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„Insulaner brauchen einen Kurswechsel“

„Insulaner brauchen einen Kurswechsel“

Für die Partei „Achtsame Demokraten“ will der Direktkandidat Thomas Gens in den Landtag von MV

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Thomas Gens will in Schwerin Politik für die Inseln Rügen und Hiddensee machen.

Quelle: privat

Bergen Die Partei „Achtsame Demokraten“ hat für die Landtagswahl am 4. September einen Direktkandidaten auf Rügen und Hiddensee ins Rennen geschickt. Thomas Gens (46), der in Kloster auf Hiddensee wohnt, tritt im Wahlkreis 33 an. Die OSTSEE-ZEITUNG stellt den Kandidaten vor und sprach mit ihm über Probleme und Chancen auf den Inseln Rügen und Hiddensee und Lösungsansätze.

Sie sind selbstständig und 24 Stunden am Tag Bürgermeister von Hiddensee. Bleibt da noch Zeit für die Landespolitik?

Thomas Gens: Selbstverständlich. Ich wäre doch nicht der erste Landtagsabgeordnete, der selbstständig und ehrenamtlicher Bürgermeister ist. Außerdem gibt es keine besseren Voraussetzungen für einen Landtagsabgeordneten. Ich kenne aus meiner praktischen Arbeit vor Ort die Chancen, aber auch die Probleme der gesamten Region und unsere Insulaner sehr genau. Auch mische ich mich schon lange außerparlamentarisch in die Landespolitik ein, was der Entwicklung in der Gemeinde Hiddensee gut getan hat und die gesamte Region um Rügen künftig voran bringen wird.

„Ich passe auf unsere Inseln auf“, heißt es auf einem Ihrer Wahlplakate. Sehen Sie die Inseln Rügen und Hiddensee in Gefahr?

Gens: Ich sehe mit Sorge die Entwicklung im Land, die auch Rügen etwas angeht und auf eine oft realitätsferne Politik, die den Ereignissen oder parteipolitischen Zwängen hinterherläuft.

Angefangen von unzureichenden Busverbindungen, Diskussion um die Zukunft der notärztlichen Versorgung oder Schulstandorte, eine oft verantwortungslose Flüchtlingspolitik, der Perspektive der Polizei auf Rügen und Hiddensee, den Problemen der Gemeinden die Feuerwehren zu erhalten bis zu immer weniger Geld für Kindergärten oder Schulen und ein immer teurer werdender Schulbus.

Was wollen Sie tun?

Gens: Unsere Insulaner brauchen einen politischen Kurswechsel, eine starke, hörbare, neue Stimme und präsenten Wahlkreisabgeordneten im Schweriner Landtag, der die Interessen von Rügen und Insulanern kennt, konsequent vertritt und nicht nur zuhört, wenn eine Wahl droht, sondern auch nach dem 4. September seine Wähler nicht vergisst. Darauf passe ich auf.

Hat das Tourismusgeschäft auf Rügen und Hiddensee das Ende der Fahnenstange erreicht oder geht noch mehr?

Gens: Unsere Inseln sind sehr gut besucht. Wichtigste Aufgabe wird nicht sein, mehr Tourismus zu organisieren, sondern unsere Inseln für Einheimische lebenswert und für Gäste attraktiv zu erhalten. Sicher müssen die touristischen Angebote und Infrastruktur weiterentwickelt werden, Rügen braucht ein Verkehrskonzept, aber das Kapital der Inseln, die einmalige Landschaft mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt, muss erhalten bleiben.

Wie stehen Sie zu touristischen Großprojekten beispielsweise in Lohme und Prora?

Gens: Zunächst sollten die Gemeinden und Einwohner vor Ort entscheiden, welche Projekte im Heimatort sinnvoll sind. Aber für Rügen sind weitere Großprojekte strukturell keine gute Entwicklung. Wir stehen schon jetzt vor einem Verkehrsinfarkt auf Rügen. Ich war gerade in Lohme und ich kann mir nicht vorstellen, wie über die bestehenden Verkehrsanbindungen noch mehr Autoverkehr auf Rügen zu verkraften wäre. Mit mir ist keine Politik des „uneingeschränkten Wachstums“ von Großprojekten zu machen, die nur großen Investoren kurzfristige Gewinne verschafft und unsere Inseln mittelfristig kaputt macht und die Einheimischen zu deren Hausmeistern degradiert.

Zu Ihrem Wahlkreis gehört der Westen Rügens. Wenn es dort keinen Schülerverkehr geben würde, würde da überhaupt kein öffentlicher Nahverkehr fahren, sagen böse Zungen. Sehen Sie das auch so? Was muss sich ändern?

