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Polizei wollte Telefonbetrüger austricksen

Bergen/Garz Polizei wollte Telefonbetrüger austricksen

Garzerin sollte um 1000 Euro geprellt werden / Beamte planten eine Falle

Bergen/Garz. Im Polizeihauptrevier von Bergen herrschte gestern Jagdfieber. Telefonbetrüger, die eine 62-Jährige aus Garz um mindestens 1000 Euro prellen wollten, sollten zu einer persönlichen Kontaktaufnahme mit ihrem Opfer verführt werden. Und 15 Uhr wollten die Beamten die Falle zuschnappen lassen. – allerdings rochen die Ganoven den Braten.

Bereits Mittwochnachmittag hatte die Garzerin einen Anruf bekommen, bei dem ihr eine Gewinnspielsumme von 37200 Euro offeriert worden war. Das Display zeigte eine Berliner Nummer. „Der Anrufer versprach ihr, das Geld am Donnerstag persönlich übergeben zu wollen“, sagt Polizeirevier- Chef Mario Ullrich. „Zuvor müsse sie allerdings bei Amazon einen Gutschein im Wert von 1000 Euro erwerben, um Auslagen und Gebühren zu decken.“ Kurios, findet Ullrich, denn tatsächlich anfallende Kosten hätten doch locker von der angeblichen Gewinnsumme abgezogen werden können. „Jedenfalls wurde die Frau sofort misstrauisch, konnte sie sich doch nicht erinnern, jemals an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. Auch war sie nicht zum ersten Mal von Telefonbetrügern angerufen worden. Und so kam sie zur Polizei.“

Die Beamten instruierten die 62-Jährige, bei der erneuten telefonischen Kontaktaufnahme dem Anrufer zu suggerieren, sie habe zwar einen Gutschein gekauft, sei aber zu misstrauisch, um die Nummer am Telefon preiszugeben. Nur von Angesicht zu Angesicht sollte sie bereit sein, Auskunft zu geben.

„Wir hatten große Hoffnung, dass die Betrüger darauf eingehen würden.“, sagt Ullrich. „Dann hätten wir uns vor dem Wohnhaus auf die Lauer gelegt, um diese Leute auf frischer Tat zu stellen.“

Daraus wurde jedoch nichts, denn wie Ullrich wieder einmal feststellen musste, meiden solche Leute den unmittelbaren Kontakt. „So auch hier“, sagt er. „Wahrscheinlich war ihnen die Garzerin zu selbstbewusst, stellte zu viele Fragen: Jedenfalls erfolgte kein weiterer Anruf.“

Der Betroffenen war die gesamte Aktion ein Rätsel. „Weder steht sie im Telefonbuch, noch hat sie Internet“, sagt der Revierleiter. „Trotzdem ist sie mit vollem Namen angesprochen worden.“ Ullrich vermutet, dass die Garzerin unter Umständen doch irgendwann mal an einem Gewinnspiel teilgenommen hat, bei dem es am Ende nur darum gegangen war, persönliche Daten abzugreifen.

Diese seien dann – wie der Polizist es nennt – vertickt worden. Auffällig auch, dass die Frau bereits viermal als potentielles Opfer ausgesucht worden ist.

Mario Ullrichs Appell ist der gleiche wie in ähnlichen, versuchten oder gelungenen Betrugsfällen: Nicht auf Finanzgeschäfte einlassen, die einem am Telefon aufgeschwatzt werden. „Niemand verschenkt Geld“, sagt er. „Deshalb sollten solche Betrugsversuche unbedingt bei der Polizei angezeigt werden.“

Dass die Täter so schnell von der Garzerin abgelassen haben, begründet Ullrich mit der Masse an „Mit-Opfern“. „Es werden zu Hunderten, vielleicht zu Tausenden ältere Menschen angerufen“, sagt er.

„Das klingt aufwendig, lohnt sich aber schon, wenn nur drei oder vier kontaktierte Rentner darauf eingehen.“

Jens-Uwe Berndt

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