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„Monokultur Tourismus lehnen wir ab“

„Monokultur Tourismus lehnen wir ab“

Für die Alternative für Deutschland wollen die Direktkandidaten Jens Kühnel und Bernhard Wildt in den Landtag

Bergen Die Alternative für Deutschland hat für die Landtagswahl am 4. September zwei Direktkandidaten auf Rügen ins Rennen geschickt. Jens Kühnel (42) aus Stralsund tritt im Wahlkreis 33 an, Bernhard Wildt (49) aus Groß Zicker stellt sich im Wahlkreis 34 den Wählern. Die OSTSEE-ZEITUNG stellt die Kandidaten vor und sprach mit ihnen über Probleme und Chancen der Insel Rügen und Lösungsansätze.

Sie vertreten die Alternative für Deutschland. Was sind Ihre Alternativen für das Land und für die Insel Rügen?

Bernhard Wildt: Unsere zwei großen Schwerpunkte sind die Bildungspolitik und die innere Sicherheit. Da müssen wir künftig mehr Geld ausgeben, weil wir mehr Polizisten brauchen und die besser ausgestattet werden müssen angesichts der steigenden Anzahl von Wohnungseinbrüchen. Das sieht inzwischen die CDU auch so. Aber wir sind in diesem Punkt das Original, weil wir das seit Jahren fordern.

Auch für die Bildung müssen wir mehr Geld ausgeben.

Warum?

Jens Kühnel: Weil es in der Bildungspolitik klemmt, weil es in der Schülerbeförderung klemmt und so eine freie Schulwahl eigentlich nicht mehr gegeben und gesichert ist. Zudem liegt der Unterrichtsausfall bei weit über 15 Prozent. Mit mehr Geld müssen wir den Fachkräftemangel im Bereich der Lehrer beseitigen. Es müssen finanzielle Anreize geschaffen werden, damit sich der Lehrernachwuchs fürs Land, für Rügen entscheidet.

Woher soll das Geld kommen?

Kühnel: Das Geld ist da, es muss nur anders verteilt werden. So ist nach meinen Informationen für den symbolischen Spatenstich für den Weiterbau der neuen B 96 viel Geld ausgegeben worden.

Das hätte gereicht, um einen Lehrer ein ganzes Jahr zu bezahlen.

Apropos neue Bundesstraße auf Rügen. Wie stehen Sie dazu?

Wildt: Das Projekt an sich und den Weiterbau bis Bergen halten wir für richtig.

Kühnel: Nur die Umsetzung ist eine Katastrophe.

Warum?

Wildt: Weil auf der gesamten Länge nie durchgängig zwei Spuren in jeder Richtung zur Verfügung stehen. So kann sich auf der neuen Straße der Verkehr bei entsprechend hohem Aufkommen auch schon mal selbst lahmlegen.

Das passiert in der Saison täglich zwischen Bergen in Richtung Bäderküste und Mönchgut. Wird mit der neuen B 96 der Stau nur weiter auf die Insel verlagert?

Wildt: Das ist ohne Zweifel so. Um diesen Zustand in Richtung der touristischen Zentren zu beheben, müsste vielmehr mit Kreisverkehren gearbeitet werden.

Kühnel: Das generelle Problem auf Rügen ist doch, dass die Infrastruktur für eine Tourismusregion nicht gut genug ist. Ein Anfang wäre beispielsweise der Ausbau des Flugplatzes Güttin.

Was wäre aus Ihrer Sicht die Lösung?

Wildt: Es muss für den Verkehr und den Tourismus ein Gesamtkonzept her. Da sind wir gar nicht so weit von den Grünen entfernt. Denn inzwischen laufen die Proportionen aus dem Ruder. Die Straßen schaffen das alles gar nicht mehr.

Das führt zu Frust bei Rüganern und Urlaubern . . .

Wildt: Das kann ich als Vermieter nur unterstreichen. Unsere Urlauber wollen sich erholen, aber die Möglichkeit dazu finden sie teilweise nicht mehr.

Kühnel: Und für Prora sehe ich schwarz. Angesichts des Baubooms ist die dortige Verkehrsinfrastruktur eine Katastrophe.

Ist beim Thema Tourismus das Ende der Fahnenstange erreicht?

Wildt: Das kann jedenfalls nicht das Allheilmittel für die Insel sein. Wir lehnen eine Monokultur Tourismus für Rügen ab. Es müssen auch Produktionsarbeitsplätze her. Im Industriegebiet in Bergen und in Sassnitz wäre Platz, diese anzusiedeln. Darum müsste sich das Wirtschaftsministerium kümmern und endlich Fördermittel nach Konzept vergeben. Gegenwärtig ist es doch so, dass Rügen in Schwerin nicht als Gesamtheit gesehen und deshalb Geld nach dem Gießkannenprinzip vergeben wird – eine Marina hier, ein Radweg dort. Und warum sich ein Wirtschaftsminister mit der Verlängerung einer Promenade von Binz nach Prora befassen muss, ist mir vollkommen unverständlich. Er soll sich um die Wirtschaft kümmern.

Sollte es denn künftig einen Tourismusminister für das Land geben?

Wildt: Das wäre eine gute Idee. So könnte der Tourismus vom Rest der Wirtschaft klar getrennt werden. Und vielleicht würde dann auch das Hinterland mehr als bisher beachtet werden.

Sie waren und sind Gegner der Kreisgebietsreform. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Kühnel: Ich sage ganz klar: Es ist nichts besser geworden. Es ist vieles verkompliziert worden.

Wildt: Ich kann nicht erkennen, welche Einsparungen gekommen sind. Für Bergen hat die Reform sehr negative Folgen. Viele Häuser stehen leer. Insgesamt ist die Verwaltung bürgerferner geworden.

Herr Kühnel, Sie wohnen in Stralsund. Wie gut kennen Sie sich auf Rügen, in Ihrem Wahlkreis aus?

Kühnel: Ich glaube, dass ich die Insel ganz gut kenne. Schließlich bin ich als Inhaber einer Veranstaltungsagentur öfter auf Rügen arbeitsbedingt unterwegs. Auf ihr wohnen würde ich, wenn ich bezahlbaren Wohnraum gefunden hätte.

Wo sehen Sie Ihre Partei nach der Landtagswahl?

Wildt: Wir sind für vieles offen, müssen aber nicht auf Teufel komm raus in die Regierung.

Kühnel: Eine gute Opposition ist ja nicht das Schlechteste.

Interview von Chris-Marco Herold

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