Gens: Den Eindruck muss man leider gewinnen. Dazu kommt, dass viele Buslinien nur noch dann bedient werden, wenn Touristen da sind. So ist man nach der Saison von Stralsund eher in London, als mit dem öffentlichen Nahverkehr von Schaprode in Stralsund. Diese Entwicklung ist nicht gut. Busverbindungen müssen aus- und nicht stetig abgebaut werden.

Wo soll das Geld dafür herkommen?

Gens: Ich würde die Frage anders formulieren. Warum ist für öffentlichen Nahverkehr offensichtlich nicht ausreichend Geld da, wenn zeitgleich für andere Dinge ganz ohne Diskussion genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen? Politik muss beantworten, was sie sich leisten will. Für mich zählt bezahlbarer, gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr und auch kostenlose Schülerbeförderung dazu. Auf Hiddensee ist dies Realität.

Sie sind gelernter Hochseefischer. Wie sehen Sie die aktuelle Lage der Fischerei. Was muss getan werden, damit die Fischer wieder eine Zukunft haben?

Gens: Wenn sich nicht drastisch und grundlegend etwas ändert, wird es in fünf Jahren kaum noch Fischerei auf der Insel geben. Das Land sichert mit den sogenannten Abwrackprämien nicht das Überleben der Fischerei, sondern finanziert dessen Ende. Uns muss klar sein: Jeder Fischkutter, der abgewrackt wird, ist für immer verloren. Die Küstenfischerei hat nur eine Zukunft, wenn dieses Handwerk nicht weiter mit Verordnungen, Verboten aus Land und EU erstickt wird und unsere Fischer finanziell überfordern. Im übrigen bedeutet die Fischerei ein Stück Kultur für unsere Region.

„Ich hole Fördermittel für sinnvolle Projekte auf die Insel“, sagen Sie. Welche Vorhaben sind sinnvolle?

Gens: Nicht jeder Fördertopf macht Sinn. Ein Beispiel. In vergangenen Jahren wurden im Land Seebrücken gebaut, obwohl es dort gar keinen See, aber dafür Fördermittel gab. Wenn wir ein Sanitärgebäude auf Hiddensee gebaut haben, muss das Dachgeschoss leer und ungenutzt bleiben, weil das Förderprogramm nur ein Flachdach zulässt. Diese Bürokratie ist niemandem mehr zu erklären.

Förderprogramme müssen den Bedürfnissen und den Entwicklungen in den Städten und Gemeinden angepasst werden und helfen, Kindertagesstätten, Schulen, Feuerwehren, Wege und Straßen, Hafenanlagen zu erhalten oder auszubauen. Der Ausbau von Radwegen, flächendeckend schnelles Internet für ganz Rügen sind sinnvolle Investitionen.

Mit welchen Parteien arbeiten Sie zusammen, wenn Sie das Direktmandat in Ihrem Wahlkreis erringen und in den Landtag einziehen?

Gens: Ich bin kein Politiker alter Schule und völlig unabhängig. Für mich ist für die Arbeit im Landtag nicht der Name einer Partei, Parteidisziplin oder Karriere wichtig, sondern die Insulaner und unsere Inseln. Wenn man sich die aktuellen Umfragen anschaut, wird klar, wie wichtig daher ein Wahlkreisabgeordneter Gens für die Rüganer und Hiddenseer sein kann. Vielleicht entscheidet nur eine – nämlich die „Gens-Stimme“ – über künftige Mehrheiten und somit auch über eine Regierungsbildung im Landtag. Das ist eine einmalige Möglichkeit, die Interessen Rügens und Hiddensees in der Landespolitik klar zu definieren und durchzusetzen.

2011 von der CDU nominiert

Thomas Gens wurde 1970 in Bergen geboren, ist dort und auf Hiddensee aufgewachsen. Heute lebt er mit Tochter und Frau in Kloster. Der Hochseefischer verdient seine Brötchen als selbstständiger Unternehmer. Seit 2010 ist er Hiddensees Bürgermeister.

Parteien: Gens war von 1998 bis 2001 Mitglied der rechtsextremen Deutschen Volksunion in Nordvorpommern und nach eigenen Angaben führend an der Auflösung der Partei in MV beteiligt. 2001 war er Gründungsmitglied der Volkspartei MV. 2004 trat Gens in die CDU ein und 2011 von der Partei als Kandidat für die Landtagswahl nominiert. Der Kreisverband widerrief noch vor der Wahl die Aufnahme in die Partei, weil Gens verschwiegen haben solle, Funktionär der DVU gewesen zu sein. Nachdem ein Widerspruchsverfahren lange nicht entschieden worden war, trat Gens 2013 aus der CDU aus und war in dem Jahr Mitbegründer der „Achtsamen Demokraten“.

Chris-Marco Herold

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