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Linke-Politiker warnt vor zweitem Westerland

Ummanz Linke-Politiker warnt vor zweitem Westerland

Bei einem Forum zum Thema Nationalparks auf Rügen traten auch Landtagskandidaten auf / Kritik an Schutzrichtlinien wurde laut

Ummanz. Zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Gemeindeentwicklung und Nationalpark – Gemeinden und Nationalpark im Dialog“ hatte die Wählergruppe Region Ummanz (WRU) gemeinsam mit Kerstin Kassner (MdB, Linke) am Donnerstagabend in die Pfarrscheune von Waase eingeladen. Das Thema interessierte gut 50 Einwohner der Gemeinde, darunter auch Bürgermeister Holger Kliewe, der als Direktkandidat der CDU zu den Landtagswahlen antritt. Dieter Holtz (Linke), einer von zwei angekündigten Vertretern von in Nationalparken gelegenen Gemeinden, hatte „aus privaten Gründen“ zugunsten des Linken-Landtagskandidaten Wolfgang Weiß abgesagt. So kamen mit Weiß, Kliewe und dem Hiddenseer Bürgermeister Thomas Gens (Achtsame Demokraten) drei aktuelle Bewerber zur Landtagswahl am 4. September zu Wort, und Gernot Haffner könnte sich in seiner Absage des „sehr ungünstig gewählten Termins“ bestätigt gesehen haben. „Als Landesverwaltung sind wir unmittelbar vor Landtags- oder Bundestagswahlen dazu angehalten, uns nicht an Veranstaltungen zu beteiligen, an denen Vertreter politischer Parteien mitwirken“, hatte der Leiter des Nationalparkamts Vorpommern mitteilen lassen.

Vor diesem Hintergrund würde sich Kerstin Kassner auch mehr Zurückhaltung der Landesminister wünschen, die in der heißen Phase des Wahlkampfs mit Fördermittelbescheiden durch die Lande reisen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sich bei ihrem letzten Besuch gar dazu hinreißen lassen, „eine Wahlempfehlung auszusprechen“ und damit die gebotene Trennung von Amt und Mandat missachtet, monierte Kassner.

„Mir fehlen meine Rüganer, und ich möchte wieder mehr mit ihnen ins Gespräch kommen“, leitete Rügens letzte Landrätin zum Thema des Abends über. „Wir sollten die Attraktivität der Insel so erhalten, wie sie sich die Gäste wünschen“, mahnte Kassner angesichts des grassierenden Baubooms.

Der Seepark von Sellin sei bis heute nicht richtig belebt. Im Biosphärenreservat seien mit der Installation eines neuen Beirats und der Erarbeitung eines Rahmenkonzepts aber inzwischen frühere Konflikte zwischen Gemeinden und Verwaltung überwunden.

Dani Neubeck, Sprecher der Wählergruppe, informierte über gesetzliche Rahmenbedingungen: „Das ist geregelt wie der Straßenverkehr, da diskutiere ich auch nicht, sondern halte mich an die Regeln, damit alles reibungslos läuft.“

Wolfgang Weiß betonte den ökonomischen Nutzen von Schutzgebieten, verwies auf die Bedeutung von Raumordnungsverfahren und mahnte: „Ein zweites Westerland auf Sylt sollten wir uns ersparen.“ Außerdem möchte der Linke-Politiker angesichts der Eigentumsverhältnisse in der Gemeinde – der größte Teil von Ummanz befindet sich im Eigentum der Hansestadt Stralsund – die Kommunalverfassung ändern.

Für Thomas Gens ist die neue Landesverordnung zur EU-Vogelschutzrichtlinie „völliger Blödsinn, an dem sich leider alle Fraktionen beteiligen. Wenn drei Meter Schilf nicht weggebaggert werden dürfen, schadet das dem Verständnis in der Öffentlichkeit“. Weder höre Naturschutz an der Nationalparkgrenze auf, noch sollten Maßnahmen, die außerhalb erlaubt seien, innerhalb strikt untersagt werden.

„Wir haben hier auch Probleme mit dem Nationalpark“, stimmte Holger Kliewe dem zu und forderte mehr Dialog und Kompromisse bei der anstehenden Fortschreibung von FFH-Managementplänen und Nationalpark- Plan, kündigte aber zugleich an: „Nutzungseinschränkungen von Privateigentum können und dürfen nicht sein.“

Bis 2020 solle die Hälfte der Nationalpark-Fläche unter Prozessschutz stehen, habe er erfahren. „Das geht nicht“, so Kliewe. Für Mitte September ist nun ein Treffen der Gemeinde mit Vertretern von Nationalparkamt und Landkreis anberaumt, und am kommenden Montag will Kliewe anlässlich der „Übergabe einer Förderzusage für ein Teilstück des Ostseeküstenradweges von Waase nach Wusse“ durch Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) auch für den in der Gemeinde umstrittenen Bau von 30 Liegeplätzen in Waase werben. Dieser Konflikt könnte der eigentliche Grund für die Veranstaltung gewesen sein, verlautete am Rande.

Positiv wertet Holger Kliewe die Überarbeitung der Ausstellung im örtlichen Informationszentrum. In die 100000 Euro teuren Maßnahme bringe sich der WWF ein, der jüngst die Region zu einem von bundesweit 30 „Hotspots der biologischen Vielfalt“ erklärte.

Uwe Driest

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