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„Wir stehen für Freiheit und Flexibilität“

„Wir stehen für Freiheit und Flexibilität“

Mit Sven Heise (26) und Dominic Dieth (30) hat die FDP die jüngsten Direktkandidaten auf der Insel im Rennen

Bergen Die FDP setzt mit ihren beiden Direktkandidaten für die Landtagswahl ganz auf die Jugend. Der Kreisvorsitzende der Liberalen, Sven Heise, feierte gerade seinen 26. Geburtstag. Er tritt im Wahlkreis 34 an. Dominic Dieth, Gemeindevertreter aus Dranske, ist auch gerade mal 30 Jahre alt. Beide sind auf dem politischen Parkett Neulinge, wenngleich Heise durch seine Führungsfunktion bei der FDP bereits erste Erfahrungen im Umgang mit Mitstreitern und politischen Gegnern sammeln konnte. Die OZ sprach mit den Beiden über ihre politische Motivation, die Rolle der FDP und die Zukunft der Insel.

 

OZ-Bild

Sven Heise (vorn) und Dominic Dieth vor der Kirche auf dem Klosterhof in Bergen.

Quelle: Jens-Uwe Berndt

Welche Chance räumen Sie der FDP – und damit schließlich auch sich – ein, in den Landtag einzuziehen?

Sven Heise: Eine große. Die letzten Landtagswahlen haben bewiesen, dass unsere Partei acht Wochen vor dem Urnengang ihr Potenzial verdoppeln kann. Die drei Prozent aus den Umfragen für MV sehe ich als eine Motivation, Gas zu geben. Stünden wir bei sechs Prozent, wäre das für den ein oder anderen vielleicht bereits ein Signal, sich zurückzulehnen.

Wozu braucht MV denn überhaupt die FDP?

Heise: Wir sind die einzige demokratische Alternative. Eine weitere Legislaturperiode mit der großen Koalition wäre die Fortsetzung von Schläfrigkeit und Langeweile.Wir wollen frischen Wind in die Politik bringen. Mit uns wird es die alten Seilschaften nicht mehr geben. Und nach fünf Jahren ohne Landtagsmandat sind wir wieder hungrig, es anzupacken.

Dominic Dieth: Es muss eine gesunde Alternative ins Land.

Was heißt das?

Dieth: Die FDP steht für Freiheit. Und die wird hier mehr und mehr eingeschränkt. Wir bekommen immer mehr Vorschriften und Reglements. Es geht eigentlich nichts mehr ohne Satzung.

Wie alt sollte man sein, um erfolgreich gute Politik machen zu können?

Heise: Manche sind mit 50 Jahren noch nicht geeignet und fälschen ihre Lebensläufe, andere – wie unser Bundesvorsitzender Christian Lindner – zog erstmals mit 21 in den Düsseldorfer Landtag ein. Zwar haben junge und dynamische Leute nicht die Erfahrungen, sehen aber einiges pragmatischer.

Dieth: Die Jungen würden ohne die Älteren Fehler machen, die schon gemacht worden sind und die man vermeiden kann. Allerdings brauchen die Älteren auch die Sichtweise der Jungen, denn Bedürfnisse und Ansichten haben sich geändert.

Was ist Ihr Thema Nummer eins für die Insel Rügen?

Heise: Eigentlich gibt es da zwei: Zum einen ist es die Bildung und Schulfinanzierung. Die Klassenräume sind überfüllt, die Lehrer überaltert. Wir haben junge Leute, die in Rostock oder Greifswald auf Lehramt studieren. Denen müssen Anreize geschaffen werden, an den Schulen von MV bleiben zu wollen. Das geht mit der Herabsetzung der Pflichtstunden und kleineren Klassen. 28 Schüler pro Klasse – das macht keinen Sinn. Das zweite Thema ist die Entwicklung der Infrastruktur in Kopplung mit der Digitalisierung. Es fehlt uns auf Rügen an schnellem Internet. Und bei der Infrastruktur benötigen wir ein Verkehrskonzept, das die Touristen dazu bewegt, ihre Autos auch mal stehen zu lassen.

Dieth: Für mich sind es die saisonverlängernden Maßnahmen. Zwölf Wochen Auslastung in den Hotels und Herbergen sind nicht genug. Allerdings fehlt es außerhalb der Saison an Freizeitangeboten. Das kann man ändern, indem entsprechende Investoren angelockt werden. Für die gilt es, Rahmenbedingungen zu schaffen wie zum Beispiel eine Vereinfachung der Vergabe von Fördermitteln. Die Reglementierung ist auf diesem Gebiet einfach zu stark. – Womit wir schon wieder beim nächsten FDP-Thema wären: Freiheit und Flexibilität.

Herr Heise, Sie sind zwar noch sehr jung, wirken in Ihrer ausholenden Sprache und in Ihren einstudierten Gesten aber wie ein Politiker jenseits der 50 Jahre. Wie kommt das?

Heise: Politische Probleme sind sehr komplex. Die kann man nicht auf flapsige Art erklären, damit wird man vielleicht nicht ernst genommen. Ich bin seit sechs Jahren in der Partei. In dieser Zeit habe ich gelernt, nicht etwa populistische Thesen aufzustellen. Das bin ich nicht. Das wäre nicht authentisch.

