kindern Marieme, Penda und Salam (v.li.) aus Mauretanien.

Quelle: Stefanie Büssing

Bergen. Liridon Setishi freut sich wieder auf die Schule. Das war nicht immer so — in seinem Herkunftsland, dem Kosovo, sei der Neunjährige in der Schule geschlagen worden.

„Auch mein Mann wurde von Albanern verprügelt. Wir hatten dort keine Rechte, weil wir Roma sind. Deswegen haben wir alles verkauft und sind hierhergekommen“, sagt Mutter Sabrije Setishi, die seit drei Monaten mit ihrer fünfköpfigen Familie in Neklade lebt. Sie ist eine der insgesamt 224 Asylsuchenden, die zurzeit auf der Insel leben. Im Landkreis werden in diesem Jahr weitere 1000 Asylbewerber erwartet.

„Wenn man sich beispielsweise die Situation in Syrien anschaut, ist es gar keine Frage, dass wir die Menschen aufnehmen, um ihnen eine Perspektive zu geben“, betont Stadtpräsident Eike Bunge (CDU).

Nach Prognosen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2015 voraussichtlich 4 700 Personen aufnehmen. „Wir rechnen aber damit, dass die Zahlen noch höher liegen“, sagt Marion Schlender, Sprecherin vom Innenministerium, die die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Vorpommern-Rügen 2015 mit rund 1000 beziffert. Wie viele davon auf die Insel kommen steht laut Olaf Manzke, Sprecher des Landkreises, noch nicht fest. „Wir werden versuchen, sie in der Fläche zu verteilen. Die Verteilung richtet sich aber nicht nach der Einwohnerzahl einer Gemeinde, sondern danach, wo geeignete Immobilien für die Unterbringung zur Verfügung stehen“, erklärt Manzke.

Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) rechnet in Bergen mit rund 100 weiteren Asylsuchenden in diesem Jahr. „Nun müssen wir gucken, wo wir sie unterbringen. Günstig wäre eine Konzentration in Neklade, weil dort alle gemeinsam betreut werden können, aber zurzeit sind dort alle Wohnungen belegt.“ Sie rechne damit, dass neben den bestehenden eineinhalb Stellen, die zur Betreuung der Asylbewerber geschaffen wurden eine weitere hinzukomme.

„Wie viele Asylbewerber nach Putbus kommen, wissen wir noch nicht“, sagt Thomas Möller, Bau- und Ordnungsamtleiter der ehemaligen Residenzstadt. „Wir hoffen aber, dass die Zahl sich so einpendelt, dass wir die vorhandenen Kapazitäten nutzen können, eine Erweiterung wäre schwierig.“

Insgesamt 92 Asylbewerber — darunter 44 Kinder — leben zurzeit in der Inselhauptstadt. Seit der Ankunft der ersten Hilfesuchenden am 25. April 2013 haben weitere 92 Asylbewerber Station in Bergen gemacht. 33 davon haben laut Manila Gleisberg, Fachgebietsleiterin Soziales beim Landkreis, inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und werden auch weiterhin in der Inselhauptstadt leben.

„Sie haben sich gut integriert. Ich bin dankbar, dass hier das gemeinschaftliche Miteinander so gut läuft“, betont Köster, die gemeinsam mit Bunge den Asylsuchenden in Neklade in der vergangenen Woche einen Besuch abgestattet hatte — unter anderem im Hinblick auf Islamkritiker wie die „Pegida“-Demonstranten. „Bergen ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir Pegida nicht brauchen“, betont Köster. „Angst vor Übergriffen haben wir zurzeit nicht, aber wir wollen schon im Vorfeld ein Signal gegen solche Proteste setzen“, erklärt Bunge.

Auch Vera Wilke, Leiterin des Sassnitzer Ordnungsamtes, zieht nach knapp zwei Jahren eine positive Bilanz für die Hafenstadt. „Als wir erstmalig mit dem Thema konfrontiert wurden, gab es gewisse Vorbehalte, inzwischen ist aber die Akzeptanz gegeben“, sagt Wilke. Schwierig für die zurzeit 48 Asylsuchenden sei mitunter zwar die kurze Verweildauer von oft nur wenigen Monaten. „Probleme im Zusammenleben gibt es aber nicht.“ Im Gegenteil: „Im Grundtvighaus hat sich sogar eine Bürgergruppe zusammengefunden, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Integration zu erleichtern und ehrenamtlich Deutschkurse anbietet.“ Für viele Asylsuchende, sei dies der erste Schritt zur Integration.

Auch in Bergen werden neben Sprachkursen weitere Aktivitäten wie Familiennachmittage oder internationale Workshops angeboten. „Wir sind auf dem richtigen Weg aber noch nicht am Ziel“, weiß Bunge, der das Thema im nächsten Europaausschuss diskutieren möchte.

Ibrahim Wale, der bei Auseinandersetzungen in Mauretanien seine Familie verloren hat und zurzeit auf Rügen Asyl sucht, ist dankbar für diese Chance. „Hier bin ich sicher, die Menschen sind sehr freundlich und ich hoffe, dass ich eines Tages wieder in mein Land zurückkehren kann.“

Aktuell leben 224 Asylsuchende auf der Insel.
438 Asylbewerber sind seit 2013 auf die Insel gekommen. Davon leben aktuell 224 auf der Insel.
183 Asylsuchende kamen seit 2013 nach Bergen, davon leben 92 aktuell in der Inselhauptstadt, darunter 48 Erwachsene und 44 Kinder. 33 haben eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, die restlichen 58 sind zum Teil freiwillig ausgereist, umgezogen, untergetaucht oder sie wurden abgeschoben.
24 Asylbewerber leben zurzeit in Putbus, darunter fünf Kinder. Seit 2013 waren es insgesamt 58, neun davon haben inzwischen eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.
119 Menschen haben seit 2013 Zuflucht in der Hafenstadt gesucht, aktuell sind es 48, davon 17 Kinder. Zehn haben eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten.
12 Kinder und 12 erwachsene Asylsuchende leben zurzeit in Sagard und Altenkirchen, in Samtens sind es 21, im Amt Mönchgut Granitz 15.

 



Stefanie Büssing

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Zu Besuch im Asylbewerberheim in Neklade: Bergens Stadtpräsident Eike Bunge und Bürgermeisterin Andrea Köster mit Mamoudou Bah (2.v.li.) und Haby Saidou Sow (re.) aus Mauretanien mit ihren Kindern Marieme, Penda und Salam.

224 Asylbewerber leben zurzeit auf Rügen. Weitere 1000 werden in diesem Jahr im gesamten Landkreis erwartet.

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