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„Stiller Protest“ gegen Immobilientag auf Rügen

Bergen „Stiller Protest“ gegen Immobilientag auf Rügen

Demonstranten wollen auf die Gefahren ungezügelter Vermarktung von Immobilien hinweisen / Links-Politikerin Kerstin Kassner führt Protestler an

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Der Bauboom ergreift vor allem die Ostseebäder. Auch im Zentrum von Sellin entstehen neue Hotelbauten.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Bergen. Mit einem „stillen Protest“ möchte sich Kerstin Kassner gemeinsam mit einigen Mitstreitern beim Immobilientag Vorpommern einbringen (die OZ berichtete). „Wir möchten darauf hinweisen, dass unsere Insel zunehmend durch Vermarktungsinteressen von Immobilienhändlern bedroht wird“, sagt Rügens ehemalige Landrätin und heutige Bundestagsabgeordnete (Linke). „Wir möchten dafür werben, dass nicht ohne Sinn und Verstand immer weitergebaut wird und am Ende wie auf Sylt die Einheimischen nicht mehr in der Nähe ihrer Arbeitsplätze wohnen können und in den attraktivsten Lagen Rollladensiedlungen entstehen“, so Kassner. „Es ist angesichts dieser Situation notwendig, sich zu äußern.“

 

OZ-Bild

„Wir möchten dafür eintreten, dass nicht ohne Sinn und Verstand immer weitergebaut wird und in den besten Lagen nur noch Rollladensiedlungen entstehenKerstin Kassner MdB Linke

Quelle:

Immobilientag Vorpommern

Unter dem Titel „Urlaub machen, wo andere wohnen – Tourismus- und Wohnungsmarktentwicklungen in Vorpommern“ findet der 3. Immobilientag Vorpommern am 3. und 4. Mai in Bergen statt. An zwei Tagen halten Referenten Fachvorträge. Infos und Anmeldung bei Projektleiter Karl Kuba unter 0 3834/55 06 06 oder kuba@invest-in-vorpommern.de.

Anlass für den Protest soll der Immobilientag Vorpommern sein, den die Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern (WFG) am 3. und 4. Mai im Parkhotel Rügen in Bergen durchführt. Etwa eine Stunde lang möchte die Gruppe während der Anreise der Tagungs-Teilnehmer dann ein Transparent mit dem Motto „Rügen nicht verscherbeln“ hoch halten.

Karl Kuba, Projektleiter für den Immobilientag bei der WFG, kann sich nicht als Adressaten der Kritik sehen. Schließlich handele es sich um eine Fachtagung, die alle Aspekte rund um das Thema „Immobilien und Tourismus“ berücksichtige. „Letztlich geht es darum, Tourismus so zu gestalten, dass Urlauber gern nach Rügen kommen und ihr Geld dort lassen.

Das bedeutet, dass sich Tourismus nicht an deren Bedürfnissen vorbei entwickeln darf“, so Kuba. Daher stelle auf der Tagung ein Usedomer Immobilienmakler seinen Faktencheck zu „Wohnungsbau vs.

Ferienwohnungen“ vor, referiere das private Forschungsinstitut RegioKontext über „Mitarbeiterwohnen“ und stelle eine Berliner Projektagentur ihre Erkenntnisse zum Thema „Gemischte Stadt – bezahlbares Wohnen?“ vor. „Schade, dass Frau Kassner sich nicht angemeldet hat“, bedauert daher auch Rolf Kammann, Geschäftsführer der WFG, dann hätten man im Raum statt auf der Straße diskutieren können.

Dafür sei es indes noch nicht zu spät, obwohl die Tagung mit rund 90 Anmeldungen bereits gut gefüllt sei. „Der Immobilientag sieht ausschließlich Fachvorträge vor und ist mitnichten eine Verkaufsveranstaltung“ betont Kammann und verweist darauf, „dass letztlich die Gemeinden die Planungshoheit haben“.

„Schon der Teilnehmerbetrag von 180 Euro, der nur von solchen Menschen aufgebracht werde, die vom Immobiliengeschäft profitieren, grenzt kritische Teilnehmer aus“, hält Kassner dagegen. „Die Wirtschaftsfördergesellschaft setzt zu sehr auf die einmalige Vermarktung von Grund und Boden, anstatt sich für die nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen einzusetzen“

Das überfordere seine Einrichtung, wehrt sich Kuba. Geldgeber würden naturgemäß auf Rendite achten und wegen des aktuell niedrigen Zinses verstärkt in Immobilien investieren. „Diesen Run müssen Genehmigungsbehörden und Kommunen regulieren, indem sie Flächennutzungs- und Bebauungspläne scharf unter die Lupe nehmen und entscheiden, was sie wollen und was nicht“, so Kuba.

So einfach sei das in der Praxis nicht, wendet Frieder Jelen ein. Der Ehrenvorsitzende des Verbandes Insula Rugia und Sprecher eines „Rügener Forum Alternative Kommunalpolitik“

schließt sich dem Protest an. Jelen, von 1993 bis 1994 Umweltminister von MV und von 2000 bis 2008 Landrat des damaligen Kreises Demmin, verfügt über Erfahrungen in der Kommunalpolitik und weist auf die beschränkte Möglichkeiten hin, „wie ein Volksvertreter Einfluss auf die Bauleitplanung nehmen kann“. Auch die direkte Beteiligung von Bürgern sei in Mecklenburg-Vorpommern nicht zulässig.

„Gleichwohl gehen wir nicht davon aus, dass die Tagung dazu dienen soll, Rügen zuzubauen, und wir sind auch nicht gegen jegliche neue Vorhaben“, so Jelen. „Aber wir möchten mit den Akteuren der Branche ein vernünftiges Konzept, statt nur immer mehr Betten zu bauen.“ Das solle intelligente energetische und ökologische Lösungen ebenso umfassen wie eine vorausschauende Planung erforderlicher Infrastruktur. So müsse zusätzlich entstehender Verkehr bevorzugt auf einen optimierten Öffentlichen Nahverkehr gelenkt werden.

Im Allgäu habe er sich Beispiele dafür angesehen. Jelen: „Zu solchen Fragestellungen würden wir Fachtagungen brauchen!“ In diesem Sinn möchte er „weiter darum kämpfen, dass die Insel auch zukünftig lebenswert für alle bleibt“.

Uwe Driest

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