Herr Dieth, viele Wähler bevorzugen Parteien, die geschlossen auftreten und nicht zerstritten sind. Bei der FDP klappt es bereits innerhalb der Gemeindevertretung in Dranske schon nicht, was auch mit der Einzelkandidatur von FDP-Mann und Dranskes Bürgermeister Uwe Ahlers deutlich wird (die OZ berichtete – d. Red.). Wie soll das vermittelt werden?

Dieth: Der Wähler entscheidet am Ende mit seinem Kreuz auf dem Wahlzettel, wie er diese Situation bewertet. Denn immerhin haben wir in Dranske Einiges erreicht. Die ehemalige Grundschule wird saniert, ein weiteres Baugebiet konnte erschlossen werden und geht jetzt in die Vermarktung. Egal ob Gemeinde oder Landtag, so etwas funktioniert nie gegeneinander. Keiner schafft irgend etwas allein. Nur gemeinsam sind wir stark.

Wenn Sie in den Landtag kommen, werden Sie sich aller Voraussicht nach mit einer starken AfD-Fraktion auseinandersetzen müssen ...

Heise: Derzeit gibt es ein Duell zwischen vier Parteien. Sich da hinzustellen und zu sagen, ,Wir werden stärkste Fraktion’, ist so was von überheblich. Eine Partei, die keine Lösung anbietet will stärkste Fraktion sein? Dann müsste sie ja in Regierungsverantwortung gehen, und da sehe ich schwarz für unser Land. Es wird von der AfD immer von ,Signalwirkung’ gesprochen. Wenn allerdings in der Summe der Wählerstimmen für AfD und Linkspartei rund 40 Prozent der Bürger populistisch wählen, frage ich mich, was für ein Signal wir da aussenden.

Dieth: Ich habe meine Zweifel, ob die AfD überhaupt die ihr prognostizierte Stärke erreichen wird. In Dranske kam mal jemand zu mir, der sagte, er fände es gut, dass ich mich für den Landtag aufstellen lasse. Aber wenn ich eine reelle Chance haben wollte, sollte ich für die AfD antreten. – Ich möchte aber am nächsten Morgen noch in den Spiegel sehen können.

Herr Heise, was machen Sie, wenn es nichts wird mit dem Landtagsmandat?

Heise: Ich werde Geld verdienen müssen, glaube ich (lacht). Derzeit schreibe ich an meiner Diplomarbeit. Danach ist es mein erklärtes Ziel, auf Rügen bleiben zu wollen. Das ist meine Heimatinsel. Ich würde dann gern im Controlling-Bereich im Tourismus arbeiten.

Herr Dieth, Sie kommen aus Bochum. Warum haben Sie sich ausgerechnet für Rügen als neue Heimat entschieden?

Dieth: Rügen vereint, was ganz Deutschland in der Fläche zu bieten hat. Es ist wunderschön hier. Und ich wollte dort leben, wo andere Urlaub machen. Und die Menschen sind einmalig hier.

Während in Bochum die Leute relativ aufdringlich sind, haben sie hier ein ausgeglichenes, ruhiges Wesen.

Sven Heise (26)

Rügen: Der im Bergener Sana-Krankenhaus geborene Sven Heise lebt heute in Woorke in der Gemeinde Patzig. Er versichert, mit Leib und Seele Rüganer zu sein.

Politik: 2010 ist Heise, der – wie er selbst sagt – einer klassischen Arbeiterfamilie entstammt, Mitglied der FDP geworden. 2014 trat er zur Kommunalwahl an, blieb aber ohne Mandat. Im vergangenen Jahr wurde Heise Kreisvorsitzender der FDP.

Privatleben: Sven Heise bezeichnet seinen Beziehungsstatus als „vergeben“. Ob es sich dabei um eine Freundin oder einen Freund handelt, möchte er nicht verraten. Darüber hinaus ist Heise Patenonkel eines neun Monate alten Kindes. Er beschreibt sich als einen umgänglichen Menschen. Er habe immer „ein offenes Ohr“ und könne gut zuhören.

Dominic Dieth (30)

Rügen: Geboren wurde er 1986 in Bochum, wo er auch aufwuchs. Nach der Wende hatte er mit seinen Eltern mehrfach Urlaub auf Rügen gemacht. In dieser Zeit wuchs seine Zuneigung zur Insel, weshalb er vor einigen Jahren hierher zog.

Politik: Dieth ist seit 2014 Mitglied in der FDP. Im gleichen Jahr trat er zur Kommunalwahl an und ergatterte mit den zweitmeisten Stimmen nach Bürgermeister Uwe Ahlers für die FDP ein Mandat in der Gemeindevertretung.

Privatleben: Dieth versichert, ledig zu sein. In Dranske wohnt er allein. Er engagiert seit kurzem im Tierschutzverein und ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt. Ähnlich wie sein Parteifreund Heise sei er ein guter Partner für Gespräche. Man könne mit ihm über alles reden. Auch verstehe er es gut, den Leuten zuzuhören.

Jens-Uwe Berndt

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