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Rügen In Sagard treffen sich Flüchtlinge mit ihren neuen Nachbarn
Vorpommern Rügen In Sagard treffen sich Flüchtlinge mit ihren neuen Nachbarn
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00:00 09.04.2016
Bei Kaffee und Kuchen kommen die Sagarder und die Flüchtlinge ins Gespräch und sich schließlich näher. Quelle: Fotos: Maik Trettin
Sagard

Auf den Tischen im Sagarder Pfarrhaus ist kaum noch Platz. Zwischen den Kaffee- und Teekannen stehen jede Menge Kuchenplatten und Süßigkeiten. Auch Christa Becker hat — wie viele andere Anwesende — selbst gebacken. „Greifen Sie zu!“, fordert sie ihre Nachbarin auf und hält ihr ermunternd den Teller mit den frischen Brezeln hin. „Dankeschön!“, sagt Safaa etwas holprig. Deutsch spricht die junge Frau aus Syrien noch nicht so gut. Aber sie wolle es unbedingt lernen. Und wenn sie an diesem Nachmittag beim Asylcafé in Sagard noch so oft auf Englisch angesprochen werden: Die 30-Jährige versucht immer wieder — so gut es eben geht — auf Deutsch zu antworten.

Ins Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde wird einmal im Monat zum Asylcafé eingeladen / Zur Premiere waren mehr als 20 Asylbewerber dabei

Asylcafés auf der Halbinsel Jasmund

Anfang des Monats wird immer zum Asylcafé ins Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde Sagard eingeladen.

Ende des Monats wird dagegen in Sassnitz zum Asylcafé gebeten. So sind Interessenten am 28. April ab 16 Uhr im Grundtvighaus willkommen. Dort werden die Länder Syrien und eventuell auch Ägypten vorgestellt.

Manchmal hilft ihr dabei ihre zehnjährige Nichte Hadil. Beide leben erst seit kurzem in Sagard, aber scheinen sich in dem Jasmunder Ort wohlzufühlen. 18 Kinder seien in ihrer Klasse, und „alle sind sehr freundlich“, versichert Hadil und nickt, als sie eine Sagarderin fragt, ob Jungen und Mädchen in Syrien auch gemeinsam unterrichtet würden. Andere wollen wissen, welche ihre Lieblingsfächer sind. Mathematik und Englisch fallen ihr leicht, erzählt Hadil. Aber Deutsch falle ihr schwer. „Vor allem die Grammatik“, sagt sie völlig fehlerfrei.

Mehr als 20 Flüchtlinge aus Sagard und Umgebung, Paare, Alleinstehende und ganze Familien, haben sich beim ersten Asylcafé im Pfarrhaus mit ihren neuen Nachbarn getroffen, um sich einander besser kennenzulernen. Ein solches Angebot gibt es in Sassnitz schon seit zwei Jahren, sagt Pastor Peter Nieber. Nach der gelungenen Premiere soll es auch einmal im Monat in Sagard stattfinden. „Man sieht sich ja sonst kaum“, sagt Christa Becker. Die Flüchtlinge fielen im Straßenbild von Sagard kaum auf. Und von denen, die man sieht, weiß kaum einer der Bewohner etwas. Beim Asylcafé nutzten einige der Neu-Sagarder die Gelegenheit, über ihren Weg auf die Insel zu berichten. Da ist Andrij aus der Ukraine, ein junger, fast schüchtern wirkender Mann. Bauarbeiter war er in seiner Heimat, in der nach wie vor gekämpft wird. Er möchte gern auf der Insel bleiben und wünsche sich nichts so sehr, wie hier Arbeit in seinem Beruf zu finden.

Das will auch Mohamad. Der 23-Jährige ist Friseur. Aus seiner Heimat Syrien ist er im August vergangenen Jahres über die Türkei nach Europa geflohen, mit dem Bus und durch Mazedonien und Serbien sogar zu Fuß. Abenteuerlich klingt auch die Geschichte seines Landsmannes und Namensvetters, des 16-jährigen Mohamad. Der scherzt am Tisch in gebrochenem Deutsch mit den Sagardern. Dabei hätte der junge Mann, der mit seinem Vater aus Damaskus geflohen ist, auf dem Weg nach Europa beinahe sein Leben verloren. Das Schlauchboot, mit dem sie nach Griechenland gebracht werden sollten, war drei Stunden nach dem Ablegen kaputt. „Die griechische Küstenwache hat uns aus dem Wasser gefischt.“ Flucht und Vertreibung sind in Mohamads Familie nichts Neues. Seine Großeltern stammten aus Palästina und hatten vor Jahren in Syrien Schutz gesucht. Der 16-jährige Enkel hofft, dass er in Deutschland bleiben kann. Seine Pläne: „Erst mal richtig Deutsch lernen, dann vielleicht mein Abitur machen und später einmal studieren.“

Safaa hatte diese Ziele schon in ihrer Heimat erreicht. Sie ist Rechtsanwältin, hatte ein Haus in Syrien — und will doch nicht wieder dorthin zurück. Schwanger war sie, als eine Bombe ihr Haus dem Erdboden gleichmachte. Durch den Schock verlor sie das ungeborene Kind. Mit ihrer Nichte und ihrem Bruder kam sie nach Europa, hofft, sich in Deutschland ein neues, ein sicheres Leben aufbauen zu können. Mut macht ihr dabei Lena. Die junge Ukrainerin dolmetscht an diesem Nachmittag für die tschetschenischen und ukrainischen Asylbewerber. Sie ist Juristin wie Safaa, hat in Berlin studiert und ist mit ihrem Mann, der in Sagard Arbeit fand, nach Rügen gekommen. Lena arbeitet hier in einem Immobilienbüro. Sie und Safaa verstehen sich scheinbar auf Anhieb, haben sich viel zu erzählen. Die Augen der jungen Syrerin glänzen. „Ich hoffe für Lenas Baby“, sagt sie irgendwann in gebrochenem Deutsch zu ihren anderen Tischnachbarn.

Von Maik Trettin

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