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Traumhochzeit oder Zwangsheirat?

Mönchgut Traumhochzeit oder Zwangsheirat?

Middelhagen, Gager und Thiessow fassen Grundsatzbeschluss für eine mögliche Fusion zu einer neuen „Gemeinde Mönchgut“ / Bürgerentscheid dazu gefordert

Mönchgut. Das hat es bisher auf Mönchgut noch nicht gegeben: an drei verschiedenen Orten zur selben Zeit eine außerplanmäßige Gemeinderatssitzung. Am Montagabend haben die Volksvertreter von Middelhagen, Thiessow und Gager einen Grundsatzbeschluss über eine mögliche Fusion ihrer Gemeinden gefasst. Damit könnte eine neue „Gemeinde Mönchgut“ entstehen — im Jahr 2018. Ob dies rechtlich und verwaltungstechnisch möglich wäre, soll nun durch das Amt Mönchgut-Granitz, zu dem die drei Gemeinden gehören, geprüft werden. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den drei Bürgermeistern und ihren Stellvertretern, soll dabei als koordinierendes Gremium fungieren.

 

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Torsten Jelinski

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Karl-Heinz Ließmann

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Kleine Gemeinden

1376 Einwohner würde die neue „Gemeinde Mönchgut“ nach einer Fusion haben. In der Gemeinde Middelhagen wohnen derzeit 628 Einwohner, die Gemeinde Ostseebad Thiessow zählt 355 Einwohner und die Gemeinde Gager 393 Einwohner.

Die Arbeitsgruppe hatte sich im März zusammengesetzt und ein so genanntes Positionspapier erarbeitet. In dem heißt es unter anderem, dass eine von den drei Gemeinden selbst initiierte, gut durchdachte und im Konsens mit den Bürgern solide und langfristig vorbereitete Fusion positive und nachhaltige Effekte befördern könne. Der Zusammenschluss zu einem dann leistungsstarken Geimeindeverbund biete die einmalige Chance vor dem Hintergrund immer geringerer finanzieller Mittel, die bestehenden Potentiale zu bündeln und Investionsvorhaben anzuschieben. Erhebliche Einsparpotentiale würden sich beispielsweise durch höhere Schlüsselzuweisungen, niedrigere Amtsumlage, nur eine Kreisumlage und einen Haushalt ergeben sowie durch die Einsparung von Sitzungsgeldern.

Künftig gäbe es nur noch einen Bürgermeister und eine Gemeindevertretung. Synergie- und Spareffekte erhofft man sich auch im Bereich der Kurverwaltungen. Deren Standorte und Personal sollen erhalten bleiben, langfristig könnte es eine Hauptstelle und nur noch einen Kurdirektor geben. Die Namen und die Identität der einzelnen Orte sollen aber erhalten bleiben.

Im Vorfeld der Sitzungen war es allerdings zu Irritationen gekommen. Knackpunkt war die Formulierung, dass bereits ein Beschluss zur Fusion gefasst werden sollte. Dieser wurde dann am Montag in eine Willensbekundung abgeschwächt. „Damit wurde die Brisanz ein bisschen herausgenommen, der erste Beschluss war etwas über das Ziel hinausgeschossen“, findet Thomas Kliesow, Gemeindevertreter von Middelhagen. Der CDU-Mann versteht allerdings nicht, warum das Thema in einer extra kurzfristig anberaumten Sondersitzung behandelt werden musste. Schließlich hatten die Gemeinderäte aller drei Kommunen gerade erst im April getagt.

Ursprünglich soll die Fusion schon für den 1. Januar 2017 angepeilt gewesen sein. „Das ist aber illusorisch“, schätzt Peter Quilitzsch, Bürgermeister von Gager, ein.

Die eilige Gangart kann auch Karl-Heinz Ließmann, Vorsitzender des Tourismus- und Gewerbevereins „Mönchgut“, nicht nachvollziehen: „Wir waren davon sehr überrascht, vor allem, dass nur die Gemeindevertreter informiert wurden.“ Ließmann plädierte auf der Sitzung dafür, dass die Einwohner ihre Stimme dazu per Bürgerentscheid abgeben sollten.

Das würde auch Thomas Koldevitz „fair“ finden. Der Fischer aus Gager wusste von den Fusionsplänen bisher nichts. „Darüber muss ich erst einmal nachdenken.“ Das Thema Bürgerentscheid war am Montag in Gager kein Thema: „Es waren keine Bürger da“, so Quilitzsch.

Karl-Heinz Ließmann kritisiert weiter, dass Details im Positionspapier festgeschrieben wurden, die noch gar nicht geprüft seien. Zudem hält er die Begründung, warum die Gemeinden Göhren und Baabe ausgeschlossen werden, für „mager“ und „ohne Substanz“.

Für Torsten Jelinski, Gastronom aus Thiessow, ist die angestrebte Fusion zu kurz gedacht. „Das ist für mich nur die kleinere, schlechtere Variante. Die bessere wäre die große, also die Großgemeinde Mönchgut mit Amtssitz in Baabe, den wir da schon haben, und mit einem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Großgemeinde wird sowieso kommen, diese hätte mit rund 7000 Einwohnern und 26500 Gästebetten ein viel größeres Gewicht als dieses Kleinklein.“

„Wir drei kleinen Gemeinden sind ähnlich strukturiert und ganz anders als die Ostseebäder“, meint hingegen Peter Quilitzsch. Zudem arbeite das Trio jetzt schon in einigen Bereichen zusammen, so im Schul- und Kitaverband „Mönchgut“. Diesen haben Middelhagen, Gager und Thiessow 1993 gegründet, er ist Träger der gemeinsamen Grundschule und des Kindergartens in Gager. Apropos: Ein Teil des „Hochzeitsgeldes“ bei einer Fusion soll in den Bau der geplanten Sporthalle an der Schule (die OZ berichtete) fließen.

Von Gerit Herold

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