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Rügen Pommerns plattdeutsche Dichter
Vorpommern Rügen Pommerns plattdeutsche Dichter
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00:00 04.05.2016

„Wo de Ostseewellen trecken an den Strand“ ist ein Evergreen der Lieder in niederdeutscher Sprache. Dabei wurde der in verschiedenen Varianten und für diverse Meere vorliegende Text 1907 in Berlin geschrieben. Eine Liebeserklärung von Martha Müller-Grählert an die pommersche Heimat ganz wie Adolf Pompes in Halle geschriebenes Pommernlied „Wenn in stiller Stunde“. Ein Welterfolg, schreibt Will Passig, in seinem gerade bei Edition Pommern erschienenen „Plattdeutschen Dichterbuch“ vor.

Reich hat das Ostseewellenlied seine 1876 in Barth geborene Schöpferin nicht gemacht. Sie starb völlig verarmt 1939 in Franzburg im Altersheim. Dort erinnert seit einigen Jahren eine Gedenktafel an sie. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte Martha Müller-Grählert in Zingst. Auf ihrem später gestifteten Grabkreuz stehen die ersten Worte des Ostseewellenliedes : „Hier is miene Heimat, hier bün ick to Hus“. Pommern hat zwar keinen Fritz Reuter, John Brinckman oder Rudolf Tarnow aufzuweisen wie Mecklenburg. Aber Willi Passig führt in seinem Buch doch den Nachweis, dass es im Land am Meer eine ganze Reihe bemerkenswerter Autoren gab, die sich zumindest zeitweise der Heimatsprache bedienten. 29 Frauen und Männer aus Vor- und Hinterpommern stellt der Pastor im Ruhestand vor. Allein neun der so Geehrten wurden in Greifswald geboren oder haben dort gewirkt. Fünf Namen sind mehr oder weniger stark mit Rügen verknüpft. Aus Stralsund ist Erich Hagemeister vertreten, der in der Stadt am Sund geboren wurde und als Dramatiker und Dramaturg am Schweriner Theater wirkte.

Auch der berühmte Maler der Romantik, der Wolgaster Philipp Otto Runge hat Gedichte in plattdeutscher Mundart verfasst. Dass viele anerkannte Germanisten Freunde des Niederdeutschen sind, das belegt der in Göhren auf Rügen geborene Greifswalder Germanistikprofessor Bruno Markwardt. Ein aufrechter Mann, der sowohl in der NS-Zeit als auch in der DDR politischen Anfeindungen ausgesetzt war, schreibt Passig.

Den Lehrer Heinrich Bandlow hat man sogar schon etwas gewagt „pommerscher Reuter“ genannt. Seine Heimatstadt Tribsees verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde und ein Straßenpatronat.

Zu den auch heute noch häufig gelesenen Autorinnen gehört die Neuenkirchener Pfarrerstochter Friederike Charlotte Alwine Wuthenow. 1824, da war Alwine gerade vier Jahre alt, zog die Familie des Pastors Balthasar nach Gützkow. Die Dichterin litt zeitlebens unter psychischen Problemen, hatte Depressionen und Zwangsvorstellungen. Sie verbrachte Jahre ihres Lebens in Heilanstalten.

1842 heiratete Alwine den Gützkower Bürgermeister Ferdinand Wuthenow, der sieben Jahre später als Richter nach Greifswald ging. Dort starb sie 1908. In der Caspar-David-Friedrich-Straße erinnert eine Gedenktafel an Annemariek Schulten. Das ist das von ihr gewählte Pseudonym für die von Fritz Reuter 1858 herausgegebene Sammlung von Dichtungen unter dem Titel „En por Blomen ut Annemariek Schulten ehren Goren von A.W.“ Sie war sich ihres Talents nicht sicher. Reuter hat ihre Gedichte in pommerschem Platt als „Perlen unter Kieseln“ gepriesen.

Von Eckhard Oberdörfer

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